TERZ 10.07 - FIXPUNKT
Am 29.12.2006 eröffnete endlich der Drogenkonsumraum in Düsseldorf. Mit dem "Charme eines Schwimmbades" (TERZ berichtete) versucht er seitdem, die DrogenkonsumentInnen Düsseldorfs von der Straße zu locken. Der Drogenkonsumraum ist mehr als eine sinnvolle Einrichtung für die betroffenen süchtigen Menschen.
"Stress, Verfolgungsängste, Hektik und Unvorsichtigkeit verhindern den risikoarmen Gebrauch (safer use) der Drogen bezüglich Injektionstechnik, Hygiene und Dosierung, so dass bei den Abhängigen immer wieder lebensbedrohliche Situation entstehen", stellt das Konzeptpapier der Düsseldorfer Drogenhilfe treffend die Situation der GebraucherInnen illegaler Drogen dar. "Die Einrichtung eines Drogenkonsumraumes ist eine gesundheits-, sozial- und ordnungspolitische Maßnahme. Mit der dort vorhandenen psychosozialen Beratung und medizinischen Versorgung erhalten die Abhängigen ein Angebot mit Überlebens-, Lebens- und Ausstiegshilfen." Kurz gesagt - vor Ort sind SozialarbeiterInnen oder -pädagogInnen, die Beratungen und Vermittlungen durchführen können und Rettungspersonal für medizinische Notfälle.
Bisher kennen wir nur die Seite der Düsseldorfer Drogenhilfe. Aus diesem Grund machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt, um zu erfahren, wie die KonsumentInnen das Angebot des Konsumraums annehmen und empfinden.
Die Richtigkeit der nachfolgend genannten Namen haben wir natürlich nicht überprüft.
Seit knapp 10 Monaten hat Düsseldorf einen Konsumraum. Wie ist eure Meinung dazu?
Daniel: Ja, wir fanden das super, nicht wahr Andrea? Haben uns total gefreut, denn so können wir uns in Ruhe einen Knaller machen und müssen nicht wie wild draußen einen Platz suchen. Man kommt sich hier oft genug wie ein Aussätziger vor. Außerdem sind Leute dort, die mir helfen können, wenn ich abkacke, weil der Stoff Scheiße war.
Sven: Endlich gibt's hier auch einen! Ich komm aus Essen, die ham den schon lange!
MitarbeiterInnen der Düsseldorfer Drogenhilfe sagen z. B., der Konsumraum habe den Charme eines Schwimmbades? Wie ist euer Eindruck?
Daniel: Ja, dem kann ich nur zustimmen. Er ist voller Spiegel, ich kann mich nur an weiße und graue Farben erinnern und das hatte nix mit meinem benebelten Zustand zu tun. (grinst) Die Plätze selbst sind total aneinander gedrängt.
Andrea: Dann voll die fette Beleuchtung. Es war nur grell.
Wie ist der Ablauf bevor Du konsumieren kannst?
Michael: Klar, also erst mussde mit einem Mitarbeiter labern, ein so genanntes Aufnahmegespräch führen. Dann kriegsde ein Schriftstück vorgelegt, was Du unterschreiben musst. Ich war total affig, da war mir egal, was ich da so unterschreibe.
Daniel: Also, Du musst Deinen Ausweis vorlegen und voll viele Fragen beantworten. Wenn Du Deinen Ausweis nicht dabei hast, kannste wieder gehen - persönliches Pech sozusagen.
Sven: Das stimmt so nich! Ich hab keinen Ausweis dabei gehabt und durfte trotzdem rein, musste aber beim nächsten Mal einen vorzeigen.
Daniel: Na ja, jedenfalls dann fragen die Mitarbeiter nach Krankheiten, deinem Familienstand, aus welchem Land ich komme - als wenn das von Interesse ist, wenn ich mir einen Knaller machen will - na ja. Sie wollen wissen, was ich konsumiere und wie lange schon. Voll krass - dabei haste nur eins im Sinn und das ist: JETZT zu konsumieren. Und zu guter Letzt werden Dir noch deine Rechte verlesen, also was du machen darfst und was nich.
Andrea: Ich dachte, die wollten noch meine Kleidergröße notieren. (lacht)
Sven: Das ganze speichern die im Computer, wo auch jedes Mal wenn ich wieder komm alles vermerkt wird, was ich nehme und so. Angeblich bleiben die Infos aber im Haus. (zuckt mit den Schultern)
Wie geht es dann weiter?
Daniel: Du kriegst dann erstmal die Utensilien: so Spritzen, Nadeln, Filter, Tupfer, Asco, Feuer, Abbinder und Löffel. Eigene Sachen sind verboten! Dann bekommsde ne Nummer gesagt, wo du dich hinsetzen sollst. Raucher und Drücker sind getrennt - angeblich wegen der Lüftung. Dabei werde ich während ich mir den Knaller setze high vom Shore-Geruch der Raucher. (lacht)
Hast Du bestimmte Zeitauflagen? Ich kann mir vorstellen, dass ja nicht gerade wenige dorthin kommen.
Andrea: In 30 Minuten musste fertig sein.
Geht ihr dort regelmäßig hin?
Michael: Ja schon, weil ich kein Geld für neue Spritzen und so habe. Fühle mich da auch etwas sicherer, wenn mal was schief gehen sollte.
Daniel: Zweimal war ich da, danach nie wieder. Alles viel zu kompliziert. Außerdem melden die auch noch alles den Bullen.
Was melden die MitarbeiterInnen der Polizei? Die Daten, wer konsumiert oder was meinst Du?
Daniel: Nee, willsde mal 'nem Kumpel aushelfen, weil der nix auf Tasche hat, bisde direkt ein Dealer.
???
Daniel: Also, haben die Mitarbeiter einen Verdacht, weil Du jemandem was rübergereicht hast, dann könnteste ja gedealt haben und das bedeutet dann Hausverbot. Das geben die dann an die Bullen weiter!
Dies machte uns hellhörig und wir recherchierten. Dabei erfuhren wir, dass es eine so genannte Ordnungspartnerschaft gibt (Drogenhilfe, OSD, Staatsanwaltschaft und Polizei). Sobald es Hausverbote auf Grund von BTM (Betäubungsmittel)-Delikten gibt, werden diese an die entsprechenden Stellen weitergeleitet. Im Zuge dessen kann es zu einem Ermittlungsverfahren kommen.
Das Thema Datenerhebung wollten wir ebenfalls unter die Lupe nehmen: Laut
Internetseite der Düsseldorfer Drogenhilfe
unter der Rubrik Datenschutz, werden nur Daten erhoben, die für eine Betreuung (u. a. Erstellung von Hilfeplänen und Sozialberichten) wichtig sind. Da im Konsumraum weder Hilfepläne noch Sozialberichte erstellt werden, weil es sich - wie der Name sagt - um einen KONSUMraum handelt, scheinen die Fragen doch sehr persönlich.
Wenn das nicht ein Fall für Bettina Sokol, die Datenschutzbeauftragte des Landes ist.
POR LA SALUD