anti-kriegstag
Einige junge Menschen haben sich am Samstag, den 01. Juni 2002, aus Anlass der
bundesweiten Anti-Kriegstage "Krieg ist Frieden" unter der Parole
"Dem Dauer-[Kriegs]-Zustand in den Rücken fallen", in Düsseldorf
zu einem anti-militaristischen Stadtrundgang getroffen.
Sie gingen fünf Stationen in der Innenstadt ab und versuchten dabei, die
verschiedenen Ebenen von Militarisierung zu verdeutlichen. Vor der Rheinisch-Westfälischen
Börse zu Düsseldorf stellte man z.B. die ökonomischen Ursachen
für die Entstehungen von Kriegen im allgemeinen und für den sogenannten
"Krieg gegen den Terror" im besonderen heraus.
Am Justizministerium wurde verdeutlicht, welche militärpolitische Rolle
sowohl Wehr- als auch Zivildienst in der Bundesrepublik spielen und welche Möglichkeiten
bestehen, sich diesem kreativ zu entziehen.
An der stadtbekannten Kasernenstrasse, an der ehemals das preussische Heer stationiert
war und seine Manöver durchführte, wurde die miltärpolitische
Bedeutung des Truppenstandortes Düsseldorf von der Geschichte bis in die
Gegenwart erläutert und eine symbolische Straßenumbennung vorgenommen.
Somit hieß für einige Stunden eine der meist befahrenen Strassen
in der Innenstadt "Strasse des Deserteurs".
Wie inzwischen zu vernehmen war, soll zeitnah zu diesem anti-militaristischen
Stadtrundgang das Landesbüro von Bündnis 90/Die Grünen mit Plakaten
des von einem Farb-Ei getroffenen Aussenministers und Kriegshetzers Joseph Fischer
versehen worden sein. Eine unbestimmte Menge ebenso roter Farbe soll auch noch
den Eingangsbereich des Landesbüros verschönert haben.
Insgesamt war die bundesweite Beteiligung eher mässig. Weitere Berichte
aus anderen Städten und wer und was die "koordination - krieg ist
frieden!" ist und will finden sich unter:
http://www.indymedia.de/2002/05/23385.shtml
aus alt mach neu
Wie berichtet wird das Rheinstadion abgerissen. Die Abrißarbeiten sollen
schon im Juli beginnen. Für im Moment 218 Millionen Euro soll ein neues
Stadion entstehen. Die Betonung liegt auf soll. Denn klar ist noch lange nichts,
trotz der medienwirksamen Unterzeichnung der Verträge im alten Rheinstadion.
Eine große Feier sollte am Eröffnungstag der Fussball WM in Südkorea
im Rheinstadion stattfinden, doch neben den geladenen Gästen fanden sich
nur wenige Schaulustige bei dem 60.000 Euro Spektakel ein. Noch am Vormittag
hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf einen Eilantrag des PDS-Ratsherrn
Frank Laubenburg gegen die Unterzeichnung der Bauverträge wegen des Ausstiegs
von Hochtief und des US-Vermarkters SMG abgelehnt. Laubenburg wollte eine neue
Abstimmung des Rates über den Bau der Arena. Diesem Wunsch kam OB Erwin
auch nach. Er bestellte die SPD-Bürgermeisterin ein. Zu zweit beschlossen
sie eine Dringlichkeitssitzung des Rates und stellten die Rechtmäßigkeit
mit ihrer Anwesenheit fest und in einer Art großen Koalition beschlossen
sie, die Verträge abzusegnen. Ein Vorgang, der rechtlich abgesegnet ist,
aber nur noch etwas von einer demokratischen Farce an sich hat.
Nach einigen Aussagen hinter vorgehaltener Hand wird deutlich, dass die Finanzierung
noch lange nicht steht. Hochtief, dem größten Bauträger, war
das finanzielle Risiko zu hoch. Die verbliebene Walter Bau hat für das
Jahr 2001, ein Rekordminus von 230 Millionen gemeldet. Ob es damit bei dem städtischen
Zuschuß von 63 Millionen Euro bleiben kann, bleibt abzuwarten. Und dann
kommen noch die laufenden Kosten dazu.
wm zahlt sich aus - auch für den kleinen mann?
Selbst unseren notorischen Antinationalisten in der Redaktionsstube der TERZ
entdeckte man vor dem Fernseher. Die deutsche Mannschaft spielte gegen die Saudis
und schoss ein Tor nach dem anderen. Und - man mag es kaum glauben - derjenige,
der ansonsten immer nur böse Worte für die - wie er sagte - CSpielwiese
des Nationalismus" übrig hatte, bejubelte ein Tor mehr als das andere.
Natürlich stellten wir unseren Genossen sofort zur Rede, weil wir einen
plötzlichen Gesinnungswandel befürchteten. Die Erklärung war
erstaunlich: Die Drogeriekette kd hatte versprochen, für jedes deutsche
Tor einen Preisnachlass von 5 Prozent auf Adidas-Produkte zu gewähren.
Auf satte 40 Prozent addierte sich die Offerte.
Das habe es ja noch nie gegeben, meinte der wackere Kommunist in unseren Reihen.
Normalerweise seien Begeisterung für die nationale Sache immer gepaart
mit Verzicht. Nun ein hoffnungsfroher Beginn einer Wende?
Leider, gab unser Antinationalist zu Bedenken, sei das wohl ein übler Ausrutscher
der geldgeilen Kapitalisten gewesen, um auf billige Art und Weise Kundenfang
zu treiben. In der Regel zahle sich der Nationalismus eben nicht aus. Und darum
verzichte er auch in Zukunft auf die emotionale Teilnahme an Projekten der moralischen
Aufrüstung.
zwangsarbeit in düsseldorf
Aus den Augen, aus dem Sinn. Viele Firmen, die in der Nazizeit ZwangsarbeiterInnen
ausbeuteten, haben sich erfolgreich dem freiwilligen Beitritt in die ZwangsarbeiterInnenstiftung
entzogen. Kritik an der Stiftung gab und gibt es genug, auch die Gründe
die zum Beitritt führten sind unterschiedlich. Auch die Kommunen beschäftigten
ZwangsarbeiterInnen. Doch fast alle weigerten sich, in die Stiftung zu zahlen
und verweigern den Opfern immer noch die Anerkennung. Auch die Stadt Düsseldorf
widersetzte sich. Als neue umfangreiche Akten aufgetauchten, weigerte sich das
Stadtarchiv Düsseldorf diese Akten zur Einsicht freizugeben und die Möglichkeit
zu eröffnen die beteiligten Firmen herauszufinden. Großspurig wurde
eine umfangreiche Forschungsarbeit zum Thema "Zwangsarbeit in Düsseldorf"
angekündigt, die zum mehrfach verschobenen Termin 21. Juni immer noch nicht
erschienen ist. Das ist um so schlimmer da von dieser Forschung eventuell auch
Ansprüche von ehemaligen ZwangsarbeiterInnen abgeleitet werden könnten.
Bis zum 23. Januar 2002 sind insgesamt 1.238 Anfragen ehemaliger ZwangsarbeiterInnen
bei der Stadtverwaltung eingegangen. Nur 611 Anfragen konnten qualifiziert beantwortet
werden.
frauenüberschuss
Ist doch immer wieder interessant, was das jährliche statistische Jahrbuch
der Stadt hergibt. Demnach leben 29.000 mehr Frauen als Männer in der Stadt.
Einige haben es immer noch nicht gelernt, so konnten 3.087 Eheschließungen
vermerkt werden. Ein leichter Anstieg, dem ein leichter Fall der Scheidungen
(1.496) gegenüber stehen. Die Zahl der Einbürgerungen ist von 2.559
auf 3.195 gestiegen. Alle Zahlen gelten für das Jahr 2000.
freispruch ist kein freispruch
Wie schon des öfteren in letzter Zeit werden sexuelle Vergehen als Türöffner
zur Verschärfung von Gesetzen genutzt. Bekanntestes Beispiel ist die Speicherung
von genetischem Material durch den sogenannten Speicheltest. Bundesweit aufgebauschte
Sexualstraftaten an Kindern waren der Anlaß, dieses Gen-Screening einzuführen,
dem nun immer mehr Vergehen unterworfen werden.
Jetzt stellte der Bundesgerichtshof fest, daß es rechtens sei, Daten eines
vom sexuellen Missbrauchs Freigesprochenen weiter zu speichern. Neu ist das
zwar nicht unbedingt, wer glaubt schon, dass die Behörden einmal gespeicherte
Daten wieder löscht, eine richterliche Absegnung ist jedoch neu. Ein weiteres
Beispiel für die neue Datenwut.
farbeier auf dem weg nach karlsruhe
Am 13. Mai 1999 ging es in Bielefeld hoch her. Während die Grünen
die Kriegspolitik in Kosovo absegneten, versuchten etwa 1.000 DemonstrantInnen,
den Delegierten dazu ihre Meinung zu sagen. In der Halle traf ein Farbbeutel
Außenminister Fischer. Gut gezielt hatte Samira F.. Gegen die Verurteilung
zieht sie nun vor das Bundesverfassungsgericht. Vielleicht steht die grüne
Kriegspolitik also doch noch vor Gericht.
ausverkauf
Das Land NRW plant seine Beteiligung an der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG)
demnächst zu veräußern. Betroffen sind insgesamt etwa 300.000
MieterInnen, die in 110.000 LEG Wohnungen, davon 3.000 Wohnungen in Düsseldorf,
leben. Das Land hält 68 % Anteile an der LEG. Weitere 22 % gehören
der landeseigenen Westdeutschen Landesbank (WestLB). Gerechnet wird mit einem
Verkaufserlös von 250 -300 Millionen Euro, die dem stark angeschlagenen
Landeshaushalt zugute kommen sollen. Was diese Privatisierung für die MieterInnen
bedeutet, kann man bei anderen Wohnungsverkäufen beobachten: Steigende
Mieten, sinkende Ausgaben für Sanierung und Modernisierung, Umwandlung
von Miet- in Eigentumswohnungen und letztendlich die Vertreibung der MieterInnen.
Öffentlich gefördert sind von den LEG Wohnungen 85 %. Es ist zu befürchten,
daß der zukünftige Käufer sich der sozialen Bindung der 93.000
Wohnungen entledigen wird. Das hieße, dass jede sechste in NRW noch existierende
Sozialwohnung bedroht ist.
europa schottet sich ab
Die CDU muss erst gar nicht das Thema Einwanderung im Wahlkampf aufgreifen.
Die rot/grüne Bundesregierung macht es schon selber. Beim EU-Treffen in
Sevilla war dies Hauptthema. Spanien schlug vor, die Entwicklungshilfe an die
Unterwerfung der Länder zu koppeln, aus denen bzw. über die MigrantInnen
in die EU kommen. Nur aufgrund des Druckes von besonders Schweden und Frankreich
kam es vorläufig nicht dazu. Andere Konsequenzen behält sich die EU
weiter vor. Deutschland war mit dem Vorschlag der Kopplung einverstanden. Außenminister
Fischer erklärte, dass er damit leben könnte. Im Gegensatz zu denjenigen,
die jetzt schon ungezählt an den Außengrenzen der EU sterben müssen.
es wird eng
Nun hat auch der Bundesrechnungshof dem geplanten Metrorapid schwer zugesetzt.
Er pflückte die Machbarkeitsstudie auseinander, bemängelte unter anderem
falsche Berechnungen und Berechnungsmethoden. Die angebliche Wirtschaftlichkeit
des Metrorapid sei nicht gegeben und sei nicht realisierungswürdig. Nichtsdestotrotz
hält NRW Ministerpräsident Clement an dem Projekt fest. Auch die Widerstände
der CDU halten sich in Grenzen. Während auf lokaler Ebene die CDU-Bürgermeister
in der Regel den Transrapid ablehnen, taucht die Bundespartei unter. Schließlich
hält auch der Kanzlerkandidat Stoiber an seinem Prestigeobjekt des Transrapid
in München fest.
wahlkampf
Die Saison fängt wieder an. Alle wollen sie Düsseldorf die Ehre erweisen.
Den Anfang macht Stoiber. Feige wie er ist, traut er sich nicht dem heimischen
Gemüse zu trotzen und verzieht sich am 1. September in eine Messehalle.
Drei Tage später gibt es jedoch Gelegenheit, die Wurffähigkeiten zu
testen, wenn Schröder am Rathausplatz sich die Ehre gibt. Und dann kommt
zum krönenden Abschluss am 10. September noch Kriegsminister Fischer und
hält seinen Kopf hin. Wahrscheinlich in den Rheinterrassen. Ein spannender
Monat. Ach ja, Wahlen ändern übrigens nichts.
schwulenverfolgung belohnt
"Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, daß ich bei Strafverfahren
nach §175 mitgewirkt habe, sofern sie in meine Zuständigkeit fielen,
weil ich davon ausgehe, das war ein Gesetz, und solange das Gesetz in Kraft
ist, muß man es respektieren." So äußerte sich Manfred
Bruns, mittlerweile pensionierter Bundesanwalt am Bundesgerichtshof in Karlsruhe,
wiederholt. Dieser Mann soll von der in Düsseldorf ansässigen Deutschen
Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, DGSS, die "Magnus-Hirschfeld-Medaille"
für besondere Verdienste um Sexualwissenschaft und um Sexualreform erhalten.
Was die eigentlich ansonsten recht rührige DGSS dabei geritten hat, bleibt
ihr Geheimnis. Besondere Verdienste hat sich Bruns schließlich um die
staatliche Schwulenverfolgung der 50er und 60er Jahre erworben.
auf zum antirassistischen sommer!
Vom 12. bis zum 19. Juli 2002 findet in Jena/ Thüringen das 5. antirassistische
Grenzcamp statt. Wir werden Jena eine Woche lang mit unserem Besuch beehren,
um zum nunmehr fünften Mal theoretisch wie praktisch rassistische Verhältnisse
anzugreifen. Konfrontative Aktionen, Diskussionen über Perspektiven antirassistischer
und linksradikaler Politik, Auseinandersetzungen um verschiedene Lebensrealitäten,
ihren Verbindungen mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und schließlich
die gemeinsame Organisierung des Camp-Alltags stehen auf dem Programm. "Reclaim
the Highway" wird es dann im Anschluss an das Camp heißen, wenn sich
ein Konvoi auf den Weg von Jena nach Strasbourg zum internationalen noborder-Camp
macht.
Neben dem Camp in Jena haben alle interessierten Menschen die Gelegenheit, sich
an weiteren linksradikalen Events zu beteiligen:
RECLAIM THE HIGHWAY :
Konvoi/Karawane von Jena nach Strasbourg mit stop-over Frankfurt-Airport nach
dem Ende des Camps in Jena.
NOBORBER-CAMP :
vom 19.-28.Juli findet in Strassbourg ein internationales Camp des europaweiten
noborder-Netzwerkes statt. Es zielt auf ein sich zunehmend vereinheitlichendes
europaweites Grenzregime mit seinem Schengen-Informations-System, dessen Sitz
sich in Strasbourg befindet.
SUMMERCAMP:
(hervorgegangen aus der cross-over-conference): voraussichtlich vom 03.-11.August
in der Nähe von Cottbus. Bislang geplante thematische Schwerpunkte sind
Gender/ Migration/ Arbeit, Grenzprostitution/Sexarbeit und Biotechnologie.
LAND-IN-SICHT-TAGE :
in Hamburg soll ab dem 16.08. ein Camp stattfinden, das sich den Themen Innere
Sicherheit, Rechtspopulismus, Autoritäre Formierung und damit verbunden
rassistischen und sexistischen Strukturen widmet.
KARAWANE TOUR 2002 :
Unter dem Motto: "Asylrecht ist Menschenrecht" und "Wir sind
hier, weil Ihr unsere Länder zerstört" wird dieses Jahr wieder
eine Karawane zur Verteidigung der Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen
stattfinden. Am 17.08.beginnt die Karawane mit Innenstadtaktionen in Oldenburg;
weitere Stationen werden u.a.Bramsche (Ausreisezentrum),Bremen und Hamburg sein,
und am 21.September endet sie in Berlin.
Weitere Infos unter: http://www.nadir.org/camp02
www.terz.org - 24.6.2002