Mörder
unterm Edelweiß
Das
Pfingsttreffen der Gebirgsjäger in Mittenwald/ Bayern
Alljährlich
zu Pfingsten treffen sich seit 1952 Veteranen der Wehrmachtseinheiten im
Schulterschluss mit aktiven Bundeswehrsoldaten in Mittenwald, um eine der
größten soldatischen Feiern Deutschlands zu begehen. Seit zwei Jahren können
sie dies jedoch nicht mehr ungestört treiben. Verschiedene Gruppen mobilisieren
auch dieses Jahr wieder ins beschauliche Mittenwald. Am Montag, dem 3. Mai
findet eine Mobilisierungsveranstaltung im Antifa Café statt.
Unterstützt
von der Bundeswehr, gehuldigt durch Kranzniederlegungen des
Verteidigungsministeriums und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wird
seit nun mehr über 50 Jahren im bayerischen Mittenwald Traditionspflege
betrieben.
Es
wird der gefallenen Kameraden und ihrer anständigen Pflichterfüllung gedacht
und der Mythos vom Kampfes- und Opfermut der Wehrmachtssoldaten genährt.
“Ich
würde gern einen der Soldaten finden und ihn fragen, warum hast du das getan?”
Diese Frage stellte Christina Dimou, Überlebende aus dem griechischen Dorf
Kommeno, als sie Pfingsten 2003 an den Protestveranstaltungen gegen die
Traditionspflege der Gebirgsjäger in Mittenwald teilnahm. Als 13-jähriges
Mädchen hatte sie erleben müssen, wie im August 1943 ihr Dorf Kommeno in
Nordgriechenland von einer Wehrmachtseinheit zerstört wurde und 317 Menschen
erschossen wurden. Die tätige Wehrmachtseinheit war die 12. Kompanie des
Gebirgsjäger-Regiments 98 der 1. Gebirgsjägerdivision aus Mittenwald gewesen.
Als
die jahrzehntelange Ruhe des Traditionstreffens zu Pfingsten 2002 von einigen
Personen durch Protest und mit der Aufforderung unterbrochen wurde, u.a. der
griechischen Opfer der deutschen Gebirgsjäger zu gedenken, reagierten die
ausgebildeten Kämpfer - Veteranen und Bundeswehrsoldaten vereint - mit
gezielten Kniestößen und Fausthieben. Alte Veteranen verwandelten ihre
Krückstöcke rasant zu Schlagstöcken. Der Wunsch nach Säuberungsaktionen und
Entsorgungsphantasien wurden Pfingsten 2003 angesichts der Proteste vor
laufender Fernsehkamera ausgesprochen.
Das
von den Gebirgsjägern der Wehrmacht begangene Massaker in dem griechischen Dorf
Kommeno am 16.August 1943 war kein Einzelfall; zum Katalog der Gebirgsjäger-
Verbrechen gehört auch die Erschießung von ca. 5.000 italienischen
Kriegsgefangenen auf der griechischen Insel Kephallonia im September 1943. Die
Blutspur schwerster Kriegsverbrechen dieser Eliteeinheit zieht sich über
Finnland, die heutige Ukraine, Jugoslawien, Italien, Frankreich bis nach
Griechenland. “Sühnemaßnahme” und “Vergeltungsaktion” lautete die kriegspropagandistische
Rechtfertigung, mit der die deutschen Gebirgsjäger Zivilisten ermordeten,
plünderten und die Dörfer niederbrannten und zerstörten. Im Gefechtsbericht zu
dem Massaker in Kommeno hieß es später: “Beute: etwa 150 tote Zivilisten, 16
Stück Großvieh, 1 LKW, 5 italienische Karabiner, eine italienische MP.”
Wie
es zu den “erbeuteten 150 toten Zivilisten” kam, beschäftigte die deutsche
Justiz erst ein Vierteljahrhundert später, doch auch dann kam es nur zu
Ermittlungsverfahren, die alle eingestellt wurden. Die begangenen Verbrechen
wurden im Paragraphenmantel und mit juristischer Diktion versehen als
Kriegshandlungen legitimiert, die Täter mit widersprüchlichen juristischen
Konstruktionen vor einer Strafverfolgung geschützt. Keiner der Mörder von
damals wurde je von einem deutschen Gericht verurteilt; sie konnten sogar
unbedenklich öffentlich auftreten, ohne eine Verhaftung zu befürchten.
Während
die Mörder von einst strafrechtlich nicht verfolgt wurden und von staatlichen
Renten leben, erhalten die meisten Opfer bis heute keine Entschädigungen. Auch
nicht die Überlebenden der von den Gebirgsjägern begangenen Massaker in
Griechenland. Bis heute verweigert die Bundesrepublik die Verhandlungen über
Entschädigungszahlungen, sprach weiterhin von notwendigen Kriegshandlungen oder
betonte die guten zwischenstaatlichen Beziehungen, als Beweis des bereits
gezogenen Schlussstrichs.
Die
Einheiten der Gebirgsjäger gehören auch heute zu den Elitetruppen der
Bundeswehr, seit Mitte der 90er Jahre sind sie an Auslandseinsätzen beteiligt.
Als Bestandteil der Krisenreaktionskräfte und des Kommandos Spezialkräfte
werden sie auch in der seit Herbst 2003 bereitstehenden EU-Interventionstruppe
zum Einsatz kommen.
Entschädigung
aller NS-Opfer
Für
die Auflösung der Bundeswehr
Aus
dem Aufruf “Die Mörder sind unter uns”
Montag,
den 3. Mai 2004
Antifa-Café
Düsseldorf im Hinterhof, Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
Ab
19.00 Veranstaltung mit Beiträgen zu den NS-Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger
in Frankreich, Italien und Griechenland
Samstag,
den 29. Mai 2004
11.00
Demonstration ab Bahnhof durch Mittenwald
15.00
bis 18.00 Uhr Veranstaltung mit Beiträgen zu den NS-Kriegsverbrechen der
Gebirgsjäger in Frankreich, Italien und Griechenland
Sonntag,
den 30. Mai 2004
ab
9 Uhr Kundgebung gegen das Pfingsttreffen am Hohen Brendten
Infos
unter: http://www.nadir.org/nadir/kampagnen/mittenwald/
Kontakt:
angreifbare.tradition@freenet.de
Kontakt
für Düsseldorf: kif-rheinland@gmx.de
Spendenkonto:
Freie Medien “Traditionspflege” Postbank Essen Kto 470834437, BLZ 36010043