| 1990 veröffentlichte die
Mahn- und Gedenkstätte eine Liste mit denjenigen Düsseldorfer
Firmen, die während der NS-Zeit Zwangs-arbeiterInnen beschäftigt
hatten. Eine ganze Reihe dieser Unternehmen hat bisher nicht in den Entschädigungsfonds
der deutschen Wirtschaft eingezahlt. Die TERZ fühlte ihnen auf den
Zahn. "Ich hätte gerne einige Informationen zum Thema ZwangsarbeiterInnen-Entschädigung". Auf diese Standardfrage erhielt die TERZ Reaktionen, die von "Bitte zu was??" und "Da muss ich Sie weiterverbinden" über "Können Sie das noch einmal schriftlich einreichen" bis zu "Sie fragen mich Sachen" reichten. Mal blieben die Angesprochenen dabei freundlich-verbindlich, mal taten sie völlig überrascht, zuweilen wurden sie aber auch richtig böse. Am wüstesten polterte ein Vertreter der Fortin-Mühle, die im "Dritten Reich" ein Fremd-arbeiterInnen-Lager unterhielt. "Ich weiß davon gar nichts", so der Verantwortliche, "Ich bin 34 und bin mit der Unternehmenshistorie überhaupt nicht vertraut." Auf den Einwand, dass sogar Betriebe der Stiftungsinitiative beigetreten sind, die ganz genau wussten, keine ZwangsarbeiterInnen beschäftigt zu haben, reagierte er mit der ironisch-zynischen Bemerkung "sehr tapfer", um sich anschließend mit den firmeneigenen Heldentaten wie Nahrungs-mittelhilfen für die Hungernden der Welt zu brüsten. Dann folgte ein Lamento über das angeblich "am Limit lavierende" Unternehmen, das keinerlei finanzielle Spielräume habe. Dass die einzuzahlende Summe vom Umsatz abhängig ist, und sie also auch weniger finanzkräftige Betriebe aufbringen können, ließ er nicht gelten. Im Laufe des Gesprächs wurde er immer ungehaltener und verbat sich Fragen, die nicht von offizieller Seite kämen. Ähnlich unwirsch reagierte das Autohaus Brüggemann. Dort hatte man in der Zeit vom November letzten Jahres bis heute einen Kurzzeitgedächtnisverlust erlitten. Hatte man damals in einem Telefongespräch noch von der Existenz der diversen Fremd-arbeiterInnen-, OstarbeiterInnen- und KZ-Außenlager gewusst, so wollte man nun nichts mehr davon wissen und schickte ungehaltene Emails zurück. Nicht wenige Firmen glaubten ihre düstere Unternehmensvergangenheit dadurch entsorgt zu haben, dass sie nun zu größeren Konzernen gehören, die der Stiftungsinitiative schon beigetreten sind. Thomson verwies auf Henkel und SMS auf MAN. Die Papierfabrik Hermes leugnete zwar ab, FremdarbeiterInnen ausgebeutet zu haben, da dies aus den Personalunterlagen nicht hervorgehe, erklärte aber trotzdem nur noch den neuen Mehrheitseigner RWE als zuständig. Da die jeweiligen Mutterkonzerne lediglich für ihre eigenen historischen Verbrechen, nicht jedoch für die ihrer zugekauften Unternehmensteile aufkommen werden, erweist sich das als ausgesprochene Billig-Lösung. Die Feldmühle AG hat sich anderthalb Jahre nach Gründung
der Stiftungsinitiave dazu aufgerafft, sich Ende Juni von deren Geschäftsführer
Gibowski über die Sachlage informieren zu lassen. Immerhin versicherte
man, wohl einzahlen zu wollen. Bei Böhler ist noch nicht geklärt,
ob die österreichischen Besitzer in den dortigen oder den bundesdeutschen
Fonds einzahlen werden. Günther & Lochte hat auf einen Brief
der Industrie- und Handelskammer reagiert und kündigte an, in den
regionalen Fonds des Unternehmensverbandes einzuzahlen. JAN |
"Da fragen
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