Lausige Zeiten
eiszeit
Düsseldorf hat seit 13. Juni sein “Day After Tomorrow”. Die CDU
erhielt bei der EU Wahl in dieser Stadt mit ihrer frostigen Politik
gegen alles Menschliche 41,8 Prozent. Das sind zwar 1,3 Prozent weniger
als 1999. Aber wer aus Frost, Pardon Frust diese Partei wählte,
wird noch erleben, welche Eiseskälte dadurch entsteht. Nicht
eiskalte, sondern bereits hochgradig abgefrorene Füße bekam
die SPD. Sie sackte von 34,1 Prozent 1999 auf jetzt 23 Prozent. Da
hilft auch bekanntermaßen kein auf der Stelle treten. Wer den
eisigen Wind des Sozialraubes ohne Widerspruch aus Berlin
übernimmt, darf sich nicht wundern, wenn demnächst noch
andere Körperteile absterben. Nicht erst seit der Agenda 2010 gibt
es Anzeichen, dass davon auch der Kopf betroffen ist. Zählt man
das konservative rechte Lager CDUFDPREPNPD zusammen, wählten 53
Prozent (89494 Düsseldorfer) lausige Zeiten. Eine Zahl, die nicht
nur zum frösteln führt, wären da nicht auch die REP's
mit ihren 1,6 Prozent dabei.
Heizen gegen diese Eiseskälte tun nur die Linken. Die PDS bekam
2,3 und die DKP 0,2 Prozent. Gute Voraussetzungen für die
Kommunalwahl im September und Einzug in den Rat in
Fraktionsstärke. Denn Erwin und seine Truppe braucht “Feuer unterm
Hintern.” Dies zeigte die letzte Ratssitzung erneut. Statt Sozial-,
Wohnungsbau- oder Schulpolitik für die Menschen: Stundenlange
Diskussionen über die Verstärkung der Polizei und des OSD,
Videokameras an möglichst vielen Straßen und Plätzen
(mehr dazu auf Seite 10/11).
H.S.
kirche und kapital
Der katholische Sozial-Ethiker Prof. Friedhelm Hengsbach korrigierte in
einem Interview der RP vom 18. Juni einige irrige Auffassungen
innerhalb der gläubigen Bevölkerung über die Bedeutung
der christlichen Moral: “Von einem Unternehmer, der auf dem Markt keine
großen Handlungsspielräume hat, kann man nicht erwarten,
dass er Löhne zahlt, die alle seine Konkurrenten nicht zahlen,
dass er ausschließlich umweltfreundliche Produkte herstellt oder
dass er Frauen einstellt, obwohl er genau weiß, dass nur die
Hälfte von ihnen erwerbswirtschaftlich verfügbar sein wird.
Also: Überfordern darf man mit moralischen Vorstellungen keinen
Unternehmer. … Wenn er den Beschäftigungsstand aufgrund der
Marktsituation nicht halten kann, muss er – so verantwortlich wie eben
möglich – auch Leute entlassen.” Credo in unum deum et in die
Marktwirtschaft!
wieder ein toter
Der Todesknast “Ulmer Höh” hat wieder ein neues Opfer. Ein
43-Jähriger erhängte sich Anfang Juni in seiner Zelle.
Für die Justizvoll¬zugsanstalt (welch ein Wortungetüm
für Knast) ist es wieder einmal völlig überraschend,
dass sich der kurz vor der Entlassung Stehende erhängt hat. 2003
hatten sich innerhalb eines halben Jahres sechs Häftlinge
umgebracht. Eine Untersuchungskommission hatte damals kein
Fehlverhalten der JVA feststellen können. Wie auch, ist es doch
eher das Knastsystem an sich, das in Frage steht. So ist auch nicht zu
erwarten, dass sich im geplanten neuen Knast (siehe Seite 14-17) die
Zustände ändern werden. Der 43-Jährige saß im
übrigen wegen Diebstahls ein, auch Aneignung genannt. Während
sich Weiße-Kragen-Kriminelle in Wirtschaft und Politik ungestraft
und im Einklang mit dem geltenden Recht schadlos halten können,
knastet man die kleinen Gauner ein. That´s
capitalism.
AS
hallengrößenwahn
Auf Teufel komm raus wird der Bau der neuen namenlosen Arena
vorangetrieben. Bis heute gibt es kein offen gelegtes Finanzkonzept,
wie sich die Halle überhaupt finanziell tragen soll. Da ist dann
viel von Planungen und Wunschträumen die Rede. Während so
ziemlich jede Großstadt in der Region ihre eigene Arena plant
bzw. baut, geht Düsseldorf noch einen Schritt weiter. Neben der
Arena für 218 Millionen Euro Minimum ist eine weitere
Großhalle mit 3.500 Zuschauer in Reisholz geplant. Im Rat
wurde nun auch noch ein neues multifunktionales (was sonst) Eisstadion
beschlossen, das bis 2006 an der Rather Theodorstraße gebaut
werden soll. Die Halle soll 11.500 Zuschauer fassen. Die Kosten werden
auf mindestens 70 Millionen Euro geschätzt, inklusive eines
Straßenbahnanschlusses. Selbst Veranstalter schütteln
über das Hallengebahren der Stadt nur den Kopf und warnen vor
einem Desaster, denn es gibt nichts, was die ganzen Hallen in der
Region füllen könnte.
gesundheitsreform: selbst ist die
frau!
“Mit einer Röntgenuntersuchung der Brust, der Mammografie,
können Knoten in einem Stadium erkannt werden, in dem sie noch
nicht zu ertasten sind”, so informiert uns eine Radiologische
Praxisgemeinschaft in München per Internet.
Da aber die Krankenkassen die Regeluntersuchung durch Mammographie aus
ihrem Leistungskatalog gestrichen haben, setzt man nun auf das
Tastgefühl der sensiblen Frau:

demonstrationsverschärfung
geplant
Mittlerweile ist das Versammlungsrecht reichlich eingeschränkt
worden. Selten findet eine Demonstration ohne irgendwelche seltsam
anmutende Auflagen und Verboten statt. Von Anonymität bei einer
Demonstration kann aufgrund der massiven Videoüberwachung nicht
mehr gesprochen werden. Immer wieder zeigt sich, dass Polizei- und
Ordnungsbehörden sich einen Dreck um die hehren Worte des
Bundesverfassungsgerichts über die “grundlegende Bedeutung” des
Versammlungsgrundrechts für Demokratie und Freiheit scheren.
Das reicht einigen jedoch immer noch nicht. Geplant ist eine massive
Einschränkung bis hin zu einem generellen Verbot von
Demonstrationen an bestimmten Erinnerungsorten von “nationaler
Bedeutung”. Darüber hinaus sollen die Möglichkeiten für
ein konkretes Demonstrationsverbot erweitert werden.
Argumentationsmittel zur geplanten Verschärfung sind diesmal
Demonstrationen der Neonazis. Beispiele in der Vergangenheit
bestätigten Befürchtungen vor Nazi-Aufmärschen an dem in
etwa einem Jahr fertig gebauten Mahnmal für die ermordeten Juden
Europas in Berlin. An diesen Orten, die “in eindeutiger Weise an die
Opfer einer organisierten menschen-unwürdigen Behandlung” erinnern
sollen und die “als nationales Symbol für diese Behandlung
anzusehen” sind, könnte dann eine Versammlung, die geeignet sei,
“diese menschenunwürdige Behandlung der Opfer zu billigen, zu
leugnen oder zu verharmlosen”, leichter verboten oder mit
Beschränkungen belegt werden. Es steht jedoch zu befürchten,
dass diese Maßnahmen auch zur Repression gegen Linke benutzt
werden. So wurde auch die Einführung einer
GewalttäterInnen-Datei, in der sich mittlerweile auch Linke wieder
finden, mit der neofaschistischen Gewalt begründet. Ähnlich
war es mit den Ausreiseverboten, die mittlerweile bundesweit an
AktivistInnen der GlobalisierungsgegnerInnen ergehen. Ausprobiert wurde
es zuerst an den Hooligans. Denkbar wäre solch ein
Demonstrationsverbot bspw. auch an dem geplanten “Zentrum gegen
Vertreibungen”. Jede antifaschistische Demonstration, die sich gegen
die mit diesem Zentrum geplante Verharmlosung der Nazi-Verbrechen durch
die Gleichsetzung mit dem “deutschen Vertreibungsschicksal” richten
würde, liefe Gefahr, verboten werden zu können.
”werden wir ihn nie los?”
Anfang Juni beherrschte ein Thema die Medien. Der selbsternannte Kalif
von Köln, Metin Kaplan, war das Thema. Ohne Zweifel, seine
abstrusen Weisheiten sind nicht tolerierbar, die Hetzjagd gegen ihn
hatte jedoch andere Gründe. Kaplan war für die Medien und
Politi¬kerInnen das gefundene Fressen um ihre totalitären
Wahnvorstellungen in die Welt posaunen. Während Kaplan die ihm
zustehenden Rechte nutzte, sah man schon den Untergang des Abendlandes.
Die CDU/CSU nutzte die Gelegenheit weitere Verschärfungen des (nun
verabschiedeten) Zuwanderungsgesetz zu fordern. Der CDU Politiker
Wolfgang Bosbach wollte gleich die Sicher¬ungs¬verfahrung
anwenden. “Der Fall Kaplan” zeige, dass “für sogenannte
Top-Gefährder in Deutschland, die nach geltendem Recht nicht
ausgewiesen werden können, andere rechtliche Instrumente
geschaffen werden müssten”. Dies ist keinesfalls ein Einzelfall.
Sei es die Gewerkschaft der Polizei, Hessens Ministerpräsident
Koch, der bayerische Ministerpräsident Stoiber, alle wollten
drastische Verschärfungen und wollten unisono mit den meisten
Medien Kaplan verhaftet sehen und damit an den bestehenden Gesetzen
vorbei handelnd. Doch Kaplan hat als zur Abschiebung Vorgesehener alle
behördlichen Auflagen erfüllt. Er war auch nicht
untergetaucht, sondern hielt sich in einer anderen Wohnung des
Hochhauskomplexes auf, was ihm nicht verboten ist.
Während die hiesigen PolitikerInnen und Medien sich in Law and
Order Phantasien zu übertreffen versuchen, sehen die
türkischen Medien dies wesentlich relaxter. Sie halten Kaplan eher
für einen armen Irren, als gefährlichen politischen Feind,
denn Kaplan hat nur in den türkischen Exilgemeinden eine kleine
Anhängerschaft.
immer noch im knast
Der 1. Mai ist schon wieder lange her. Doch für Einige in Berlin
gab es ein böses Ende: Im Rahmen der Proteste, die sich gegen
einen Aufmarsch der NPD und “Freier Kameradschaften” richteten, waren
125 Menschen festgenommen worden - 37 von ihnen sitzen immer noch in
Berliner Gefängnissen ein. Obwohl keine Fluchtgefahr besteht,
werden sie nicht entlassen. Die Berliner Justiz ist gewillt, an ihnen
ein Exempel zu statuieren. Das antifaschistische Berliner Netzwerk
“ACT!” kritisierte das Vorgehen von Justiz und Polizei: Alles, “was den
Rahmen des gesetzlich Erlaubten verlässt, soll zu unpolitischem
Vandalismus erklärt” werden. Hintergrund der Proteste war die
Erlassung von insgesamt 97 Haftbefehlen nach den antikapitalistischen
und antifaschistischen Demonstrationen am diesjährigen 1. Mai in
der Berlin. Der Berliner Arbeitskreis kritischer Juristen (akj)
kritisiert, “dass die Untersuchungshaft als vorweggenommene Strafe vor
einem ordentlichen Gerichtsverfahren missbraucht wird”. Mittlerweile
ist bekannt geworden, dass diverse Haftbefehle schon vor der
Vorführung vor den Untersuchungsrichter von Richtern gestempelt
und unterschrieben worden waren, was einem Freibrief für die
Inhaftierung politisch missliebiger Personen gleichkommt.
Die Rote Hilfe hat unterdessen ein Spendenkonto für die von
staatlicher Repression Betroffenen eingerichtet.
Näheres unter www.rote-hilfe.de
ltu schiebt ab
Sommerzeit - Ferienzeit, alle bewegen sich gen Süden und nicht
wenige benutzen das Flugzeug. Was viele nicht wissen: Der
Düsseldorfer Ferienflieger LTU befördert nicht nur
UrlauberInnen, sondern missbraucht seine Flieger auch um Menschen aus
Deutschland abzuschieben im Auftrag der verschiedenen
Ausländerämter und Länder. Hintergrundinformationen zu
Abschiebungen durch die LTU und was man dagegen machen kann, wenn man
dies als Passagier mitbekommt, finden sich unter:
http://www.deportation-airlines.de
ohne Strom nix los
Das sich ArbeiterInnen in anderen Ländern lange nicht soviel
gefallen lassen, wie hier in Deutschland, ist lange bekannt. Aber wer
hätte schon gedacht, dass in Europa auf Island am häufigsten
gestreikt wird? Rumstehen vor den Werkstoren in Plastiksäcken mit
dem Emblem der Gewerkschaft ist ein Weg zu streiken. Es geht aber auch
anders. In Frankreich schalteten Beschäftigte des Stromversorgers
EdF kurzerhand ein paar Leitungen ab, so dass in einigen Gegenden die
Ampeln nur noch wild blinkten. Auch wurde gezielt bei einigen
Politikern der Strom abgeschaltet. Ziel ist es die geplante Umwandlung
des staatlichen Konzerns in eine Aktiengesellschaft zu verhindern.
schaffe, schaffe häusle baue
In allen Winkeln werden derzeit in Düsseldorf Bürohäuser
geplant und gebaut. Der Großteil des Derendorfers Bahnhofs soll
mit Bürogebäuden zugebaut werden. Am Schlachthof soll ein
neues Bürogelände entstehen, im Hafen sollen weitere Gebiete
zum Bürobau freigegeben werden, dazu noch etliche andere Gebiete.
Ein großer Teil steht jedoch jetzt schon leer. Offiziell liegt
die Quote bei 12,7% oder anders ausgedrückt bei 637 000
Quadratmeter Bürofläche. In einigen Gebieten ist sie
wesentlich höher, so stehen im neube¬bau¬ten Hafen etwa
die Hälfte der Büros leer, das sind 70.000 Quadratmeter.
Dennoch ist der Umbau der Stadt, der Anpassung an die Wünsche der
Investoren und die großzügige Genehmigung für immer
mehr und immer höhere Bürobauten ein lukratives
Geschäft.
nazis schänden friedhof
Wahrscheinlich in der Nacht zum Freitag, den 25. Juni wurden 41
Grabsteine auf dem alten jüdischen Friedhof an der
Esperantostraße mit Hakenkreuzen und SS-Runen besprüht.
Einige Grabsteine wurden umgestürzt. Der Friedhof wird nicht mehr
benutzt, ist aber von einer Mauer und einer abgeschlossenen Tür
umgeben. Weitere Sprühereien wurden an der Theodor-Heuss
Brücke gefunden.
neuer erfolg der
binterimmieterInnen
Um den geplanten Abriss von fünf intakten Wohnhäusern zu
verhindern, besetzten im Oktober 2003 einige Leute symbolisch eins der
Häuser auf der Binterimstraße. Eigentümerin ist die
“Düsseldorfer Wohnungsgesellschaft eG” (DüWoGe). Die will
dort ein Altenzentrum errichten. Deshalb schrieb die DüWoGe
kurzerhand Kündigungen an die MieterInnen unter Nichteinhaltung
rechtlicher Bestimmungen. Während einige desillusioniert der
Kündigung zustimmten, wehrten sich andere dagegen. In erster
Instanz wurde ihnen rechtgegeben und bestätigt, dass die
Kündigungen unwirksam waren. Die DüWoGe ging in Berufung und
hat nun erwartungsgemäß auch in der nächsten Instanz
verloren.
demokratische farce
Das in den 80er Jahren von Autonomen HausbesetzerInnen geforderte
Stadtteilzentrum für Bilk soll nun endlich Wirklichkeit werden.
Nun ja, ganz so ist es leider nicht. Dennoch soll es ein
Bürgerzentrum geben. Mit der autonomen Realität hat es wohl
eher nichts zu tun. Geplant ist es auf dem Gelände des Bilker
Bahnhofes. Doch ist das nicht das Einzige, was dort geplant wird: Ein
riesiges Einkaufszentrum soll entstehen und nebenbei auch ein paar
Wohnungen. Aber es ist Kom¬mu¬nal¬wahlkampf und nun stellt
sich die SPD-Kandidatin Hock quer, obwohl ihre Ratsfraktion den
Planungen schon grundsätzlich zugestimmt hat. Auf einmal wird das
Herz der kleinen Geschäftsleute entdeckt, die laut Erwin aber gar
keine Zukunft mehr haben. Das führte zu einigen Hausverboten
für Erwin, die ihn sicherlich schwer treffen werden. Allerdings
rumort es auch bei den BürgerInnen: Ein ganzer Teil ist mit
den Planungen grundsätzlich nicht einverstanden und sähe das
Gelände am Bilker Bahnhof lieber als eine Erweiterung des
Floraparkes. Um die aufkeimenden Proteste direkt im Keim zu ersticken,
ist nun in Kürze ein sogenanntes Werkstattverfahren geplant. Dort
wird den Leuten vorgegaukelt, dass sie ein Mitspracherecht hätten.
Grundsätzliche Kritik gilt als antidemokratisch und nihilistisch.
Mittelpunkt bleibt ein riesiges Einkaufszentrum, an dem nichts mehr
verändert werden soll. Die vergangenen Werkstattverfahren haben
gezeigt, dass Ideen und Vorschläge nur aufgenommen wurden, wenn
sie den Planern in den Kram passten. Dass der gegenüberliegende
Real Markt 6.000 Quadratmeter Verkaufsfläche hat, während in
den “Bilker Arcaden” mindestens 24.000 Quadratmeter geplant sind, zeigt
die Dimensionen dieses Vorhabens. Kritiker sprechen sogar von
wesentlich üppiger geplanten Verkaufsflächen.
”alle müssen fallen”
Eines der am häufigsten verzierten Denkmäler der Stadt ist
sicherlich dasjenige, das am Frankenplatz steht. Heroisch wird der
gefallenen deutschen Soldaten gedacht, die während der
Niederschlagung des Herero- und Nama-Aufstandes im besetzten heutigen
Namibia gefallen sind. Von dem Gemetzel an AfrikanerInnen ist auf
diesem Denkmal keine Rede. Hundert Jahre ist dieser Vernichtungskrieg
her. Anlass für die rot-grüne Regierung, auch im Bundestag
mal darüber zu reden. Nun können sich die Abgeordneten auf
die Schulter klopfen. Man hat geredet. Vor allem hat man versucht sich
aus der Verantwortung zu stehlen. Keine Entschuldigung, keine
Wiedergutmachung an die Hereros und Namas für die damaligen
Verbrechen, die von ihnen selber als Völkermord bezeichnet werden,
da fast alle Angehörigen umgebracht wurden, bzw. in die Wüste
getrieben worden, wo die meisten verdursteten. Im Beschluss “zum
Gedenken an die Opfer des Kolonialkrieges im damaligen
Südwestafrika”, verabschiedet mit den Stimmen der rot-grünen
Koalition, ist lediglich von einem “Feldzug” und der “blutigen
Niederschlagung der Aufstände” die Rede. Und der Beschluss
bestätigt lediglich den bestehenden Beschluss von 1989, als der
Bundestag schon einmal Deutschlands “besondere Verantwortung für
Namibia” hervorgehoben hatte. Mit dem damaligen Ergebnis, dass deutsche
Bundesgrenzschutz-Beamte zur Ausbildung der namibischen Polizei in das
südafrikanische Land geschickt wurden.
Befremdet reagierten die heutigen Vertreter der Opfer auf die
Resolution des Bundestages. Herero-Häuptling Riruako sieht in der
Resolution eine Verdrängung der deutschen Verantwortung für
das Massaker. Statt Verantwortung zu übernehmen und die
Entschädigungsfrage anzugehen, ergingen sich die Abgeordneten im
Bundestag lieber in Betroffenheitsgesten. Darin hat man ja mittlerweile
Übung.
geld ist immer da
Wenn man will, findet sich im Stadt¬säckl doch immer wieder
etwas Geld. So gibt es den diffusen Topf “Bereitstellung
überplanmäßiger Haushaltsmittel”. Daraus wurden nun
kurzfristig 350.000 Euro bewilligt, um die Sicherheit des US-
amerikanischen Konsulats hinter dem Hauptbahnhof zu erhöhen. Da es
ja denkbar sei, dass ein Terrorist mit dem Taxi kommt und sich dort in
die Luft sprengen könnte, wird der Taxistand auf der
Rückseite des Bahnhofs verlegt, so dass Reisende nun wesentlich
weitere Wege zu Fuß zum Taxistand hinter sich bringen
müssen. Weitere bauliche Maßnahmen sollen folgen. Warum
nicht gleich den gesamten Autoverkehr der Stadt stoppen,
schließlich würde man potentiellen Attentätern so die
Möglichkeit nehmen, sich mit ihren möglichen Bomben in der
Stadt zu bewegen.
weiter tote eingeplant
Obwohl die Todesrate von Heroin-Abhängigen in
Düsseldorf gegen den bundesweiten Trend zum Vorjahr hin
kräftig angestiegen ist (siehe auch Artikel in der TERZ 3/04),
sind keine Verbesserungen für Drogenkranke in der Stadt geplant.
Im Gegenteil: Oberbürgermeister Erwin setzt ganz und gar auf eine
repressive Drogenpolitik. So soll es nach seinem Willen auch weiterhin
noch nicht einmal sogenannte “Fixerstu¬ben” geben, wo Drogenkranke
unter ärztlicher Aufsicht Heroin konsumieren können.
Fixerstuben sind jedoch genauso wie die Methadon¬abgabe nur eine
Zwischenlösung. Andere Städte sind da wesentlich weiter. Das
CDU-regierte Köln nimmt an einer bundesweiten Studie teil (http://www.heroinstudie.de) und
verabreicht Schwerkranken Heroin. Die Zwischenergebnisse, wie auch
schon eine ähnliche Studie in der Schweiz, sind vielversprechend.
Der CDU/FDP-Stadtrat lehnte direkt nach der Kommunalwahl 1999 mit der
Stimme des rechten Republikaners eine Teilnahme, die schon geplant war,
nachträglich ab. Erwin und Konsorten machen sich mit ihrer
unmenschlichen Drogenpolitik zum Handlanger des Todes. Einige der 22
Drogentoten des letzen Jahres könnten wohl noch leben, gäbe
es wenigstens Fixerstuben. Dort könnte die Gefahr einer
Überdosierung verringert werden. Auch die Infektionsgefahr von
Aids und Gelbsucht durch verunreinigte Spritzen könnte vermindert
werden. Desweiteren müssten Abhängige nicht Spielplätze
und öffentliche Anlagen benutzen. Perfiderweise lehnte der
Gesundheitsdezernent Wilfried Kruse (CDU) “Fixerstuben” mit dem Hinweis
ab, dass dies nur ein “Tropfen auf dem heißen Stein” sei. Doch
besser als gar nichts zu machen ist dies allemal. Die Stadt verweist
lieber auf die Verantwortung des Landes. Denn in NRW gibt es für
die schätzungsweisen 4.000 Drogenkranken nur 15
Therapieplätze. Allerdings sind auch die Therapiekonzepte
umstritten, da die dauerhaften Abstinenzerfolge im unteren
Drittelbereich liegen.
methadonkonzept droht zu scheitern
Die Veränderung der Finanzierung der Krankenkassen, hat auch auf
Drogenkranke ihre Auswirkung. Diejenigen, die Methadon erhalten,
müssen nun nachweisen, dass sie neben der Ersatzdroge auch eine
psychosoziale Betreuung erhalten, sonst zahlen die Krankenkassen die
Behandlung mit Methadon nicht. Aber es gibt in der Stadt viel zu wenige
Betreuungsplätze. Die Beratungsstelle ”komm-pass” an der
Charlottenstrasse betreut gegenwärtig 29 Abhängige, aber
allein im letzten Jahr meldeten sich 139 zwecks einer Beratung. Dies
ist ein allgemeiner Trend in der Stadt.
alles gen-milch ... oder was?”
Im Gegensatz zu vielen anderen Lebensmittelfirmen hat die Theo
Müller GmbH & CO einen Verzicht auf Gen-Fütterung nicht
abgegeben. Greenpeace nahm das zum Anlass, eine satirische Kampagne zu
starten (www.müll-milch.de).
Ein Gericht in Köln hat dies nun gestoppt. Demnach darf Greenpeace
nicht mehr von Gen-Milch bei Müllermilch sprechen.
www.terz.org - 30.6.2004