Gladiatorenkämpfe
um die
Arena
„Mama,
Mama, ich will mein
Lieblingsspielzeug aber nicht mit dem anderen Jungen teilen.“
Dann entdeckt er
nämlich bestimmt, dass es nicht richtig funktioniert und macht
mich vor der
Klasse schlecht. Und wenn mein kleiner Bruder nicht dabei helfen will,
ihn zu
verjagen, mach’ ich es eben auf eigene Faust wie die Cowboys in
diesen schönen
alten Filmen“ sprach der kleine Joachim und schickte sich an, den
bösen Gerald
aus seiner Arena zu verjagen.
Trotz Pleiten,
Pech und
Pannen haben es Erwin und seine Mannen bislang verbergen können,
in welch einer
desaströsen finanziellen Lage sich die LTU-Arena befindet. Der
Eintritt des
Krefelder Unternehmers Gerald Wagener in die für die Bespielung
des Stadions
zuständige Betreibergesellschaft drohte dem Versteckspiel dann ein
Ende zu
bereiten. Der Geschäftsmann sah bei einem Blick in die
Geschäftsbücher nämlich
nur rot. Die Arena GmbH hat noch keinen Cent der zum Bedienen der
Schulden
nötigen 9,3 Millionen erwirtschaftet und der Stadt keinerlei Pacht
bezahlt.
Umsatzsteuer führte sie ebenfalls nicht ab. Überdies
verdeckte die Gesellschaft
durch Buchungstricks die wirklichen Baukosten. Sie dürften mehr
als die
offiziell angegebenen 218 Millionen betragen haben, obwohl schon dieser
Preis
um ein Vielfaches über den für vergleichbare Objekte liegt.
Statt von den
Einnahmen lebte die Arena von der alten Walter-Bau-Bürgschaft in
Höhe von 15
Millionen und zeigte sich auch noch großherzig. Mit
Sponsorengeldern versuchte
sie die vor sich hin dümpelnde Fortuna bis zur
Bundesligareife aufzupäppeln,
auf dass sie später einmal für volle Ränge sorge.
Das alles sollte
nach Erwins
Ansicht geheime Verschlusssache bleiben. Der OB sah in Wageners
Engagement eine
feindliche Übernahme und ersann sogleich
Verteidigungsmaßnahmen. Er fasste den
Plan, die Stadt mehr Anteile in der Besitzgesellschaft übernehmen
zu lassen und
dann Wagener wieder vor die Tür zu setzen. Dafür war die FDP
aber nicht zu
haben. Also machte es die CDU allein. Sie ging in den
Hauptausschuss, wo sie
eine absolute Mehrheit hat, und peitschte dort einen
Dringlichkeitsantrag
durch. Die Liberalen tobten und kündigten einstweilen die
Rathauskoalition auf.
Die Fortsetzung der gemeinsamen politischen Arbeit machen sie jetzt vom
Einschalten eines Wirtschaftsprüfers abhängig, der einen
Kassensturz beim Renommierobjekt
des Bürgermeisters vornimmt.
Die Arena
entwickelt sich
also zu einer Kampfbahn für eine Schlammschlacht, aber Erwin
trotzt den
Stürmen. Von den Flughäfen der Welt meldete sich der
Globetrotter verwundert in
Düsseldorf zurück. „Was denn für Turbulenzen? Die
Arena steht, und sie steht
felsenfest“, bekundete er. Später hörte sich das alles
schon etwas kleinlauter
an. Es sei ein Fehler gewesen, „nicht mit den Anlaufkosten
kalkuliert zu
haben“, räumte der CDUler ein – allerdings nicht
seiner. An der Pleite von
Walter Bau, unfähigen Managern und undurchsichtigen
Beteiligungsverhältnissen
soll es gelegen haben. Und letztlich ist für ihn alles nur halb so
wild, wenn
der Steuerzahler Oper und Theater subventioniert, kann er doch auch
für das
neue Stadion blechen, bis es aus dem Gröbsten raus ist.
Ob allerdings
nur dem Anfang
der Arena kein Zauber inne wohnt und sie später märchenhafte
Stufen erklimmt,
dürfte fraglich sein. Für einen kostendeckenden Betrieb
braucht es nämlich
sechs bis sieben Großkonzerte sowie bis zu 20 kleinere Shows. Und
Erwins
liebstes Kind hat nach dem Nena-Flop bislang erst Herbert
Grönemeyer zu Buche
stehen – und da zahlte sie drauf. Jetzt droht sogar noch die
Fortuna
abzuspringen, weil der Arena-Rasen für sie ein zu teures Pflaster
ist. Einstweilen
gibt Joachim Erwin sich noch zuversichtlich, aber wenn nichts anderes,
so
könnte ihn am Ende noch seine eigene Großmannssucht
politisch klein kriegen.
Jan
www.terz.org - 30.06.2005