Studiengebühren - das Ende des gesellschaftlichen Rechts auf Bildung
Geht es nach der rot-grünen Landesregierung, sollen ab dem Sommersemester
2003 Studiengebühren an allen nordrhein-westfälischen Hochschulen
eingeführt werden. Egal ob sie als Verwaltungsgebühren oder als Studienkonten
daherkommen, Studiengebühren dienen vor allem dem marktgerechten Umbau
des Bildungssystems. Der Prozess der neoliberalen Umstrukturierung der Hochschulen,
Privatisierung von Bildung, Verschärfung des Konkurrenzprinzips und eben
Studiengebühren - zielt darauf ab, Bildung vollständig den Marktgesetzen
zu unterwerfen.
Bildung als Ware
Studiengebühren sind das zentrale Instrument zur endgültigen Durchsetzung
kapitalistischer Strukturen im Bildungssystem. Bildung ist nicht mehr ein gesellschaftlich
verankertes Recht, sondern wird zur Dienstleistung, für die jede und jeder
Einzelne im "eigenen Interesse" teuer investieren muss, sofern sie/er
es sich überhaupt noch leisten kann. Wer sich dem steigenden Zeit- und
Leistungsdruck nicht beugen will oder vom akademischen oder beruflichen Mainstream
abweicht, wird mit höheren Studiengebühren bestraft und damit auf
kürzere oder längere Sicht vom Bildungssystem ganz ausgeschlossen.
Gegen die Elitenbildung
Diese Umstrukturierung verschärft die im Kapitalismus angelegte, soziale
Ungleichheit! Kinder aus sozial nicht-privilegierten Klassen hatten schon immer
schlechtere Chancen im Bildungssystem. Der Anteil von ArbeiterInnenkindern unter
den Studierenden war schon immer äußerst gering (1997: 13,6%) und
wird sich durch Studiengebühren noch weiter verringern. Wer keine wohlhabenden
Eltern hat und auf Lohnarbeit zur Finanzierung des Studiums angewiesen ist,
wird ausgeschlossen. Die Pläne der rot-grünen Landesregierung verschärfen
soziale Ungleichheit und lassen Bildung zu einem Privileg werden, dass sich
immer weniger Menschen leisten können. Leere Kassen für Bildung -
volle Kassen für Unternehmer Wie so oft, wenn Sozialleistungen gekürzt
werden sollen, spielt auch bei den aktuellen "Reformplänen" von
Rot-Grün der "Zwang zum Sparen" eine große Rolle. 90 Millionen
Euro sollen im Bildungsbereich eingespart werden, um die Kassen des Finanzministeriums
zu füllen. Dieser vermeintliche Sachzwang ist jedoch kein realer: Während
Unternehmensgewinne immer geringer besteuert werden, Milliarden Euro für
Rüstung und Kriegsführung der BRD sowie den gigantischen Ausbau des
Überwachungsstaates (wie Rasterfahndung und Videoüberwachung, Aufstockung
der Geheimdienste und Polizei) verpulvert werden, spart sich Rot-Grün lieber
die kostenlose Bildung für alle! Diese Politik, die die Reichen immer reicher
werden lässt und gleichzeitig immer mehr Menschen an den Rand der Gesellschaft
drängt, ist kein Zufall sondern ein politisches Kalkül.
"Wer nicht arbeitet, soll nicht essen!"
Ob sogenannte "LangzeitstudentInnen", SozialhilfeempfängerInnen
oder Arbeitslose - der staatliche Umgang mit allen, die ihre Arbeitskraft nicht
profitabel einsetzen können (oder wollen), zeigt einmal mehr, wie kapitalistische
Verwertungslogik funktioniert. Wer einmal erfolgreich als Faulenzer oder "Sozialschmarotzer"
stigmatisiert wird, wird von sozialen Leistungen ausgeschlossen. Horrende Strafgebühren
für "Langzeitstudis", Arbeitszwang und Leistungskürzungen
für Arbeitslose und SozialhilfempfängerInnen sind die repressive Kehrseite
der scheinbaren individuellen Freiheit des neoliberalen Staates. Um den sozialen
Druck auf alle zu erhöhen, soll es den "Überflüssigen"
(Arbeitslosen) und VerliererInnen des Konkurrenzkampfes schlecht gehen. Der
jüngste Ruf nach Ausgabe von Essensmarken für Arbeitslose zeigt, wohin
die Reise gehen soll. Mit der sozialen Drohkeule gegen Studierende dreht sich
diese Spirale munter weiter. Kapital-freundliche Umgestaltung der Arbeitswelt,
des Bildungssystems und Sozialabbau sind verschiedene Seiten des gleichen Problems:
der kapitalistischen Gesellschaftsform.
Es geht ums Ganze! Darum kann unser Protest gegen die Studiengebühren langfristig
nur dann erfolgreich sein, wenn wir erkennen, dass die neoliberale Umstrukturierung
des Bildungswesen nur EINE Erscheinungsform im globalisierten Kapitalismus ist.
Die kapitalistische Verwertungslogik angreifen! Bildung und gleiche soziale
Rechte für alle! Studiengebühren verhindern! Fight Capitalism !
www.terz.org - 24.6.2002