Solidarität
in einer Wirtschaftsschule
Die
Mitarbeiter einer Düsseldorfer Wirtschaftsschule wurden
immer wieder
mit Unverschämtheiten der Schulleitung konfrontiert. Es
gehörte quasi zum
Arbeitsalltag, ohne vernünftigen Informationsfluss leben zu
müssen, was dazu
führte, dass die Mitarbeiter gezwungen waren, sich immer wieder
auf neue
unvorhersehbare Situationen einzulassen, die einige Stunden/Tage
später wieder
ganz anders aussehen konnten, ohne dass irgendjemand darüber
genauer informiert
worden wäre. Dieses lief darauf hinaus, dass die operationale
Ebene häufig ohne
“Netz” arbeiten musste, welches wiederum zur Frustration der
Mitarbeiter
führte. Außerdem wurden die Mitarbeiter selten in die
Pläne der Leitung
eingeweiht; immer wieder kam es vor, dass man sich von jetzt auf gleich
in
anderen Arbeitsbereichen wiederfand und gleichzeitig in schlechteren
Arbeitsbedingungen.
Vor
dem
Hintergrund des massiven Sozialabbaues (hier: durch die Bundesagentur
für
Arbeit) wurde es dann Ende 2003 richtig schwierig. Da wurden z.B.
willkürliche
Kündigungen ausgesprochen, die nach Aussage der Schulleitung “nur
vorsorglich”
sein sollten und jeder Logik widersprachen. Als die ersten beiden
Mitarbeiterinnen sich dazu entschlossen von ihrem Recht Gebrauch zu
machen,
gegen diese Kündigungen gerichtlich vorzugehen, musste eine
Mitarbeiterin unter
Aufsicht der stellvertretenden Schulleitung sofort ihr Büro
räumen und durfte
nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Die Klagen der
Mitarbeiterinnen
wurden von der Schulleitung als Anmaßung und Vertrauensbruch
betrachtet.
Spätestens
zu diesem Zeitpunkt verbreitete sich eine Stimmung, die aus einer
Mischung von
Angst aber auch Frustration und Ärger bestand und aus dem Unwillen
sich gewisse
Dinge nicht mehr bieten zu lassen. Viele Mitarbeiter fragten sich, wer
der/die
Nächste ist und wie viel man sich vom Arbeitgeber noch gefallen
lassen müsse.
Und tatsächlich kamen weitere “vorbeugende” Kündigungen, die
bei “ruhigem”
Verhalten wieder zerrissen werden sollten. Alle waren sich einig, dass
der
Zeitpunkt endgültig gekommen war, um zu zeigen, dass man nicht
alles mit sich
machen lässt! Als Instrument der Gegenwehr wurde die Gründung
eines
Betriebsrates ausgewählt. Die Schulleitung reagierte darauf mit
Kündigungen,
die sich gegen die Mitarbeiter richteten, die als vermeintlich unbequem
eingeschätzt wurden, um jegliche Art von Widerstand zu unterbinden.
Doch
die
Schulleitung rechnete nicht mit der Solidarität unter den
Mitarbeitern, die
zunehmend entstanden war. Wichtig ist, dass alle Beteiligten fest
zusammenhielten und sich während dieser Zeit gegenseitig vollste
Unterstützung
haben zukommen lassen! Es entstanden Möglichkeiten einer
vertrauensvollen,
geschützten Kommunikation, die es den Mitarbeitern
ermöglichte, sich zu
solidarisieren und sich somit unangreifbar zu machen. Von elf
Entlassenen
klagten zehn gegen die Kündigung und bekamen Recht! Bemerkenswert
ist, dass
sich die Mitarbeiter trotz der angespannten Arbeitsmarktsituation und
einer
ungewissen Zukunft nicht der Willkür der Schulleitung gebeugt
haben, sondern
weitergekämpft haben. Denn: acht von den Gekündigten
verlassen die Schule trotz
möglicher Weiterbeschäftigung (es werden jetzt Abfindungen
gezahlt), da keine
Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit mit der
Geschäftsführung besteht!
Wichtig war insbesondere, kollektiv zum Handeln zu kommen und gemeinsam
in
Anfängen zu spüren, dass der gemeinsame Kampf auch den
alltäglichen Umgang
miteinander positiv verändert!
Was
bleibt
von diesem Kampf, ist die gemeinsame Erfahrung und dass man etwas
bewegen kann,
wenn man sich solidarisiert!