|
Die oben genannten Vorfälle sind nicht Ausrutscher einer Politik,
der es doch eigentlich nur um das Beste für alle BürgerInnen
geht, sondern die logische Konsequenz einer Vertreibungs- und Ausgrenzungs-politik,
die sich seit einigen Jahren gegen Wohnungslose, Drogenabhängige,
Prostituierte und andere Menschen mit wenig Geld in dieser Stadt richtet.
Im Rahmen der allgegenwärtigen Standortdebatte wurden in Düsseldorf
bereits Mitte der neunziger Jahre Konzepte entwickelt, wie die Stadt als
ganze, aber auch der Innenstadtbereich im besonderen für eine finanzkräftige
Klientel attraktiv gestaltet werden könne. Schnell kam man dabei
auf die Idee, daß der Anblick von Armut einem den Spaß am
Geld ausgeben ordentlich vermiesen könnte, und anstatt Konzepte zur
Beseitigung von Armut, zu erarbeiten, wurden Pläne zur Beseitigung
der Armen entwickelt.
Die zugrunde liegende Analyse wurde seinerzeit vom Sprecher der Destination
Düsseldorf, Ralf Esser, im Stadtrat ebenso populistisch wie falsch
im Vokabular auf den Punkt gebracht: "Obdachlose aber sind wie Graffitis
und Taubenkot kein Anblick, der zur Steigerung der Kaufkraft beiträgt"
(Terz berichtete). Vor diesem Hintergrund erhalten Plakatkampagnen gegen
Stehpisser und eigentlich harmlos anmutende "Dreck-Weg-Tage",
bei denen die lieben Kleinen gleich schul-klassen-weise genötigt
werden, mit Müllbeuteln über die Rhein-wiesen zu krabbeln, eine
gänzlich andere Dimension.
Da es zum Ziel der Düsseldorfer Destination gehörte, Konzepte
zur Steigerung der Attraktivität der Stadt zu entwickeln und diese
gemeinsam mit VertreterInnen aus der Politik umzusetzen, ließen
sich unsere Damen und Herren KommunalpolitikerInnen auch gar nicht lumpen,
fix etwas zur Umsetzung wirtschaftlicher Interessen beizutragen. Der "Ordnungs-
und Servicedienst" wurde eingerichtet, der im Innenstadtbereich erfolgreich
dafür sorgt, daß das propagandistisch ins Feld geführte
"Subjektive Sicherheitsempfinden" shoppender DüsseldorferInnen
nicht durch die Anwesenheit von Menschen mit Irokesenhaarschnitt beeinträchtigt
wird. Wer nicht das nötige Kleingeld besitzt, sondern sich dieses
erst erbetteln muß, fliegt raus: Allein in den letzten zwei Jahren
wurden mehr als 1.100 Platzverweise gegen Punks, Wohnungslose und Junkies
ausgesprochen.
Und nun, seit Obersheriff Erwin den Armen dieser Stadt die Zähne
zeigt, ist endgültig klar wohin die Reise geht. Daß die neue
Straßenordnung, die das "Lagern" und Konsumieren von Alkohol
in der Öffentlichkeit untersagt, sich lediglich auf das von den Punks
getrunkene Hansa-Export für 39 Pfennig die Dose, nicht aber auf das
gute Alt vom Faß bezieht, das jedes Jahr von neuem dafür sorgt,
daß besoffene KarnevalistInnen gleich scharenweise auf öffentlichen
Plätzen wie z.B. am Uerige lagern, braucht wohl nicht extra erwähnt
zu werden. Wer 3,50 Mark für's Bier bezahlen kann, darf auch betrunken
durch die Altstadt torkeln, Frauen belästigen und sich harmlosen
PassantInnen mit einem aggressiven "Helau" in den Weg stellen
und versuchen, diese abzuknutschen. Auch die Stehpisser von der Oberkasseler
Kirmes, die entlang der Rheinwiesen ihr Revier markieren, sind dem Ordnungs-
und Servicedienst kein Dorn im Auge. Wer mit 60 DM die Altbiertage unterstützt
hat, darf seine Investition auch mitsamt Pommes und ½ Hähnchen
wieder auf dem Boden der Bolker Str. verteilen, ohne durch die Ordnungskräfte
belästigt zu werden.
Um in Zukunft die Spreu noch besser vom Weizen trennen zu können,
hat unser OB Erwin ein klein wenig bei Big Brother abgeguckt: Trotz Kritik
seines Parteigenossen Polizeipräsident forciert er seit zwei Monaten
die Debatte um die zukünftige Videoüberwachung des Worringer
Platzes. Da hilft nur eins: Erwin nominieren, damit es beim nächsten
Wahltag heißt "Joachim, du wirst das Rathaus heute verlassen".
Den VertreterInnen dieser Politik, die Wohnungslose, Punks, Junkies, MigrantInnen
u. a. Leute mit wenig Geld in dieser Stadt stigmatisiert, ausgrenzt und
mit Repression bedroht, wollen wir mit der Bonzenparade kräftig in
die Suppe spucken. Zeigen wir jenen, die Klientelpolitik im Namen des
Kapitals betreiben, ihr wahres Gesicht!
Die Bonzenparade stellt sich in Bezug zu anderen "Reclaim the Streets"-Aktionen,
die in den letzten Jahren aus den "Innenstadt-Aktionstagen"
hervorgegangen sind. Am 17. Juni werden die Bonzen dieser Stadt mit ihren
SklavInnen in einer Agit-Prop-Aktion verdeutlichen, was wir in Zukunft
noch so alles zu erwarten haben, wenn sich Erwin, Esser und Co. Mit ihrer
Linie durchsetzen - "Sauber, sauber, sauber muß es werden,
teurer, teurer, teurer muß es sein"!
Also: Packt Omas Pelzmantel oder wahlweise die Lumpen aus und kommt zur
Bonzenparade am 17. Juni um 11 Uhr am Tausendfüßler.
Reclaim the Streets!
|
Im Februar hat Obersheriff Erwin endlich seine
neue Straßenordnung durchgesetzt, nach langen, zähen Bemühungen haben
es die Prügelknaben von der ISO-Security schließlich doch bis in den
EXPRESS geschafft, und unser städtischer "Ordnungs- und Servicedienst"
(OSD) findet zu guter Letzt immer häufiger lobende Erwähnung, weil es
ihm gelungen ist, Methoden zur konsequenten Schika-nierung von Punks
und Obdachlosen zu entwickeln. Laßt uns diese neue Ordnung feiern!
Who is who in
Erwin-town?
OSD = Ordnungs- und Servicedienst, die halten
für Erwin den Arsch hin. ZKO=Zentraler kommunaler Ordnungsdienst, klang
Erwin aber zu kommunistisch, deshalb jetzt OSD. ISO-Security = privater
Sicherheitsdienst vom Ex-Bullen Bernd Roll, der für die Rheinbahn Leute
verdrischt. Erwin = unser aller zweiter Papa, ihr wißt schon, der mit
dem tollen Kieferorthopäden, der alte Rassist, der gegen die doppelte
Staatsbürgerschaft, gegen Inder und die Wehrmachtsausstellung mit seinen
faschistischen Freunden von den Reps wettert.
So ist´s in Ordnung:
· Schicke Klamotten · Goldkettchen · Rolex ·
Herrenhandtasche · Damenhandtasche · Lumpen · Ketten · Cowboyhut · Sheriffstern
· Champagner · Kir Royal · Schicke Sonnenbrillen (mit Goldrand) · Perlenketten
So nicht:
· Sturmhaube · Palituch · Schwarzer Kaputzi
· Zwillen · Krähenfüße · Armschoner · Motorradhelm · Schwarze Lederjacke
|