Antifaschistische Aktivitäten und
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Von Pierre Briegert |
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Die Stadt Essen hatte im Vorfeld noch nicht einmal einen Versuch gestartet,
ein Verbot der Demonstration durchzusetzen. Ca. 2.500 eingesetzte PolizeibeamtInnen
sorgten stattdessen dafür, daß nach über 30 Jahren wieder
Neonazis durch Essen marschieren konnten. NPD im Freudentaumel
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Neonazis marschierten in EssenErwartungsgemäß konnte der ursprünglich für Düsseldorf geplante Aufmarsch der nordrhein-westfälischen NPD "Gegen Sozialabbau und Massenarbeitslosigkeit" am 6. Mai in Essen nicht verhindert werden. |
| Bereits um 9.00 Uhr kamen größere
Gruppen von TeilnehmerInnen der NPD-Demonstration am Essener Hauptbahnhof
an und wurden von der Polizei durch den südlichen Ausgang zum Auftaktkundgebungsplatz
eskortiert. Viele Neonazis hatten ihre Autos an zuvor vereinbarten Plätzen
außerhalb der Innenstadt oder auch in anderen Ruhrgebietsstädten
geparkt oder fuhren mit der Bahn zu Vorabtreffpunkten, um von dort aus in
größeren Gruppen zum Essener Hauptbahnhof zu gelangen. Die wohl
größte, über 100-köpfige Gruppe, hauptsächlich
bestehend aus Nazis aus Bochum, Dortmund, Witten und dem Kreis Recklinghausen,
traf sich am Bochumer Hauptbahnhof, um von dort aus unter der Leitung des
stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Wolfgang Henning (Bochum) und Wolfgang
Kevering (Herten) sowie diverser Ordner nach Essen geleitet zu werden. Es
wird aber auch von offensichtlich völlig wahnsinnigen Neonazis berichtetet,
die in Kleinstgruppen oder gar völlig alleine die Anreise bewerkstelligen
wollten, ihr Ziel aber angeblich nicht erreicht haben. Ähnlich dramatische
Schicksale ereilte offensichtlich auch diverse "Kameraden" bei
der Heimfahrt. Bis 11.00 Uhr hatten es ca. 500 "Kameraden" bis zum Treffpunkt am Saalbau geschafft. Der Abmarsch aber mußte immer wieder verschoben werden, weil die ziemlich un-ko-ordiniert agierende Polizei lange Zeit die Lage nicht in den Griff bekam und erst nach Abdrängen und Ab-kes-selung einer größeren Gruppe von Anti-fa-schistInnen grünes Licht für die NPD gab. Mehrmals war es bis dahin Anti-fa-schistInnen gelungen, die Absperrungen zu überwinden, einmal sogar mit ca. 80 Personen, denen es aber aufgrund der polizeilichen Übermacht nicht gelang, sich auf der Demonstrationsroute festzusetzen. Dafür mußte sich derjenige aus der Gruppe der ca. 200 herbeieilenden und sich prügeln wollender Nazihools, der als erster "Kontakt" zu dieser Gruppe suchte, ins Essener Klinikum bringen lassen. Ob er vor Schreck in Ohnmacht gefallen war oder aus sonstigen Gründen seinen Einsatz fürs Vaterland beendete, konnte im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden. Die NPD feiert diesen Vorfall im übrigen auf allen ihren Internet-Seiten als Beweis für ihre kämpferischen "Qualitäten". Man habe den "Spuk" durch "beherztes Eingreifen" beendet, eine stark geschönte Darstellung der Ereignisse. Obwohl keine Antifas, sondern nur Nazis beim "beherzten Eingreifen" zu Schaden kamen, muß aber trotzdem festgestellt werden, daß der Kern der NPD-Darstellung, daß also Antifas aus eigener Kraft vertrieben wurden, nicht falsch ist. Stark geschönt hat sich dieser Vorfall zwischenzeitlich bis in die letzte Nazihöhle in NRW vermittelt und wird natürlich Auswirkungen auf Folgeveranstaltungen haben. |
Kontaktpflege |
| Zur NPD-Demonstration angereist waren zu über
90% NPD/JN-lerInnen und "Freie Kameraden" aus NRW. Im Gegensatz
zu den NPD-Demonstrationen im Oktober 1998 in Bonn und denen 1999 in Köln
war kaum Unterstützung aus anderen Bundesländern ins Ruhrgebiet
gekommen, was aber nach den Demonstrationen wenige Tage zuvor am 1. Mai
auch nicht weiter verwundert. Von außerhalb NRWs reiste eine ca. 10-köpfige
Abordnung der niederländischen NVU an, die von Constant Kusters angeführt
wurde. Darüber hinaus war eine kleine Abordnung aus Hessen und eine
Gruppe norddeutscher "Frei-er Nationalisten" um Tobias Thiessen
(Hamburg), Peter Borchard (Kiel) und Steffen Holt-husen (Bremen) mit ihrem
obligatorischen "Anti-Anti-fa"-Team angereist. Ebenso waren einige
Neonazis aus Sachsen-Anhalt vor Ort anzutreffen, die die Gelegenheit nutzten,
ihre freundschaftlichen Kontakte zur JN Duisburg zu vertiefen. Geleitet wurde die Demonstration u.a. von Wolfgang Henning. Als Ordner fungierten bekannte NPD-Kader wie z.B. Thorsten Crä-mer (Schwelm), Axel Hellmann (Schwelm) und der Herner NPD-Kreisvorsitzende Claus Crämer sowie "Führungs-kameraden" der "Freien Kameradschaften" wie Christian Malcoci (Jüchen), Ralf Tegethoff (Rhein-Sieg), Dirk Fasold (Minden), Carsten Köppe (Witten), Martin Scheele (Siegen), die Sauer-län-derIn-nen Daniela Wegener, Andreas Becker und Michael Krick sowie der Düsseldorfer Sven Skoda. Erwähnenswert ist noch die Teilnahme des "Bombenhirns" der Neonaziszene, des Spreng-stoff-experten Peter Naumann aus Wiesbaden und seiner Mannschaft. Wie bereits am 22.5.1999 in Köln waren Naumann und Co. für den Lautsprecherwagen und für die Technik zuständig. Die wohl größte Gruppe innerhalb der Demonstration stellte die "Kameradschaft Ruhrgebiet" dar, die mit einem eigenen Transparent auf sich aufmerksam machte, das sie erstmalig am 1. Mai 2000 in Berlin mit sich führte. Bei dieser "Kameradschaft" handelt es sich um einen regionalen Zusammenschluß von Ruhr-ge-biets-nazis, die sich zwar als "freie Kameraden" verstehen, aber sehr eng an die NPD angebunden sind. Den Abschluß der Demonstration bildete ein Block "freier Kameradschaften", darunter auch die "Kameradschaft Düsseldorf", dem sich auch die niederländischen Nazis angeschlossen hatten. Vom Kern der "Kameradschaft Düsseldorf" waren neben Skoda u.a. der zwischenzeitlich auf die Moltkestraße verzogene Jörg Wagner, der heute auf der Koebenerstraße in Hilden lebende Udo Birr, Elke Assmann aus Bilk und Marco Schirmer aus Derendorf vor Ort anzutreffen. Aus dem Block der "Freien Kameradschaften" waren auch die meisten Unmutsäußerungen gegenüber der NPD zu vernehmen. Die Rede des NPD-Redners Ingo Stawitz aus Schleswig-Holstein, Mitglied des NPD-Bundesvorstands, wurde mit Sprechchören "Gegen Demokraten helfen nur Soldaten" kommentiert. Erst nachdem die NPD-Redner Bernd Kremer (Essen) und Ingo Stawitz das Wort an Ralf Tegethoff und Constant Kusters abgegeben hatten, kamen auch die "Freien" auf ihre Kosten. "Möchtegern-Goebbels" Tegethoff erntete im Gegensatz zu seinen Vorrednern schon nach wenigen Worten ("Deutsche Männer - Deutsche Frauen...") tosenden Applaus. Beinahe aber wäre seine Rede bereits nach einigen Minuten durch Leuchtspur beendet worden. Diese verfehlte aus über 100 Meter Entfernung nur um wenige Meter den Redner und bescherte stattdessen einem im Weg stehenden Jungnazi leichte Verletzungen. Noch bevor der Unglückliche vom "Braunen Kreuz" zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden konnte, hatte ihn Tegethoff bereits zum Märtyrer erklärt. Während der Zwischenkundgebung gab es immer wieder Versuche von AntifaschistInnen, die braune Versammlung zu behindern. Nach diesem Vorfall gelang es der Polizei aber, die NPD-Demonstration im Spalier sicher zum Abschlußkundgebungsplatz am Saalbau zu führen. Hier allerdings mußte der "nationale Widerstand" erfahren, daß eine Rückreise über den Hauptbahnhof nicht möglich sei, da der Südeingang aufgrund der Präsenz zahlreicher Anti-fa-schistIn-nen geschlossen werden mußte. Rund eine Stunde mußten die sichtlich genervten "Kameraden" ausharren, bis sie unter Polizeischutz mit städtischen Bussen zu ihren Autos bzw. zum S-Bahnhof in Essen-Kray abtransportiert wurden. |
"Gegen Demokraten helfen
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Wagt man eine Gesamteinschätzung der NPD-Demonstration, so läßt
sich auf jeden Fall eine Steigerung der Mobilisierungsfähigkeit in
NRW feststellen. Ca. 450 Neonazis aus NRW übersteigt die Zahlen der
bisherigen vier Demonstrationen deutlich. Hier stellt auch der bislang
größte Aufmarsch in NRW am 24.10.1998 in Bonn keine Ausnahme
dar. Nur max. 250-300 der insgesamt 1.000 TeilnehmerInnen kamen damals
aus NRW. Es läßt sich weiterhin festhalten, daß sich
das Fußvolk immer weiter verjüngt und daß es immer mehr
gelingt, rechte Hools einzubinden. Letztere sind zwar kaum von den NPD-Ordnern
zu disziplinieren, haben aber beim Schutz der Demonstration eine nicht
unwichtige Funktion. Nach wie vor stellt die Teilnahme an Nazidemonstrationen
ein nicht geringes Risiko dar, das von Polizeiseite zu einem großen
Teil, aber eben nicht völlig abgefedert werden kann. Doch die Nazis
lernen hinzu. Je sicherer die Teilnahme für jede/n einzelne/n wird,
um so mehr Sympa-thisant-Innen lassen sich auch dazu bewegen mitzumarschieren.
Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Es ist darüber hinaus zu
erwarten, daß die NPD versuchen wird, an die Demonstration in Essen
anzuknüpfen und noch in diesem Jahr einen weiteren Aufmarsch im Ruhrgebiet
zu organisieren. Als Orte kommen am wahrscheinlichsten Dortmund, Bochum
oder erneut Essen in Frage. Unterm Strich kann die NPD, insbesondere ihre
Ruhrgebietsstrukturen, ihre Demonstration am 6. Mai zurecht als Erfolg
werten, wenn auch nicht als großen. pb |
Einschätzung
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