Die
Zeiten sind zum Kotzen; überall wird gekürzt, die Repressalien steigen an und
das Leben wird immer mehr eingeschränkt. Schließlich ist auch unsere Zeitung
voll von diesen Geschichten. Dem kann man unterschiedlich begegnen: Die einen
privatisieren, die anderen stürzen sich in Partys, noch andere studieren
ausgiebig ihren Marx, Bakunin, Donald Duck oder ähnliche Persönlichkeiten, aber
ganz andere analysieren nicht nur, sondern fangen an aktiv zu werden und sich
gegen die Zustände zu wehren. In der Vergangenheit versuchten schon
verschiedene Gruppen unter dem Motto “Reclaim the streets” sich den
öffentlichen Raum, der zunehmend privatisiert wurde, wieder anzueignen. Neuerdings
gibt es in mehreren Städten “Umsonst-Kampagnen”, eine kollektive Aneignung als
Beginn des Bewusstwerdens der eigenen Kräfte und Möglichkeiten der Menschen. Es
geht um Förderung von politischem Widerstand. Mit dieser Rubrik sollen nicht
nur Aktionen dokumentiert werden, sondern sie soll auch dazu anregen. In diesem
Sinne: Alles für alle!
Die
BusfahrerInnen des Subunternehmerbetriebs HBB in Leverkusen sind schon seit
dem 9. Januar im Streik gegen Billiglöhne. Durch ihre Auslagerung aus dem
kommunalen Busbetrieb KWS/Wupsi wurden die Bedingungen für einen Teil der
FahrerInnen erheblich verschlechtert. Die achtzig FahrerInnen der HBB (unter
denen zwölf Nationalitäten vertreten sind) verdienen dreissig Prozent weniger
als ihre KollegInnen bei der Muttergesellschaft KWS-Wupsi. Die BusfahrerInnen
der HBB wehren sich gegen diese Situation und
verlangen bessere Bedingungen. Dabei wurden sie auch von KollegInnen der
KWS/Wupsi unterstützt, die sieben Mal aus Solidarität ebenfalls die Busse
stehen ließen. An diesen Tagen war der Streik auch wirklich spürbar, weil 70
Prozent der Linienbusse ausfielen. Aber mittlerweile hat das
Landesarbeitsgericht diese Solidaritätsstreiks verboten. Am Freitag morgen des
16. April 2004, wurde ab 5 Uhr (fünf!) für fast zwei Stunden ein Busdepot in
Leverkusen blockiert. Autoreifen lagen auf der Strasse und ein Transparent
versperrte die Einfahrt. Etwa 30 Leute waren zur Unterstützung der streikenden
BusfahrerInnen in Leverkusen gekommen. Erst nachdem die Bullen in größerer Zahl
auffuhren und mit gewaltsamer Auflösung drohten, wurde die Blockade aufgelöst.
Die Bullen liefen noch etlichen Leuten hinterher und nahmen Personalien auf
wegen des Vorwurfs der Nötigung. Während der Blockade konnte kein Bus das Depot
verlassen, was im Berufsverkehr zu einigen Verzögerungen geführt hat.
Die
BusfahreInnen haben die Geste verstanden. Viele BusfahrerInnen, nicht nur die
Streikenden von der HBB, sondern auch welche von KWS/Wupsi fanden die Aktion
gut. “Macht das doch ab jetzt jede Woche!”, sagte einer. Weitere Aktionen soll
es tatsächlich geben. Die Gewerkschaft ver.di beeilte sich denn auch sich
schleunigst von der Blockade zu distanzieren.
Mehr
Infos:
http://www.wildcat-www.de/wildcat/69/
Prekär
am Steuer: w69prekaerbus.htm
Streiks
und Aktionen der Busfahrer: Ein Busfahrer der Kölner Verkehrsbetriebe berichtet
unter w69buskoeln.htm
Hoffnungslos
billig: Busstreik in Leverkusen: w69leverkusen.htm
Bericht
mit Bildern für das LabourNet
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/tw/strasse/hbb-block.html
Angesichts
von Entlassungen und befristeten Arbeitsverträgen, von Löhnen, die vor allem in
den Großstädten kaum zum Leben reichen, von Gewerkschaften, die oft noch
mithelfen, Verschlechterungen gegenüber den ArbeiterInnen durchzusetzen,
entwickeln sich in Italien neue Kämpfe dieser “flexibilierten” ArbeiterInnen –
von kleinen Auseinandersetzungen in Fabriken, Call Centern und an anderen
Arbeitsorten bis hin zu landesweiten Mobilisierungen, die einen ganzen Sektor
erfassen. Über zwei der größeren Kämpfe soll auf der unten aufgeführten
Veranstaltung genauer eingegangen werden.
Bei
der Veranstaltung soll es darum gehen, sich die Kämpfe genauer anzuschauen.
Welche Bedeutung haben sie, welche Grenzen? Wie schaffen es die so genannten
prekären ArbeiterInnen, sich zu organisieren und zu kämpfen? Fragen, die uns
auch hier auf den Nägeln brennen angesichts der Verschlechterungen unser
Arbeitsbedingungen und Löhne, der Entlassungen und den zunehmenden Problemen
auf den Ämtern... Schließlich hat uns der Kapitalismus außer Krise immer
weniger zu bieten, und tobende Klassenkämpfe sind die einzige Möglichkeit, ihn
zu überwinden!
Montag,
24. Mai 2004, 19:30 Uhr im Linken Zentrum “Hinterhof”, Cormeliusstr. 108,
Düsseldorf
Ab
5. Mai findet jeden Mittwoch um 19 Uhr im Linken Zentrum Hinterhof,
Corneliusstr. 108 Aktionstreffen zum Widerstand gegen Agenda 2010 und
Hartzkonzept statt. Dort soll gemeinsam diskutiert und Aktionen geplant werden.
Etwa
200.000 PatientInnen haben sich geweigert die 10E Praxisgebühr zu zahlen.
Momentan haben sie gute Chancen zumindest vorläufig auch nicht dazu gezwungen
zu werden. Aufgrund einer Empfehlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
(KBV) sind alle Mahnverfahren und Zwangsvollstreckungen derzeit gestoppt.
Sie befürchten den Aufwand und die Kosten der Verfahren nicht wieder
hineinzubekommen. Noch wird geschätzt, dass nur zwischen 0,5% und 1% der PatientInnen
den Weg der Nichtbezahlung wählen, ...
Vom
20.-23. Mai findet der Jahreskongress der Bundeskoordination
Internationalismus (Buko) in seiner 27. Auflage in Kassel zum Thema Aneignung
statt. Weltweit begehren Menschen gegen die Zumutungen neoliberaler Politik
auf. Praktische Kritik an den gegenwärtigen Verhältnissen befindet sich
spätestens seit Seattle im Aufwind und fordert mit Slogans wie ya basta! (es
reicht!) oder “Eine andere Welt ist möglich” eine Gesellschaft, die sich an den
Bedürfnissen der Menschen weltweit ausrichtet. Der Buko als Teil dieser
heterogenen Bewegungen ruft zum Ende der politischen Bescheidenheit auf.
Adressat dieser Forderung sind aber nicht staatliche Institutionen, sondern
zunächst einmal wir selbst als Teil sozialer Bewegungen. Wir schlagen vor, mit
dem Begriff der Aneignung zum einen vielfältige aktuelle Praxen in den Blick zu
bekommen. Ob politisch motiviert oder nicht, kollektiv oder individuell - in
den letzten Jahren nehmen sich Gruppen, Bewegungen und Einzelpersonen das, was
sie für ein schönes Leben als notwendig erachten oder auch nur zur
Lebenssicherung brauchen. Dies geschieht häufig von der Öffentlichkeit
unbeachtet. Allerorten wird der herrschenden neoliberalen Politik misstraut und
ihr offen Legitimität abgesprochen.
Stattdessen werden Fabriken, Agrarland, Zugang zu materieller
Grundversorgung oder das Recht auf Mobilität über Grenzen hinweg eingefordert
und auch praktisch angeeignet. Natürlich ist nicht jede Aneignungspraxis
politisch oder “revolutionär”. Doch in jeder aus dem Netz geladenen Musikdatei,
in jeder Zurückweisung geschlechtlicher Zwangskategorien, in jedem illegalen
Grenzübertritt scheint eine Gemeinsamkeit zu stecken: Sich nämlich das
anzueignen, was man zum Leben benötigt oder haben möchte, ohne sich durch
geltende Gesetze und Konventionen davon abhalten zu lassen. Darüber hinaus soll
genauer diskutiert werden, ob Aneignung nicht nur aktuelle Praxen “auf den
Begriff” bringt, sondern ob er auch orientierend für andere oder noch nicht
existierende emanzipative Kämpfe wirken kann.
Weitere
Infos, Anmeldemöglichkeiten und das detaillierte Programm des Kongresses sind
zu finden unter
www.terz.org - 27.4.2004