comicPersepolis
Ja,
es gibt
sie – hoch politische Comics, die zugleich erfolgreich sind. Die
comicartige
Schilderung der exilierten Iranerin Marjane Satrapi von ihrem
Aufwachsen im
Iran bis zu ihrer Ausreise aus dem Land zeigt, dass man und im
Konkreten frau
sehr wohl politische Verhältnisse durch das Medium Comic
vermitteln kann. Das
Comic – von der TERZ schon vor längerer Zeit in seiner
französischen Version empfohlen
– liegt nun endlich als deutsche Version vor und erfreut sich
steigendem
Interesse: Über 200.000 Exemplare wurden bisher insgesamt in
verschieden
Sprachen verkauft und in Frankreich avancierte die Autorin kurzzeitig
gar zum
Medienstar. Die Geschichte des Comic stellt vordergründig eine
Autobiographie
dar. 1969 in Teheran geboren erlebt die Autorin im Alter von zehn
Jahren als
Kind links eingestellter Eltern den Sturz der Schah-Diktatur und die
Entfaltung
der islamistischen Mullah-Diktatur. Einfühlend und pfiffig werden
Alltagskonflikte einer Heranwachsenden vom Schulalltag bis zu dem
Entfaltungsmöglichkeiten einer jungen gebildeten Frau unter
Lebensverhältnissen
geschildert, die von Krieg, religiösem Fundamentalismus und
offener politischer
und gesellschaftlicher Unterdrückung geprägt sind.
Das
Comic
ermöglicht einen Blick hinter (eigene) Vorurteile und einen Zugang
zu den
Menschen aus dem Iran. Zugleich gibt die Autorin hiermit auf anregende
Weise
sowohl Kindern und Jugendlichen wie zugleich Erwachsenen aus Westeuropa
die
Möglichkeit, jenseits von rassistischen und chauvinistischen
Klischees einen
Einblick in den Lebensalltag von Menschen unter den Bedingungen von
Islamismus,
Krieg und Diktatur zu bekommen und damit auch die Menschen mit ihren
Widersprüchlichkeiten
und Konflikten anders wahrnehmen zu können. Ein großer Wurf
in der
Comic-Kultur!
Al
C.
www.terz.org - 24.5.2004