Schon seit längerer Zeit zeichnet sich ab, daß der Düsseldorfer
Süden immer mehr zur Ausgangsbasis neonazistischer Aktivitäten wird.
Mindestens drei feste Nazicliquen mit enger Anbindung an die "Kameradschaft
Düsseldorf" treiben hier ihr Unwesen. "Nationalisten im Düsseldorfer
Süden" nennt sich eine Struktur, die seit der zweiten Juni-Woche mit
einer eigenen Homepage im Internet vertreten ist. Man sei nicht länger
bereit, sich einem "volksfeindlichen System" zu ergeben, heißt
es hier. "Unser Aufgabenbereich fängt mit dem Verteilen von Flugblättern
an, geht über persönliche Gespräche mit dem Normalbürger'
und endet mit der Beobachtung antifaschistischer' Aktivitäten im
Düsseldorfer Süden. Wir werden versuchen unsere Anonymität weitestgehend
zu wahren, um bestehende Kontakte zu div. Gymnasien in der Umgebung besser ausbauen
zu können. Wir waren selbst überrascht, welche Potenziale dort schlummern
und wie viele Leute zumindest ähnlich denken. Diese gilt es für die
Bewegung zu gewinnen! Aber auch bisher eher wenig aktive Gruppen von Kameraden
in den südlichen Stadtteilen müssen für überregionale Aktionen
gewonnen werden. Bei diesen oder öffentlichen Auftritten allgemein werden
wir uns weiterhin den bekannten Leuten und Organisationen unterordnen."
Als erste "Heldentat" schafften es die Südnationalisten, einen
der ihren in eine Infoveranstaltung zum Thema Neonazismus zu entsenden. Exakt
20 Minuten der über zweistündigen Veranstaltung schaffte es der vor
Nervosität kaum seine Zigarette halten könnende "Kamerad"
in der Veranstaltung zu bleiben, um dann eilig per Auto das Weite zu suchen,
nachdem sich mehrere AntifaschistInnen für ihn zu interessieren begannen.
Nach dem neonazistischen Angriff am 13.6. vor dem Tigges setzten die "Nationalisten
im Düsseldorfer Süden" ein Flugblatt ins Internet, auf dem eines
der Opfer mit Foto geoutet wurde. Offensichtlich reichte ihnen dieses aber immer
noch nicht, so daß sie beschlossen, die zweite Infoveranstaltung des Antifa-KOK
im Rahmen seiner Kampagne "Sonne, Süden, Antifa" am 27.6. in
der Freizeitstätte Garath anzugreifen. Über 30 Neonazis stürmten
Bierflaschen werfend Richtung Eingang, vor dem sich zu dem Zeitpunkt ca. 15
AntifaschistInnen und BesucherInnen der Veranstaltung aufhielten. Ca. 10 von
ihnen stellten sich den Angreifern in den Weg, stoppten sie und schlugen sie
in die Flucht. Offensichtlich hatten die Neonazis nicht damit gerechnet, daß
ihnen bei derartiger Überzahl Probleme ins Haus stünden. Die wie immer
zu spät und zeitgleich mit den von den Neonazis bestellten Krankenwagen
anrückende Polizei nahm von 22 Personen, allesamt aus der rechten Szene,
die Personalien auf. Offensichtlich noch unter Schock gestanden haben muß
der Autor des am nächsten Tag auf der Süd-Homepage erschienenen Berichts.
Man habe "dem versammelten deutschfeindlichen Rassistenpack, bewaffnet
mit Argumenten, die Grenzen für solche Volksfeindlichkeit aufzeigen"
wollen. "Nur dank der Besonnenheit und dem deeskalierenden Verhalten dieser
jungen Menschen kam es gestern nicht zu einem Eklat." Man habe sich "nach
einem kurzen Aufmarsch und dem unmißverständlichen Verhalten der
selbsternannten Antifaschisten" zurückgezogen. Trotzdem sei die Aktion
"als ein Sieg aller Nationalisten im Düsseldorfer Süden"
zu werten. Selbst seine "Kameraden" empfanden diese "Analyse"
wohl als peinlich, war der Bericht doch nach wenigen Stunden schon wieder von
der Homepage verschwunden.
(pb)
Wie in der TERZ 2/2001 berichtet wurde am 13.1. in München ein Grieche
von Neonazis zusammengeschlagen. Nur durch das schnelle Einschreiten einiger
Migranten wurde er nicht lebensgefährlich verletzt oder gar getötet.
Gegen 14 Täter erhob die Staatsanwaltschaft München Anklage, gegen
drei wegen versuchten Mordes, gegen die anderen wegen gefährlicher Körperverletzung.
Der neonazistischen Szene gelang es, einen der Haupttäter, den Sauerländer
NPD-Kommunlawahlkandidaten Christoph Schulte, drei Wochen lang versteckt zu
halten, bis er am 2.2. in den Niederlanden festgenommen werden konnte (vgl.
TERZ 3/2001).
Einer der zwei Ausrichter der Festivität war der 25jährige Rainer
Mehr aus Lüdenscheid, der seit 1996 an der TU München studiert und
auch die Homepage des "Nationalen Widerstands Bayern" betreibt. Er
ist der Bruder des 1997 bei einem Autounfall verstorbenen ehemaligen Kaders
der verbotenen "Nationalisten Front" (NF), Harald Theodor Mehr, der
den neonazistischen Lüdenscheider "Donner-Versand" leitete und
zu den Initiatoren der wichtigsten Zeitschrift der "Freien Kameradschaften",
dem "Zentralorgan", zählt. Wie es sich für einen "anständigen,
national denkenden" Studenten gehört, schloß sich Rainer Mehr
1996 einer schlagenden Studentenverbindung an. Die Wahl dürfte ihm nicht
schwergefallen sein, denn mit der "Burschenschaft Danubia München"
bot sich eine derjenigen Burschenschaften an, die noch nie einen Hehl aus ihrer
Nähe zur extremen Rechten gemacht hat. Der Veranstaltungskalender der Danuben
liest sich wie ein "Who is who?" der extremen Rechten in der BRD und
dem europäischen Ausland. Horst Mahler, Alexander von Webenau (ehemaliger
Bundesvorsitzender des "Nationaldemokratischen Hochschulbundes") und
Alain de Benoist, Vordenker der französischen "Neuen Rechten",
sind hierfür nur drei aktuelle Beispiele. Wer jetzt allerdings meint, die
"Danubia München" würde ein einsames Dasein fristen und
von anderen Burschenschaften gemieden werden, liegt falsch. 1976/1977 wurde
die "Danubia" sogar zur vorsitzenden Burschenschaft des wichtigsten
und größten Dachverbandes der deutschen und österreichischen
Burschenschaften, der "Deutschen Burschenschaft" (DB), gewählt.
Was also lag nach dem brutalen Angriff näher, als den von der Polizei gesuchten
Schulte im Haus der Danuben einzuquartieren? Und so geschah es auch. Michael
Müller von der befreundeten "Burschenschaft Teutonia Regensburg"
quartierte nach Rücksprache sich und Schulte im Gästezimmer, im Sprachgebrauch
der Danuben "Leichenkammer" genannt, ein. Am nächsten Tag planten
beide gemeinsam mit Mehr beim Essen im "Wienerwald" das weitere Vorgehen.
Der Lüdenscheider NPDler Marc Miekeley fuhr Schulte später zurück
ins Sauerland. Dort hielt dieser sich kurze Zeit auf und wurde dann vom "Kameradschaftsführer"
der "Ruhrpottkameradschaft Dortmund/Witten", Carsten Köppe ins
niederländische Arnheim gefahren, wo er von befreundeten Aktivisten der
"Nederlandse Volks Unie" (NVU) übernommen wurde.
Wie es nicht anders zu erwarten war, distanzieren sich nun diverse Studentenverbindungen,
darunter auch DB-Burschenschaften von den Ereignissen auf dem Danubenhaus. "Mit
Entsetzen haben die unterzeichnenden Münchner Burschenschaften von den
gegen die Burschenschaft Danubia erhobenen Vorwürfen erfahren", heißt
es in einer Presseerklärung, die von vier Münchener Burschenschaften
unterzeichnet wurde. Andere bevorzugen es laut SZ offensichtlich, den "aufrechten
Gang" beizubehalten und ihren "Bundesbrüdern" treu zu bleiben:
Sie haben sich Bedenkzeit erbeten oder gar eine Distanzierung explizit abgelehnt.
Auch die an der Heinrich-Heine-Universität aktive Düsseldorfer DB-Burschenschaft
"Rhenania-Salingia" hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert.
Aber selbst wenn sie sich von der extremen Rechten distanzieren sollte, dürfte
dieses nicht mehr als ein Lippenbekenntnis sein. Hochkarätige Referenten
aus der extremen Rechten und deren Umfeld geben sich auf dem Rhenanenhaus in
der Reichsstr. 21 schon seit langem die Klinke in die Hand. Erst am 13. Juni
durfte der Düsseldorfer Rechtsanwalt Hajo Herrmann zum Thema "Der
Weg in den WK II" referieren. Man kann davon ausgehen, daß Herrmann
einmal mehr die Kriegsschuld Deutschlands vehement abgestritten hat. Herrmann
war während des Zweiten Weltkrieges hochdekorierter Jagd- und Kampfflieger,
Offizier der Luftwaffe und ein enger Vertrauter Hermann Görings. Nachdem
er 1955 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, begann
er ein Jura-Studium und ließ sich danach als Rechtsanwalt in Düsseldorf
nieder. Herrmann entwickelte' sich zu einen der bekanntesten Strafverteidiger
der den Holocaust leugnenden Geschichtsrevisionisten. Er verteidigte unter anderen
den US-amerikanischen "Gaskammerexperten" Fred Leuchter. Im Mai 1991
gab Herrmann ein Gutachten "über die angeblichen Vergasungen von Menschen
während des Krieges in den Konzentrationslagern Auschwitz 1+2" in
Auftrag. Ebenso wie das von ihm in Auftrag gegebene "Rudolf-Gutachten"
über "die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanid-Verbindungen in den
Gaskammern' von Auschwitz" kam dieses pseudowissenschaftliche Gutachten
zu dem gewünschten Ergebnis, daß es keine Vergasungen in Auschwitz
gegeben hätte. Es ist kaum anzunehmen, daß den schwarz-braunen Rhenanen
diese Hintergründe nicht bekannt waren.
(pb)
| www.terz.org - 04.07.2001 |