Warum ist die Ordnungspartnerschaft
denn eigentlich so böse?
Als im Sommersemester 2002 die rot-grüne Landesregierung die
Einführung von Studiengebühren ankündigte, formierte
sich landesweiter Widerstand in der Studierendenschaft. Nach spontanen
Demonstrationen und anderen Protestaktionen an der HHU tauchten
Polizeistreifen auf dem Düsseldorfer Uni-Campus auf. Das
Universitätsgelände ist jedoch Privatgelände und darf
ohne Einverständniserklärung des Rektors, der den
Hoheitsanspruch besitzt, auch nicht von PolizeibeamtInnen betreten
werden.
Ohne dass die StudentInnen informiert worden wären, wurde darauf
hin o.g. Ordnungspartnerschaft zwischen der Polizei, der HHU, der FH
und dem Studentenwerk ins Leben gerufen. Aus der Pressemitteilung vom
02.07.02: ”Ziel ist es, gemeinsam die subjektive wie objektive
Sicherheit und Ordnung auf dem gesamten Campusgelände zu
erhöhen.” Dieses Bemühen schlägt sich bisher v.a. darin
nieder, dass Fahrräder von der Polizei kodiert werden, als auch in
der Tatsache, dass überlegt wird, Wege an der Universität zu
beleuchten. Dies mag ungewohnt wirken, ist aber eigentlich nicht der
Kern des Problems, das die Ordnungspartnerschaft darstellt.
Das weitaus größere Problem liegt in dem Aspekt, dass die
Erweiterung der Polizeibefugnisse auf dem Privatgelände der
Heinrich-Heine-Uni ein Zugeständnis darstellt, dessen Folgen nicht
absehbar sind. Denn durch die vermehrte Präsenz der Polizei auf
dem Campus wird der sowieso schon um sich greifende Sicherheitsdiskurs
noch stärker in die Universität getragen.
Dieser Diskurs schlägt sich außerhalb der Universität
in der Ausweitung der Videoüberwachung in der Innenstadt und auf
zentralen Plätzen, in der Existenz und aktuellen personellen
Verstärkung des OSD, in der Anwesenheit privater
Sicherheitsdienste in den Straßenbahnen,
verdachtsunabhängigen Kontrollen durch die Polizei und nicht
zuletzt in der Diskussion rund um das Einwanderungsgesetz nieder.
Dadurch entstehen die Ängste, die in Konsequenz die Anwesenheit
und die weitere Verbreiterung der Befugnisse der Polizei an der
Universität erst rechtfertigen. Was schließlich dazu
führt, dass sich die Anwesenheit der Polizei auf dem Campus aus
sich selbst heraus rechtfertigt.
Stellen wir uns ein Ereignis vor, in dessen Zuge StudentInnen
verdächtigt werden: In diesem Falle wäre die zu nehmende
Hürde, um verdachtsunabhängige oder rassistische Kontrollen
auf dem Campus durchzuführen weitaus niedriger. Denn die
Anwesenheit der Polizei wäre ja “nichts Neues” und die Erweiterung
der Befugnisse deswegen auch bei weitem nicht so auffällig, wie
wenn diese an das erstmalige Erscheinen der Polizei gekoppelt
wären.
Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die Ordnungspartnerschaft
irgendeine Wirkung in Hinsicht auf die Senkung der (ohnehin niedrigen)
Kriminalitätsrate hat.
Denn es wird ein falsches Gefühl der (subjektiven) Sicherheit
suggeriert, welches sich im Zweifelsfall negativ auswirken könnte.
Ein anderer Punkt ist der, dass der regelmäßige Eingriff der
Polizei in den Universitätsalltag an einem Punkt des Campuslebens
stattfindet, an welchem der Eingriff nicht als gravierend (wenn nicht
gar als positiv) wahrgenommen wird, und die zu erwartenden
Widerstände nicht allzu groß sind. Statt an einer Stelle
anzusetzen an der verhältnismäßig schwerwiegende
Delikte (wie Gewalt-/Sexual-Straftaten) verhindert werden könnten,
beschäftigt sich die Polizei mit dem Problem des
Fahrraddiebstahls. Doch wahrscheinlich ist der Grund dafür der,
dass die Akzeptanz und die Befugnisse der Polizei durch dieses Vorgehen
schrittweise erweitert werden sollen.
Abschließend bleibt festzustellen, dass sowohl an der
Universität wie in anderen öffentlichen Räumen die
Überwachung der Menschen und die Ausdehnung der Befugnisse der
Strafverfolgungsbehörden keine präventive, sondern eher
repressive Einrichtungen sind. Denn Kameras beispielsweise
schützen, außer im Falle, dass sich potentielle Täter
davon abschrecken lassen, nicht vor Übergriffen und dienen nur
deren Verfolgung, nachdem etwas passiert ist. Selbiges gilt auch
für die Anwesenheit von Beamten auf dem Campus, denn der
Große Bruder kann nicht überall sein und kann im
Übrigen ja sowieso nur zugucken.
www.terz.org - 30.6.2004