"Schwarze Sheriffs mit Waffen", titelte der EXPRESS Ende Mai und
bezog sich dabei auf führende Lokalpolitiker, die laut über eine Bewaffnung
des OSD mit Schusswaffen, Schlagstöcken und Pfefferspray nachdachten. Auslöser
der Diskussion war der einwöchige Besuch von Mitarbeitern des Ordnungsdienstes
aus Frankfurt am Main in der Landeshauptstadt. Die dortigen Mitarbeiter des
Ordnungsamtes haben nämlich nicht nur oben erwähnte Waffen, sondern
auch Uniformen, die denen der Polizei täuschend ähnlich sehen. Hans-Otto
Christiansen (SPD) war ganz begeistert: "Mit denen legt man sich besser
nicht an." Und OB Erwin forderte gleich eine kommunale Polizei.
Der Initiativkreis Armut, ein Zusammenschluss verschiedener Einrichtungen der
Wohnungslosenhilfe, befürchtet hingegen in einem offenen Brief, dass sich
die Spannungen zwischen der Szene der Wohnungslosen und Suchtkranken und den
Mitarbeitern des OSD auf der Straße weiter verschärfen werden. Der
OSD will von einer kommenden Bewaffnung seiner Mitarbeiter nichts gewusst haben.
Der Chef aller OSDler, Körber, sagte telefonisch zu einer Sozialarbeiterin
der Armenküche, er wüsste nichts von einer Bewaffnung und seine Untergebenen
würden auch keine waffenähnlichen Gegenstände mit sich führen.
Michael Tauscher, Mitarbeiter des Ordnungsdienstes, gab hingegen in einem WDR-Fernsehbeitrag
zu: "... und wir haben Reizstoffsprühgeräte." Auch seinen
Kollegen Albrecht triff man in der Altstadt mit einem extra großen Reizstoffsprühgerät
an seinem Hosengurt an.
"Du störst das Stadtbild!"
Helmut K. (Name geändert) sitzt allein auf einer Bank am Burgplatz, als
zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes auftauchen und ihn mit den Worten "Du
störst das Stadtbild" des Platzes verweisen. Auf welchen Paragraphen
der Düsseldorfer Straßenordnung sich die beiden bei dieser Maßnahme
bezogen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Überhaupt hat der rüde Umgang
des OSD mit Wohnungslosen und Suchtkranken in den letzten Monaten an Schärfe
gewonnen. Seit der Schließung des Buscafes Untere Rheinwerft, eine auf
den Winter befristete provisorische Tagesstätte für Obdachlose, und
der Eröffnung des neuen OSD-Büros am Burgplatz Ende März/Anfang
April reißen die Beschwerden von Wohnungslosen über die Vertreibungsmaßnahmen
nicht ab.
Szenen aus dem Alltag der Vertreibungen:
Der OSD macht Alkoholkontrollen bei augenscheinlich wohnungslosen Menschen,
die weder mit dem Fahrrad unterwegs sind noch mit dem Auto. Sechs Ordnungshüter
und vier Polizeibeamte umstellen eine Bank, auf der zwei alkoholisierte Wohnungslose
sitzen. Ziel dieser völlig überzogenen Aktion ist die Durchsetzung
eines Platzverweises. Zwei OSDler treffen auf eine Gruppe von Wohnungslosen/Suchtkranken
vor der Armenküche. Die Gruppe soll sich auflösen, weil sie angeblich
den Gehweg blockieren. Als ein Obdachloser schimpft, dass es das dritte Mal
an diesem Tag sei, dass er verscheucht wird, ziehen die beiden Ordnungshüter
Handschuhe an und wollen ihn in Polizeigewahrsam bringen. Streetworkern in der
Altstadt wird mehrmals telefonisch und auf der Straße von Mitarbeitern
des OSD gedroht, sollten sie sich in Maßnahmen des Ordnungsamtes einmischen,
hätten sie mit einer polizeilichen Anzeige zu rechnen.
Obdachloser verklagt OSD
Willfried Hoffmann lebt seit zwanzig Jahren auf der Straße und hatte in
den letzten Wochen mehrere einprägsame Begegnungen mit dem OSD. Einmal
sollte er sich einem Alkoholtest unterziehen. Als er sich mit der Begründung,
er sei eh Alkoholiker, weigerte, wurden die Ordnungshüter handgreiflich,
legten ihm Handschellen an und brachten ihn in Polizeigewahrsam (PG). Ein anderes
Mal zerschlägt ein Bekannter von ihm ein Flasche am Rathausplatz. Den auf
den Plan gerufenen OSDlern erklärte er, er habe mit der Sache nichts zu
tun. Trotzdem wurde er im Handschellen in PG gebracht. Bei der Festnahme wurde
Willfried Hoffmann verletzt, er hatte mehrere Hämatome am Handgelenk und
konnte tagelang seinen Daumen nicht spüren. Mit Hilfe von fiftyfifty hat
er jetzt einen Anwalt eingeschaltet und Anzeige wegen Körperverletzung
und Freiheitsberaubung gegen den OSD gestellt.
"Dann kommt das ganze Ungeziefer in meine Gasse"
Zusätzlich angeheizt wird die Stimmung in der Altstadt durch Äußerungen
von Anwohnern und Geschäftsleuten. Auf einer Versammlung von Anwohnern
der Andreasstraße und Hunsrückenstraße wird die Armenküche,
die täglich 120 Menschen mit Essen versorgt, verantwortlich für die
Existenz von Wohnungslosen und Suchtkranken in der Altstadt gemacht. Ganz nach
der schrägen Logik, nur wo es Hilfeeinrichtungen gibt, gibt es auch Bedürftige.
Besonders hervorgetan hat sich Primo Lopez, Geschäftsinhaber von 14 spanischen
Restaurants u.a. in der Schneider-Wibbel-Gasse. Mitte Mai sorgte er für
einen Artikel mit der Überschrift "Aggressive Bettler raus aus der
Altstadt" in der Bild-Zeitung und meinte damit fiftyfifty-Verkäufer,
die vor seinen Lokalen das Straßenmagazin verkaufen. Bei einem Gespräch
mit Mitarbeitern von fiftyfifty und aXept-Sozialberatung, ließ Herr Lopez
seinen Ansichten überWohnungslose freien Lauf, was in der Aussage "Dann
kommt das ganze Ungeziefer in meine Gasse" einen seiner Höhepunkte
fand.
Wer glaubt, soziale Missstände weiterhin mit repressiver Sozialpolitik
beheben zu können, wird auch in Zukunft einen schlagkräftigen OSD
brauchen. Die vier Millionen Euro Jahresetat für den Ordnungsdienst könnten
natürlich auch in sinnvolle Projekte gesteckt werden, wie z.B. eine Obdachlosentagesstätte
in der Altstadt oder die Einrichtung von Druckräumen. Und wenn erst das
Arbeitslosengeld wegfällt und der Sozialhilfe angeglichen wird, gibt es
mit Sicherheit neue Kundschaft für den Ordnungsdienst.
www.terz.org - 30.6.2003