bookForschen
für den Führer
Es
gibt ein
schönes Zitat von John Searle (amerikanischer Philosoph), das da
wäre: “Für
einen gebildeten Menschen unserer Zeit ist es unabdingbar, dass er
über zwei
Theorien unterrichtet ist: Die Atomtheorie der Materie und die
Evolutionstheorie der Biologie.” Für mich war es immer schon
unschön, sich mit
Naturwissenschaften zu beschäftigen, aber niemand kann bezweifeln,
dass in
diesem Zitat ein gewisses Maß an Wahrheit steckt, obwohl ich
Marx, Mendel,
Freud und die Folgen auch nicht ganz vergessen würde, wenn man
denn schon über
Theorien spricht, die man wissen muss. Manchmal gibt es Bücher,
die einem einen
Quereinstieg auch bei ungeliebten Themen leichter machen. “Forschen
für den
Führer” von John Cornwell ist so ein Buch. Der Untertitel
“Deutsche
Naturwissenschaftler und der zweite Weltkrieg” täuscht ein wenig.
Zwar ist ein
großer Schwerpunkt in dieser Arbeit die Forschung im Dritten
Reich, unter
besonderer Berücksichtigung der deutschen Versuche, eine Atombombe
zu
entwickeln. Aber es handelt sich hier insgesamt eher um eine
Darstellung der
Wissen-schaftsgeschichte vom Kaiserreich bis in die Nachkriegszeit. Es
werden
auch verschiedene Handlungsalternativen vorgestellt, die Akademikern in
dieser
Zeit in Deutschland blieben. Ein Albert Einstein, der schon gegen den
Ersten
Weltkrieg war und Deutschland wegen der Nazis verließ. Oder aber
bedeutende
Wissenschaftler wie Fritz Haber, der für das Kaiserreich als
erster
Massenvernichtungswaffen, nämlich die Kampfgase des ersten
Weltkrieges
entwickelte, und trotz des Nobelpreises als Jude später
Deutschland verlassen
musste. Oder eben Werner Heisenberg, ein genialer Physiker, der am
ersten
deutschen Kernreaktor werkelte und dessen Intentionen bis heute
umstritten sind
(platt gesagt: Hat er gebummelt, weil er keine deutsche Atombombe
wollte, oder
hat er es nur nicht rechtzeitig geschafft?). Cornwell schreibt hier
allerdings
keineswegs nur über die Biographien bedeutender Wissenschaftler,
es geht um
Wirtschafts-, Forschungs- und Kriegsgeschichte. Selbst ein Banause wie
ich
lernt nebenbei etwas über Physik und über den Wettlauf in der
Forschung vor und
vor allem während des Zweiten Weltkriegs. Ein durchaus
empfehlenswertes Buch!
Fehri
John
Cornwell: Forschen für den Führer – Deutsche
Naturwissenschaftler und der
Zweite Weltkrieg
Mit
dieser
Neuerscheinung setzt der Schmetterling Verlag seine Reihe von
Grundlagenbüchern
als Einstieg in linke Theorie fort, die unter dem Titel “theorie.org”
läuft.
Diesmal wird sich der Marx‘schen Theorie gewidmet – genauer gesagt –
seinem
Hauptwerk, den drei Bänden zur Kritik der politischen
Ökonomie, dem “Kapital”.
Autor dieser soliden und äußerst anregenden Einführung
ist der
Politikwissenschaftler Michael Heinrich, Mitglied der
sozialwissenschaftlichen
Zeitschrift PROKLA (Für weitere Infos siehe:
www.oekonomiekritik.de). Heinrich
liefert hiermit weitaus mehr, als eine bloße Einführung. Er
stellt das Anliegen
von Marx heraus, eine fundamentale Kritik an den bürgerlichen
Wirtschaftswissenschaften logisch herzuleiten und zwar in
sozialrevolutionärer
Absicht, wie der Autor betont. Heinrich verdeutlicht anhand von Zitaten
und der
logischen Struktur von Marx‘Hauptwerk, dass es sich hierbei nicht um
eine
moralische Kritik am Kapitalismus, sondern um eine Herausarbeitung
dessen
immanenter Mechanismen und Widersprüche handelt. Heinrich
plädiert daher für
eine Differenzierung zwischen Marxscher Theorie und “dem”
Marxismus, welchen
es seiner Ansicht nach gar nicht als einheitliches Gebilde gäbe.
Mehr noch:
Heinrich wendet sich in der Einführung vehement gegen die
Verkürzungen des
traditionellen, “weltanschaulichen” Marxismus und tritt ein für
eine
ideologiefreie Beschäftigung mit Marx. Im Zentrum steht hierbei
die
Auseinandersetzung mit der Marx‘schen Wertkritik. Vom Aufbau her
orientiert
sich die Einführung an der Gliederung der drei Bände des
“Kapitals”, hinzu
kommen einleitend vom Autor zwei Kapitel über den Marxismus und
grundsätzliche
Überlegungen zu dem Marx‘schen Hauptwerk sowie ein Exkurs zum
Antisemitismus und zum Kommunismus.
Die
Vorstellung des Buches als Einführung könnte den Eindruck
vermitteln, als wäre
es lediglich für Nicht-Kenner/innen der Marx‘schen Theorie
interessant – weit
verfehlt! Heinrich räumt mit dieser soliden Einführung
zugleich mit bestehendem
Scheuklappendenken bei der Auseinandersetzung mit Marx auf und regt
dadurch zu
einer Neubeschäftigung mit der Aktualität der Marx‘schen
Kritik an. Etwas
Besseres an komprimierter Einführung in die Kritik der politischen
Ökonomie ist
aktuell nicht zu haben.
Das
Buch
ist verständlich und spannend geschrieben, es ist argumentativ
sauber und
analytisch hervorragend entwickelt. Ein ausführliches Sachregister
sowie
zahlreiche Verweise im Text zu weiterer Grundlagenliteratur machen
dieses Buch
zu einem unverzichtbaren Fundus bei der Beschäftigung mit der
Kritik der
politischen Ökonomie. Und diese ist schließlich
Grundvoraussetzung für linke
Theorie und Praxis. Dieses Buch verdient Auseinandersetzung!
Al
C.
www.terz.org - 24.5.2004