J.
Erwin
ist ohne jeden Zweifel einer der imposanten Männer, deren
Fähigkeiten von
vielen Neidern nicht anerkannt werden. Das von ihm vorgestellte Konzept
“Rheincity Düsseldorf - business meets lifestyle” (sollte
eine neue Dachmarke
bzw. Logo werden) wird von Köln, Bonn und Duisburg schlicht nicht
mitgetragen.
Und das noch mit der lapidaren Begründung, dass man von den
Düsseldorfer Plänen
nichts wusste und Alleingänge nicht produktiv seien. Neider
sind überall,
aber: Kommunikation ist alles, Herr Erwin!
starke
arbeiterbewegung # 1
Alle
Bürger
wissen, dass man in bestimmten Läden äußerst preiswert
einkaufen kann. Und
manchem stellt sich die Frage, wie Geschäfte wie Aldi, Lidl und
Schlecker diese
Kampfpreise hinkriegen. Vom billigen Computer bis hin zum Rotwein
für 99 Cent
den Liter! Einen Hinweis auf den möglichen Grund gibt die
Gewerkschaft Verdi,
die klagt: “Miserable Arbeitsbedingungen!” So existiert in keiner der
130
Hamburger Schlecker Filialen ein Betriebsrat! Das ist schon
erstaunlich, wird
aber bundesweit von Lidl noch gesteigert: Von 2500 Filialen gibt es nur
in fünf
(!) einen Betriebsrat. Brüder zur Sonne zur Freiheit!
frohe
botschaft
Ab
1. Mai
gibt es Zigaretten für 1,50 Euro pro Schachtel! An der
weißrussisch-polnischen
Grenze hätte die Mafia für diesen Deal schon Lagerhäuser
angemietet, meldet die
Bild am 28. April. Aber Freude ist nicht angesagt, denn “Experten
rechnen mit
Steuerverlusten von bis zu 1,7 Milliarden Euro”. Die Bild-Zeitung
weiß, was
sich gehört.
erwin
mauert
Auskünfte
darüber, wer eigentlich für Joachim Erwins Politik-Tourismus
aufkommt - er
selber, die Privat-Wirtschaft oder der/die SteuerzahlerInnen
- erhält die
Öffentlichkeit nicht. Wieviel Geld die Stadt für ein
Gutachten zu einer
U-Bahnstrecke bezahlt hat, darf sie ebenfalls nicht wissen. Der OB
verweist in
solchen Fällen immer auf “schutzwürdige private Interessen”.
Der
Steuerzahlerbund ließ sich mit dieser Antwort allerdings nicht
abspeisen. Er
zog vor das Verwaltungsgericht und gewann den Prozess, weshalb Erwin
jetzt mit
den Zahlen zum U-Bahn-Gutachten rausrücken muss.
starke
arbeiterbewegung # 2
Die
BILD-Zeitung ist für kleine Leute bekanntlich immer da. Am
28.04.2004
veröffentlichte sie eine Statistik, die es in sich hat.
Während PolitikerInnen
den Leuten immer öfter erzählen, dass die hohen Löhne
der Grund für die Krise
seien, schreibt die BILD, dass 670 Berufe in Deutschland mit weniger
als sechs
Euro in der Stunde bezahlt werden. So bekommt in NRW eine
Bürohilfskraft
Bergbau nur 5,73 Euro in der Stunde, ein Forstarbeiter gar nur 4,97
Euro. Vor
allen Dingen meinen manche, dass in den neuen Bundesländern
Billigjobs
geschaffen werden sollten. Immerhin verdient ein Friseur in
Thüringen satte
3,18 Euro in der Stunde, da wäre sicher noch Luft! Spitzenreiter
in der
Elendsstatistik ist ein Angestellter im Gartenbau, der das Unglück
hat, in
Sachsen zu leben. Er muss mit 2,74 Euro in der Stunde auskommen. In
derselben
Ausgabe wird gemeldet, dass immer mehr Kinder polnisch lernen, weil die
Eltern
hoffen, dass diese später mal einen Job in Polen ergattern
könnten! Serdeczne
Zyczenia (Herzlichen Glückwunsch)!
ungerecht
crime and
the city #1
Der
Neoliberalismus produziert nicht nur wie geplant Armut, sondern als
unbeabsichtigte Nebenwirkung auch eine erhöhte
Kriminalitätsrate. Die wirkt
sich dann als negativer Standort-Faktor aus. “Ganoven trüben
Düsseldorfs Image”
- so fasste die ”Rheinische Post” das Ergebnis eines - natürlich
vom
Arbeitgeber-Verband in Auftrag gegebenen - Städte-Rankings
zusammen, bei dem
Düsseldorf wg. der Verbrechenshäufigkeit Abzüge in der
B-Note bekam. “Die
Landesregierung hat uns das Ranking durch eine miese Polizei-Statistik
versaut”, maulte Oberbürgermeister Erwin. Ihn, gegen den selbst
wg.
Steuerhinterziehung ermittelt wird, stört nämlich schon
lange, dass Düsseldorfs
Polizei-Truppe dem Land unterstellt ist und er deshalb auf sie keinen
Einfluss
hat, weshalb er sich mit seiner OB-Garde, dem “Ordnungs- und
Servicedienst”
begnügen muss. So nutzte er gleich die Gelegenheit, sich seinen
Lieblingsfeind,
Polizei-Präsident Michael Dybowski, vorzuknöpfen. Mit Verweis
auf die um 3,61
Prozent gestiegene Verbrechensrate wollte er Dybowski ins Rathaus
einbestellen
und ihm die Leviten lesen. Der konterte, der Anstieg sei weitgehend auf
eine
Zunahme bei den “White-Collar-Delikten” wie Internet-Betrug
zurückzuführen, wo
es ein Täter allein auf 1.100 aktenkundige Fälle brachte. Er
verwies im Übrigen
auf das Fehlen von Drücker-Räumen und allgemeiner auf das
Nichtvorhandensein
einer Drogen-Politik, die zu einer Zunahme der
Beschaffungskriminalität
führe.
Im
Zuge der
Verbrechensbekämpfung schränkt der Staat immer mehr
Freiheitsrechte ein:
Anti-Terror-Gesetze, Großer Lauschangriff,
Strafrechtsverschärfung und
Kompetenz-Ausweitung für die Polizei. Seit Juni 2003 gestattet das
NRW-Polizeigesetz auch die Video-Überwachung, Düsseldorf wird
bald am Eingang
zur Altstadt “Big Brother” spielen. “Mehr Sicherheit für die
Bürger, mehr
Unsicherheit für Straftäter” verspricht sich
Polizei-Präsident Michael
Dybowski, der von OB Erwin allerdings erst zum Verbrecher-Jagen per
Kamera
getragen werden musste, von dem Projekt. Allzu viel zur Absenkung der
Kriminalitätsstatistik dürfte sie nicht beitragen, denn die
Kameras filmen zwar
alles, es schaut bloß niemand hin. Die Polizei schaut
nämlich nur zu den
“Kernarbeitszeiten” auf die Monitore. Aber Aufklärung ist auch gar
nicht Sinn
der Übung, sondern Abschreckung. Als “Bildübertragung mit
präventivem
Charakter” charakterisierte ein Polizei-Beamter die
Video-Überwachung einmal
treffend. Die PolitikerInnen wollen so das viel beschworene “subjektive
Sicherheitsgefühl” der BürgerInnen stärken. Dies mag
ihnen sogar gelingen,
allerdings auf Kosten des “objektiven Sicherheitsgefühls”. Nach
einer
Untersuchung britischer WissenschaftlerInnen wähnen sich die
Insel-BewohnerInnen durch die mehr als 300.000 dort installierten
Kameras nämlich
so sehr in Sicherheit, dass sie kaum mehr Vorsicht walten lassen und
auf diese
Weise sogar häufiger als früher Opfer von Verbrechen werden.
Oberbürgermeister
Erwin stockt seine private Polizei-Truppe, den Ordnungs- und
Servicedienst
(OSD), unentwegt auf. Zu den bislang 80 Kräften stoßen nun
40 neue; sie sollen
vornehmlich in den einzelnen Stadtteilen auf Obdachlosen-Jagd gehen. Ob
das
Personal dafür die nötige Qualifikation hat, daran zweifelt
neuerdings die FDP.
Nach Meinung ihres Geschäftsführers Manfred Neuenhaus reicht
die Ausbildung der
OSDler nicht aus. Er schlägt aber nicht etwa Praktika im Irak vor,
Defizite
macht er vor allem “im psychologischen Bereich” aus. Aber ob ein
einfacher
Psychologie-Grundkurs die Blauen vom Prügeln abhalten kann?
neuer besen
Falls
die
Sozis die nächste Kommunalwahl gewinnen sollten, wird die
Bürgermeisterin
Gudrun Hock heißen. Diese möchte die Sozialpolitik ganz nach
vorne rücken, wie
sie in einem Vortrag vor der Friedrich-Ebert-Stiftung betonte. Das
bedeutet
mehr Sicherheit! Der Straßenstrich soll irgendwo legal hinkommen,
wohin ist
noch unklar! Süchtige sollen eine Fixerstube bekommen!
“Anlaufstellen für
Sorgen und Nöte von Bürgern” sollen entstehen, an denen auch
die Polizei
präsent ist! Besonders schön ist folgender Punkt: Mehr
Ordnungskräfte, die
Spielplätze überwachen, die zusätzlich von “Paten”
gesichert werden. Fragt sich
nur, für was für Leute so ein Job attraktiv sein könnte?
Ein böser Mensch, der
so etwas denkt, aber nannte man so etwas ähnliches früher
nicht Blockwart?
www.terz.org - 24.5.2004