Am 1.3.2002 wurde vor dem Münchener Landgericht das Urteil gegen die Hauptangeklagten
im Prozess um den fast tödlich ausgegangenen neonazistischen Angriff auf
einen Griechen am 13.1.2001 in München gesprochen. Der Angriff erfolgte
von einer Party in einer Gaststätte aus, zu der der Lüdenscheider
und heute in München lebende Burschenschaftler Reiner Mehr sowie Martin
Wiese vom "Nationalen Widerstand Gräfelfing" eingeladen hatten
(siehe TERZ 2/2001 und 3/2001). Mehr wurde mangels Beweise freigesprochen, Wiese
hatte die Party bereits vor dem Angriff verlassen. Der in Anklam geborene Wiese,
der zeitweise in Dortmund lebte, wurde am Tag nach dem Urteilsspruch gegen die
Hauptangeklagten bereits wieder in Bielefeld beim Aufmarsch der "Freien
Kameradschaften" gegen die Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht
gesichtet. Bei der Münchener Party anwesend und zum Teil auch federführend
an dem Angriff beteiligt waren auch diverse (weitere) Personen aus NRW, darunter
auch die Hauptangeklagten Christoph Schulte aus Neuenrade (Märkischer Kreis)
und Maria Anna von Papen aus Arnsberg (Hochsauerlandkreis). Neonazis aus NRW
kassierten die folgenden Strafen: Der 1999 von der NPD als Kommunalkandidat
aufgestellte Christoph Schulte, der sich bei seiner dreiwöchigen Flucht
in die Niederlande abgesetzt hatte, erhielt sechs Jahre, seine Freundin von
Papen, die von dem in der Neonaziszene sehr geschätzten und oft gebuchten
Dortmunder Rechtsanwalt und ehemaligen "Republikaner"-Funktionär
Andrè Picker verteidigt wurde, kassierte fünf Jahre Jugendstrafe
wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Der
ehemalige Geldener Norman Bordin wurde wegen einer versuchten und einer vollendeten
gefährlichen Körperverletzung aus dem Prozeßsaal heraus für
ein Jahr und drei Monate in Haft genommen. Der einschlägig vorbestrafte
Bordin, der sich ebenso wie seine damalige, ebenfalls in der Naziszene aktiven
Freundin Vanessa Schönfelder aus Velbert 1997 bis 1999 oft in Düsseldorf
blicken liess und eng mit der "Kameradschaft Düsseldorf" kooperierte,
war 1997 von Geldern in den Kreis Mettmann gezogen und hatte dort das neonazistische
"Nationale Forum Niederberg" aufgebaut. 1999 verzog er zunächst
ins bayrische Freilassing, später dann nach München, wo er heute unter
"Aktionsbüro Süd" firmiert. Er zählt zu den führenden
Neonazis im Raum Bayern und verfügt über gute Kontakte zu den Kadern
der bundesweiten Neonazisszene.
Auch seine spätere Freundin Daniela Adomat war an dem besagten Abend vor
Ort gewesen. Adomat ist in Neonaziszene ihrer Heimatstadt München bestens
bekannt und aktiv, lebte aber zuletzt in Düsseldorf und ist als Krankenschwester
im "Evangelischen Krankenhaus" (EVK) in Bilk angestellt. Zur Zeit
ist sie in Mutterschutz- bzw. Erziehungsurlaub und hält sich wieder in
München auf. Sie hatte sich ebenso wie zwei weitere namentlich bekannte
Düsseldorferinnen, darunter mindestens eine Arbeitskollegin aus dem EVK,
noch vor dem Eintreffen der Polizei vom Tatort entfernt. Alle drei wurden nicht
angeklagt, da es offenbar keine Beweise für eine Tatbeteiligung gab. Bei
ihren Zeuginnenvernehmungen machte Adomat falsche Angaben und versuchte Bordin
ein Alibi zu verschaffen, was jedoch scheiterte.
Neben dem ebenfalls vor Ort gewesenen Marc Miekeley aus Lüdenscheid, der
ebenso wie Carsten Köppe aus Witten und Michael Krick aus Dortmund Fluchthilfe
für Christoph Schulte leistete, waren also mindestens neun Personen unter
den ca. 60 Partygästen, die in NRW leben oder dort gelebt haben, darunter
drei Düsseldorferinnen. Über mangelnde Kontakte zwischen der nordrhein-westfälischen
und der bayrischen Szene kann der "Nationale Widerstand" also jedenfalls
nicht klagen.
Alzheimer jetzt auch bei Nazi-Metallern
An üblem Gedächnisschwund scheint die Betreiberin des zwischenzeitlich
eingestellten "Arischen Black Metal Forums" (A.B.M.F.), Sarah Helmich
aus Düsseldorf-Flingern zu leiden. In einer Email teilte sie der TERZ kürzlich
mit, dass sie nach wie vor belästigt würde, da sie in Veröffentlichungen
"im Zusammenhang mit einem zeitweiligen' Arischen Black Metal Forum"
erwähnt worden sei. Die vergessliche schwarze Sarah stellt fest, "daß
ich mit diesem zeitweiligen' Arischen Black Metal Forum nichts zu tun
habe" und droht mit "juristischen Schritten", wenn das weiterhin
behauptet und die Dokumentation eines diesbezüglichen Artikels unter http://www.terz.org/texte/sonderno_08_00/nazis2.html
nicht aus dem Internet genommen würde. Um sich von dem Unsinn einer solchen
Drohung zu überzeugen, müssen nicht einmal die vielen vorhandenen
Belege zusammen gekramt werden, es würde völlig reichen, wenn Sarah
einmal ins Regal hinter sich greifen und einen Blick in die von ihr sauber weggeheftete
Duisburger Zeitschrift "Leichenkuss" werfen würde. Dort stellen
Helmich und der damalige Mettmanner und heutige Bonner Aktivist der "Deutschen
Heidnischen Front", Torsten A.
*,
das A.B.M.F. nämlich ausführlich
vor, sogar mit kompletter Nennung ihrer Adressen als Kontaktmöglichkeiten.
Inhaltlich lassen die beiden keinen Zweifel an ihrer Gesinnung. Die Selbstdarstellung
beginnt dann auch gleich mit einem schneidigen "Heil!" und endet mit
der Parole "Black Metal for white people!". Man sei "a junction
for all heathens, satanists and fascists united by the eternal hate against
the judeo-christian belief, the strong version against the weak non-aryan races
(...)". Später teilte die Zeitschrift "Darkness" (Readaktionsadresse:
"Sarah J. Helmich, Lindenstraße 259, 40235 Düsseldorf")
"mit arischem Gruß" mit, dass das A.B.M.F. wegen mangelndem
Interesse wieder aufgelöst worden sei. Noch Fragen?
Nazikonzert in der Altstadt
In der ehemaligen gut frequentierten Punk-Rock-Kneipe "Ratinger Hof"
in der Altstadt scheint rechts außen offensichtlich einiges an "Toleranz"
zu geniessen. Nicht nur, dass dort Düsseldorfers wohl bekannteste rechte
Altglatze Stefan Rasche als Türsteher tätig ist und reihenweise bekannte
Rechtsgesichter zu den Gästen zählen, für den 13. April war sogar
ein Konzert mit der RechtsRock-Band "Barking Dogs" geplant. Mit von
der Partie sollte u.a. die sich als "unpolitisch" verstehende Oi-Band
"Verlorene Jungs" sein, die schon häufig zurecht wegen ihrer
fehlenden Distanz zu RechtsRock-Bands kritisiert worden ist. Und die "Jungs"
wussten auch dieses Mal, mit wem sie es zu tun hatten. Der in Düsseldorf
lebende "Barking Dogs"-Sänger Ingo Wolff ist seit vielen Jahren
im RechtsRock aktiv und auch überregional bekannt. Er spielte früher
in der Düsseldorfer Formation "08/15", gründete dann das
Projekt "Arbeiterklasse", betätigt sich als Schlagzeuger für
die englische Nazikultband "Brutal Attack" um Ken McLellan und stieg
ca. 1997 in die Krefelder Band "Barking Dogs" ein.
Offensichtlich gab es aber bei der Konzertplanung doch noch einige Leute, die
dem Auftritt der "Barking Dogs" kritisch gegenüber standen. An
den "Verlorenen Jungs" aber wäre der Auftritt von "Barking
Dogs" nicht gescheitert. Denen wurde die Sache einfach nur heiss. "Es
ging um Musik, Spaß - Parole Spaß eben - und kein Mensch hatte dabei
auch nur einen Moment an Politik gedacht", ist auf ihrer Homepage zu lesen.
"Aber dann brach hier mit einem mal der Sturm los. (...) Und irgendwann
ging es nur noch um Politik. (...) Rechts und links - es kotzt mich an."
Und da der Faktor "Spaß" nicht mehr ausreichend gegeben war,
sagten die "Verlorenen Jungs" das Konzert kurzerhand ab. Nicht ohne
sich beim Veranstalter und bei allen übrigen Bands zu entschuldigen.
Dienstag, 21. Mai, 20.00 Uhr im ZAKK (Studio), Fichtenstrasse 40, Düsseldorf
Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema:
Von Aussteigern und -Austretern
Fakten und Mythen über neonazistische Aussteiger und Aussteigerprogramme
Mit schöner Regelmässigkeit werden der Öffentlichkeit sogenannte
oder selbsternannte Aussteiger aus der Neonazi-Szene präsentiert. Was aber
ist ein Aussteiger und wann kann tatsächlich von einem Ausstieg gesprochen
werden? Wie sind die derzeitig angebotenen Aussteigerprogramme zu bewerten?
Um diese und andere Fragen zu erörtern und zur Diskussion zu stellen, wird
am 21. Mai der ehemalige
NPD- und DVU-Aktivist Jörg Fischer, heute Journalist, Buchautor und aktiver
Antifaschist nach Düsseldorf kommen.
Eintritt frei
Veranstaltet vom ANTIFA-AK an der FHD, von der Arbeitsstelle Neonazismus an
der
FHD und der Antifaschistischen Aktion Düsseldorf
In Kooperation mit dem Antirassistischen Bildungsforum Rheinland
www.terz.org - 24.4.2002