Hans
Füsser – ein brauner Karikaturist
Die Stadtbücherei Rath zeigt im Juni die Ausstellung ”Typisch
Düsseldorf, Hans Füsser, Karikaturist mit Herz und Verstand”.
H. J. Bongartz von der Rheinischen Post zeichnete für die
Gestaltung der Ausstellung und den Prospekt verantwortlich, das Ganze
im Namen der ”Stadtbüchereien Landeshauptstadt Düsseldorf”
sowie der Stadtsparkasse Düsseldorf.
Über Hans Füsser trifft H. J. Bongartz die folgenden
Ausssagen: “Füsser übte … keine Sozialkritik, auch wenn er
gelegentlich die Dinge ‚auf den Punkt‘ brachte. Seine Figuren sind …
sehr menschlich, … komisch, doch niemals bösartig.” Die
Karikaturen waren größtenteils der “Düsseldorfer
Wochenschau” entnommen, “einer bis in die Kriegszeit recht bekannten
und beliebten Illustrierten, die im Girardet-Verlag erschien.”
Bei Betrachtung einer Tafel der wirklich gut gemachten Zeichnungen
geriet man plötzlich ins Stocken: Dargestellt waren u.a.
Karikaturen unter dem Motto »Der Angeber«,
“überzeichnete Typen … aus dem Alltag gegriffen”, wie H. J.
Bongartz den Stil von Hans Füsser charakterisiert. Die Zeichnung
unten rechts aus dem Jahre 1940 stellt den “Angeber W. C.” dar, der vor
einem Potemkinschen Dorf der internationalen Presse erklärt, dass
die “deutschen Flieger” ihre Ziele, in England Zerstörung
anzurichten, nicht erreicht hätten, während man im Gegensatz
dazu im Hintergrund die zerstörten Häuser sehen konnte. W. C.
ist ganz offensichtlich die herabwürdigende Bezeichnung für
Winston Churchill mit Zigarre und Hut. Die verharmlosende Bezeichnung
“Flieger” für Bomber ist nur eins, was man an dieser
offensichtlichen nationalsozialistischen Kriegspropaganda kritisieren
muss.
Dieses Beispiel war leider nicht das Einzige. Die Engländer (der
Hauptkriegsgegner 1940) werden auf verschiedenen Karikaturen als
schlappe Kriegsgegner und schlechte Soldaten lächerlich gemacht,
die von den tapferen deutschen Soldaten in die Flucht geschlagen
werden. (Was ja nur heißen kann, das Hans Füsser deutsche
Soldaten also besser zum Morden geeignet hielt.)
Von den Nazis dazu gezwungen worden ist Füsser wohl auch nicht. Es
gab nämlich auch ein Tableau (etwa im DIN-A3-Format), auf dem eine
Germania zu sehen war, die auf das symbolische deutsche Haus zeigt, in
dessen aufgeschnittenem Inneren sich auf allen Etagen die
(Miet-)Parteien über die Richtung streiten. Sowohl von einigen der
Mieter als auch von der Germania kommt der Ruf nach dem “Starken Mann”,
wo bei der Beitrag der Germania groß sichtbar als Unterzeile das
Plakat illustriert. Diese Zeichnung stammt von 1930, drei Jahre vor
Hitlers Machtantritt.
Sämtliche erwähnte Zeichnungen waren völlig
unkommentiert zu sehen.
In einer Vitrine konnte man zwei Ausgaben der Zeitschrift
“Düsseldorfer Wochenschau” sehen, eine von 1941 mit einem alten,
einem Alp-Bauern ähnlichen Mann mit weißem Bart, der die
Hände faltete. Am linken Rand der Zeitschrift war in fetter
Schrift zu lesen: ‚Nach gewonnener Schlacht‘, wobei das Wort ‚Schlacht’
halb verdeckt war von einem kopierten Blatt mit Karikaturen aus dem
Inneren der Zeitschrift. Man konnte also nicht lesen, ob da noch etwas
drauf stand. Zufall oder Absicht?
Dieses ist wohl der neue Umgang mit der Nazi-Vergangenheit, wie er
jetzt von Schröder und Fischer propagiert wird. Die Ausstellung
wurde übrigens verlängert, sie hatte offenbar guten Zuspruch
gefunden!
www.terz.org - 30.6.2004