"Die Mischung machts."

Interview mit Karl, Lars und Thomas
vom Mittwochsfrühstück der Erwerbslosen im zakk


TERZ: Wer seid ihr und warum geht ihr zum Mittwochsfrühstück?

Lars: Ich bin Ende 30 und ein arbeitender Armer.
Thomas: Ich bin Ende 40 und auch ein working poor.
Karl: Ich bin Mitte 40, mal Minijobber, mal arbeitslos - halt ein typischer Grenzgänger. Ich geh ins zakk zum Frühstück, weil da die Atmosphäre stimmt. Ich hab da meinen Spaß und treff Leute, die nicht nur alles in sich reinfressen, die auch was machen wollen und machen. Dafür zahl ich dann auch die 1,50 Euro fürs Frühstück, obwohl ich auch umsonst woanders essen könnte. Woanders essen die Leute nur, aber es passiert nix.
Lars: Obwohl es da auch ein unterschiedliches Tempo gibt. Einige sitzen erstmal nur dabei.
Karl: Aber das ist doch das Gute. Die Mischung machts.
Lars: Die Mischung von Frühstück und AGs finde ich gut. Und, dass Leute von uns selber was anbieten wie den Word/Excel-Kurs.
Thomas: Das Spannende ist das Unterschiedliche, dass hier Leute, die nirgendwo organisiert sind, zusammen mit Leuten aus ver.di oder von den Überflüssigen / "Tasche leer, Schnauze voll!" diskutieren. Und, dass einige auch was machen, wie die Statistik-frisieren-Aktion oder die Unterstützung der Euromärsche. Für mich ist es wichtig, dass hier alles offen ist, dass es keinen Zwang gibt.
Lars: Ich will aber auch, dass was rumkommt. Ich fand die Veranstaltung "Abzocke am Telefon und im Internet" gut, weil das nicht wenigen passiert. Und die Infoveranstaltungen, da sollten wir ruhig noch mehr machen.


TERZ: Mehr machen ist gut. Irgendwie hat man ja nicht das Gefühl, dass die zehntausenden Arbeitslosen in Düsseldorf sich groß für ihre eigenen Interessen engagieren.

Thomas: Das stimmt. Aber die Situation ist komplex, kompliziert und widersprüchlich. Schau mal, wir werden als Erwerbslose unsichtbar gemacht, indem man uns aus den Statistiken säubert. Und wir machen uns selber unsichtbar, z.B. weil wir Angst haben, schief angesehen zu werden.
Lars: Gegen uns wird Stimmung gemacht. Die Arbeitslosen einerseits und die Arbeitsplatzbesitzer andererseits werden gegeneinander ausgespielt. Immer weniger Menschen haben eine richtige Arbeit, müssen aber immer länger arbeiten. Gleichzeitig finden wir keinen Job, bekommen aber Zwangsarbeit reingedrückt. Viele haben auch Angst davor, als Arbeitslose erkannt zu werden, weil sie sich schämen.
Karl: Wir sind real im Alltag nicht als Arbeitslose zu erkennen, und symbolisch wollen wir auch nicht den "Ich bin arbeitslos"-Aufnäher tragen (müssen).
Lars: Also, auf der symbolischen Ebene arbeiten wir beim Mittwochsfrühstück ja schon an was. Wir planen überlebensgroße Figuren, die den "typischen Arbeitslosen" symbolisieren sollen. An die hängen wir die ganzen Vorurteile und Stigmata dran, mit denen wir behaftet werden.
Karl: Wir stellen so unsere Unsichtbarkeit in den öffentlichen Raum. Die Figuren sehen auch so aus: graue, diffuse Figuren. Und auch hierbei merkst du unsere Situation. Wir bauen zusammen mit viel Spaß und Ernsthaftigkeit diese Figuren - aber nicht alle trauen sich, mit den Figuren und ihrer eigene Situation in die Öffentlichkeit zu gehen.
Thomas: Wir machen Kunst. Aber wir brauchen auch den anderen Inhalt drumherum, wir brauchen und machen Plakate und Flugblätter. Wir werden damit eigene Aktionen machen und uns an Aktionen beteiligen. Mehr wird aber noch nicht verraten.


TERZ: Wieviele seid ihr denn und wie kann man zu euch Kontakt bekommen?

Thomas: Zum Frühstück und zu den AGs kommen zwischen 15 und 40 Leute. Das schwankt stark, je nach Interesse oder Zeit. Erwerbslose sind gar nicht so frei in ihrer Zeiteinteilung, wie viele Leute meinen.
Lars: Und der Kontakt ist denkbar einfach. Mittwochs um 9:30 Uhr ins zakk auf der Fichtenstr. 40 kommen und mit uns frühstücken. Das gilt nicht nur für Arbeitslose und ALG 2-Empfänger, sondern auch für Leute, die trotz Arbeit wenig Geld haben. Und die was machen wollen!


Aktion der Überflüssigen am Düsseldorfer Arbeitsamt

24. Mai, morgens, kurz nach zehn. Mitten im großen Center der Arbeitsagentur in Düsseldorf tauchen die roten Kapuzenpullover der Überflüssigen auf. Die Security ist verwirrt und beschäftigt sich zunächst mit der Durchsetzung eines Fotografierverbotes für die anwesende Presse, so dass die Überflüssigen in den Gängen und Wartezimmern ungestört Flugblätter verteilen können.
Die Flugblätter werden von den "KundInnen" der Arbeitsagentur gerne genommen und - da beim Warten viel Zeit da ist - auch gelesen.
Erst spät kommen andere Security-Männer hinzu, beginnen ausgelegte Flugblätter einzusammeln und die Überflüssigen aus dem Gebäude zu komplementieren. Die verteilen noch fix die restlichen Flugis vor dem Gebäude und verschwinden anschließend im Nichts.
Eine kleine Aktion, die sich einreiht in das bisherige Wirken der Überflüssigen in Düsseldorf und in die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel.