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DOOR TO BUCHENWALD
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Dass
die SPD in Flingern bei den letzten Kommunalwahlen zur Bezirksvertretung
2 (Flingern/Düsseltal) wegen ihrer totalen Anbiederung an Spekulanten
erhebliche Stimmenverluste hinnehmen musste und ihre Mehrheit verlor,
ist mehr oder weniger bekannt, aber nicht besonders interessant. Interessanter
schon, dass einer ihrer Vertreter sich weigerte, die Zustimmung zu einer
Gedenktafel für die Opfer des SS-Außenkommandos "Berta"
zu geben.
8. Mai 2001
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| Anlässlich des historischen
8. Mai beantragten die Bündnisgrünen in Flingern, eine Gedenktafel
zu Ehren der Opfer des "SS-Außenkommandos Berta", einem
Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald, das sich im Bereich
Schlüterstraße befand aufzustellen. Begründet wurde dieser
Antrag u. a. damit, dass "das Vergessen das zweite Unrecht (ist), das
den Opfern widerfuhr" und es an der Zeit ist "zu gedenken und
sich zu erinnern". Weitere Punkte der Begründung waren der "Zulauf
für faschistische und rassistische Gruppierungen", sowie die "Möglichkeit
zur greifbaren Auseinandersetzung für Schülerinnen und Schüler
des Bezirks 2 mit der Geschichte (des Faschismus) direkt vor unserer Haustür".
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Bereits im September 1999 untersuchte der Historiker Rafael Radoslaw
Leissa im Auftrag der Mahn-und Gedenkstätte Düsseldorf die Geschichte
des sog. SS-Außenkommando "Berta", einem SS-Außenlager
des Konzentrationslagers Buchenwald in Flingern. Leissa bezog sich dabei
auf Andreas Kussmann, der bereits 1989 im Rahmen eines Forschungsbeitrags
die lokalen Konzentrationslager in Düsseldorf "katalogisierte".
Das SS-Arbeitskommando "Berta" entstand demnach am 1.11.1943
in den Hallen des Leichtmetall-Presswerkes der Rüstungsfirma Rheinmetall-Borsig
AG auf dem ehemaligen Gelände der früheren Lokomotivenfabrik
"Hohenzollern" an der Neumannstraße in Flingern. Anfangs
handelte es sich noch um ein Einsatzkommando der SS-Baubrigade Köln/Deutz,
ab der Jahreswende 1943/44 um ein eigenständiges Lager unter der
direkten Regie des KZ-Buchenwald und unter Verwaltung der SS. Der erste
Lagerkommandant, der SS-Scharführer Sieghardt, ließ über
die Funktion des Lagers keine Zweifel, indem er feststellte, dass "kein
Häftling das Lager lebend verlassen" sollte!
Bis zur Auflösung des KZ im März 1945 wurden knapp 1000 Menschen,
vorwiegend Russen und Polen, aber auch "politische Deutsche",
Westeuropäer und Südosteuropäer in diesem Lager zur Sklavenarbeit
gezwungen und für den Rüstungskonzern Rheinmetall ausgebeutet.
Ihr grausamer Alltag bestand aus zahlreichen Demütigungen, Folter,
Morden und Hinrichtungen. Das Lager glich in seiner hierarchischen Struktur
(SS-Scharführer, Kapos, Lagerälteste) bekannteren KZ´s
wie Treblinka, Auschwitz, Buchenwald usw. Auch die Gestapo nutzte das
Lager, um Menschen hinzurichten und fälschte -ebenso wie die SS-
die Todesursachen der Ermordeten durch das Ausstellen falscher Totenscheine
und der anschließenden, direkten Verbrennung der Leichen im Krematorium
auf dem Stoffeler Friedhof.
Aufgrund der "geheimen und kriegswichtigen" Produktion von Behältern
für die V1 und V2 Raketen, wurde das Lager nach innen und außen
hermetisch abgeriegelt und besaß eine eigene "medizinische
und hygienische Versorgung", die letzlich für die katastrophalen
Zustände in diesem Lager verantwortlich war.
Die Düsseldorfer Polizei stellte "auf Befehl des Polizeipräsidenten"
Jürgens (der immerhin als Gegner des Naziregimes im Nachkriegs-Düsseldorf
"geehrt" wurde) die Bewachung des Lagers sicher und bestückte
die Wachmannschaft mit Mitgliedern der Düsseldorfer Schutzpolizei.
Ab September 1944 wurde die Bewachung durch den Schutzhilfsdienst (SHD),
der sich aus Düsseldorfer Bürgern rekrutierte, ergänzt.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt muss nicht nur den Menschen aus der
direkten Umgebung des Lagers (Flingern), sondern auch in anderen Stadtteilen
bekannt geworden sein, dass sich in Düsseldorf ein KZ befand!
Angesichts der vorrückenden Front gaben die Nazis Anfang März
1945 das Lager auf und deportierten die Gefangenen nach Buchenwald, wo
bis zur Befreiung etliche Häftlinge ermordet wurden.
Soviel zu einem kleinen Ausschnitt Düsseldorfer Geschichte ...
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SS-Außenkommando
"Berta"
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Wieviel die Fensterreden taugen, die immer wieder reflexartig von bürgerlichen
Parteien abgespult werden, wenn es wieder einmal angezeigt scheint, Krokodilstränen
über Anschläge mit rassistischen Motiven zu vergießen,
zeigte sich am 8.Mai 2001 in Flingern.
Dass die Grünen mit ihrer Forderung nach einer Gedenktafel für
das KZ bei der CDU und bei der FDP auf taube Ohren stoßen würden
,war aufgrund der Nähe einiger CDU-PolitikerInnen zu rechtsreaktionären
Kräften und der "Historie" der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung
2, fast zwangsläufig. Bereits 1992 hatte die CDU-Fraktion in dieser
BV beantragt, eine Straße im Bereich Schlüterstraße "Fritz-Thyssen-Straße"
zu taufen. Seinerzeit blitzte die, um einen Republikaner ergänzte,
Bezirksrechte mit diesem Vorschlag ab. SPD und Grüne verhinderten
diese Ehrenbezeugung für den Hauptsponsor Hitlers. Um die Wünsche
des Thyssenkonzern dann doch zu befriedigen, einigten sich SPD und CDU
später auf den Namen "Hans-Günter-Sohl-Straße"
(Sohl war in seiner Eigenschaft als Rohstoffkommissar des III. Reiches
mittelbar auch Hauptverantwortlicher für die Ermordung tausender
Zwangsarbeiter).
Im Vorfeld der Abstimmung über die Gedenktafel wurde klar, dass das
CDU-Mitglied Nowak sich der Stimme enthalten würde und somit der
Weg für eine "rotgrüne Mehrheit" zu diesem Antrag
frei war. Doch dann schlug die "Große Stunde" des "Sozialdemokraten"
Rudolf Schlegel. Schlegel, der sich offenbar berufen fühlte, die
Geschichte seines Stadtbezirks neu zu definieren und zu bewerten, enthielt
sich ebenfalls der Stimme und sorgte mit seinem "rechten Bewusstsein"
dafür, daß in der Neuen Mitte auch für den rechten Rand
Platz ist. Dass Schlegel mit seinem Stimmverhalten "quasi posthum
auf die Gräber aller Sozialdemokraten pisste", die für
ihre Überzeugung in den KZs gefoltert und ermordet wurden, gehört
scheinbar für den "rechten" Deutschen Sozialdemokraten
zur Definition der "neuen SPD", inclusive Massenabschiebungen,
Nationalismus und Krieg.
Noch erschreckender war an diesem Tag aber die Sprachlosigkeit, mit der
der grüne Antrag zu diesem Thema abgeschmettert wurde. Ohne "störende"
öffentliche Diskussion wurde der Antrag innerhalb von ca. 10 Sekunden
abgehandelt und durch CDU, FDP und Rudolf Schlegel (SPD) ad acta gelegt.
Offenbar bestand zwischen CDU, FDP und SPD eine "stille Vereinbarung",
jegliche Diskussion zu diesem Thema mit Hilfe der Geschäftsordnung
abzublocken.
Somit zementierte die Bezirksvertretung Flingern/Düsseltal mit ihrem
Abstimmungsverhalten erneut die Politik der Verdrängung, der Verharmlosung,
des Verschweigens, der Ignoranz und der "Gnade der späten Geburt"
etc. Genau jene Fundamente, auf denen das Nazipack heute aufbauen kann.
ZIGGY
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Brauner
Genosse in Flingern?
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