comicNew Yorker Tagebuch
Lang hat es gedauert, bis man wieder
mal etwas Neues von der kanadischen Künstlerin Julie Doucet auf
deutsch lesen konnte. Sie beschreibt in ihrem Werk ihren
einjährigen Aufenthalt in New York Anfang der 90er Jahre.
Eigentlich ist man der autobiografischen Comics etwas
überdrüssig, wenn wiederholt belanglose Anekdoten und
Anekdötchen erzählt werden. Doucet Geschichten waren immer
schon etwas anders. Ihre gefühlvollen, oft auch bösartigen
und immer skurrilen Comics lassen einen so einfach nicht los. Man nimmt
regelrecht Anteil an ihrem Leben, an ihren Lieben, an ihren
Unsäglichkeiten und will immer mehr davon.
Aus Liebe verlässt sie Montreal und zieht zu ihrem Liebsten in New
York. Zwischen Alkohol- und Drogenexzessen, ihrer Arbeit an
Zeichnungen, ihren epileptischen Anfällen, neuen Bekanntschaften
und der riesigen Stadt gibt es nicht nur Probleme in Montreal, sondern
auch mit ihrer Beziehung. Und endet mit der Rückkehr. Doucet gibt
einen tiefen Einblick in ihr Seelenleben so, dass man zwischen Lachen
und Anteilsnahme hin- und herschwankt.
Immer wieder entdeckt man neue Details in ihren Zeichnungen. Die
eigenartig großen, kantigen Köpfe der Protagonisten sind nur
das auffälligste Merkmal des Comics. Einfach nur großartig.
MEIKEL F
New Yorker Tagebuch -
Julie Doucet; Reprodukt; 54 Seiten für EUR 10,00
comicTod eines Bankiers
Der Bankier Gubler erfährt, dass
er todkrank ist. Um sein Züricher Bankhaus vor dem Bankrott zu
retten , lässt er sich ein perfides Spiel um seinen Tod einfallen.
Seinen beiden Söhnen stellt er die Aufgabe, seinen Tod
möglichst gewinnträchtig zu vermarkten. Derjenige, dessen
Strategie besser ist, wird dann sein Nachfolger. Es beginnt ein Kampf
auf Leben und Tod, in dem auch militante Globalisierungsgegner eine
wichtige Rolle spielen sollen. Aber natürlich verläuft nicht
alles nach Plan, und am Ende bleiben einige Überraschte
übrig, denn es zeigt sich, das von Anfang an ein ganz anderes
Spiel gespielt wird.
Matthias Gnehm hat ein spannenden Krimi abgeliefert, mit einigen
überraschenden Wendungen. Neben der grotesken Geschichte
gefällt die grafische Umsetzung, die einen ganz eigenwilligen Stil
ausweist. Die meist trostlosen, etwas erstarrten Gesichter geben der
ganzen Geschichte einen intensiven touch. Die futuristische Vision
einer Finanzmetropole hat in Zürich sogar eine städtebauliche
Diskussion ausgelöst. Und da sage noch einer, Comics bewegen
nichts.
MEIKEL F
Tod eines Bankiers -
Matthias Gnehm ; Edition Moderne, 48 farbige S. für EUR 17,50
www.terz.org - 30.6.2004