Lausige Zeiten
tatort
worringer platz
Seit dem 9. Juni
2005 liegt
der 18jährige Kameruner William Larry nach einem Einsatz der
Drogenfahndung im
St. Vinzenz-Krankenhaus und ringt um sein Leben. Er hat durch das
brutale
Vorgehen der Polizei bei der Festnahme irreversible Hirnschäden
erlitten. Die
Düsseldorfer Polizei nahm durch ihre Herangehensweise billigend
einen Tod durch
z. B. Aufplatzen von Bubbles oder durch den sog. Bolus-Tod, der durch
den
Versuch, jemanden am Schlucken zu hindern, nach einer Panikreaktion
ausgelöst
werden kann, in Kauf.
Die Geschichte
von William
Larry ist kein Einzelfall.
Bereits am 26.
Januar 2001
verstarb der 19jährige John Amadi aus Nigeria nach einem Einsatz
der Polizei,
die ihn angeblich am Schlucken von Bubbles hindern wollte.
Anschließend
behauptete die Staatsanwaltschaft, John Amadi sei an den Folgen eines
geplatzten Bubble verstorben. Der vorliegende Obduktionsbericht schloss
jedoch
diese Todesursache definitiv aus.
William Larry
wurde auf der
Kölner Straße vor dem Afrika-Laden festgenommen. Die
dortigen Ladenbesucher/innen
waren Zeugen des brutalen Einsatzes. Der Hauptzeuge versuchte, sich vor
Ort
einzuschalten und mit den Polizeibeamten zu diskutieren. „Dies
wurde ihm zum
Verhängnis, denn während der Spontan-Demo einen Tag
später umringten ihn die
Polizisten und wollten seine Personalien feststellen – und dies
ohne Grund“, so
berichtete uns Moro.
Staatsanwalt
Heinz-Josef Bremer
rechtfertigt das Vorgehen der Polizei: „Die Fahnder trifft am
Zustand des
Mannes keine Schuld.“ Erst nach öffentlichen Protesten und
Gesprächen mit der
Polizei haben letzte Woche Zeugen Einladungen zum Gespräch
erhalten.
Moro,
Geschäftsführer des
Afrikanischen Netzwerkes, erzählt uns, dass
„laut Statistik im letzten Jahr 160 Schwarzafrikaner
verhaftet wurden.
In dieser Statistik sind jedoch nicht die Anzahl der Deutschen oder die
Anzahl
derer, die danach verurteilt wurden, erfasst.” Die Statistik ist
nur ein
Ausdruck von Rassismus. Durch ein plump inszeniertes Klischee vom
schwarzen
Drogendealer werden Menschen mit dunkler Hautfarbe bei
regelmäßigen Razzien
willkürlich kontrolliert. Diese Menschen sind sowohl verbaler als
auch
physischer Misshandlungen seitens der Polizei ausgesetzt, sei
es auf
Polizeirevieren, bei Festnahmen – wie bei William Larry –
oder bei Razzien.
Das Afrikanische
Netzwerk –
ein Zusammenschluss mehrerer afrikanischer Gruppen in
Düsseldorf – wird sich
massiv dafür einsetzen, dass der Fall William Larry
aufgeklärt wird. Sie sind
gegen die Stigmatisierung von SchwarzafrikanerInnen und
wenden sich gegen
das brutale Vorgehen der Polizei.
Antirassistische
Gruppe
organisiert im Antifa-KOK
hilfe!
Wir empfehlen
Ihnen: Wählen
Sie konservative Politiker, damit Ihre Sicherheit besonders ernst
genommen
wird. Dass Vorfälle wie der folgend geschilderte immer noch
möglich sind,
sollte zum Nachdenken und zur Betroffenheit führen. „Monkey
Island“ ist ein
hübsches Stückchen Düsseldorf, aber wie ist dort die
Sicherheitslage?
Jedenfalls wird demnächst verhandelt, dass bei einem Streit
OB-Sohn Markus
Erwin einem Kumpel eine Bierflasche ins Gesicht geschlagen hat, der
daraufhin
in ein Krankenhaus zum Nähen musste. Herr Bürgermeister, so
etwas wollen wir
nicht sehen, tun Sie was! Mehr Beamte, mehr Videokameras ...
das
festkomitee der
bonzenparade 2005 erklärt:
Erfolgreiche
Manifestation
gegen Pöbel und Sozialschmarotzer –
Bonzenparade
2005 in
Düsseldorf
350 begeisterte
Bürgerinnen
und Bürger der Stadt Düsseldorf folgten der Aufforderung
unter dem Motto „Geld
ist geil! Eure Armut kotzt uns an!”, für ihre Rechte auf die
Straße zu gehen.
Ihre Hauptforderungen waren die komplette Sperrung der
Düsseldorfer Innenstadt
für Geringverdienende mit Hilfe von Einsatztruppen der Bundeswehr,
der KSK und
der GSG 9, Zutritt nur nach Abfrage der biometrischen Daten inklusive
Jahreseinkommen.
Sieglinde
Ohoeven,
Sprecherin des Festkomitees: „Nach den Bonzenparaden 2000 und
2001 konnten wir
zahlreiche Erfolge verbuchen – nicht zuletzt durch die
tatkräftige
Unterstützung unseres Oberbürgermeisters Joachim Erwin. Aber
Videoüberwachung
in der Altstadt kann nur ein erster Schritt sein. Auch Hartz IV ist nur
ein
halbherziger Ansatz. Im Jahr 2000 forderten wir Arbeitszwang STATT
Sozialhilfe
– nicht UND Sozialhilfe! Daher war es richtig und notwendig,
unsere Forderungen
erneut zu proklamieren.”
Mit Stolz
erfüllte das
Festkomitee die Teilnahme der Großnichte des
Oberbürgermeisters, Rosagunde von
und zu Erwin, als Gastrednerin und Fürsprecherin ihrer
Forderungen.
Frenetischer Jubel schallte der Parade vom Balkon des Opernhauses
entgegen, wo
sich 30 Kulturschaffende versammelt hatten.
Lobend
erwähnte Sieglinde
Ohoeven die Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte und das Vorgehen
der
Düsseldorfer Polizei, die Störungen der Manifestation
entschlossen entgegen
trat. „Wir hoffen, im nächsten Jahr die Reiterstaffel der
Düsseldorfer Polizei
durch den Einsatz unseres neuen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers wieder
unser Eigen nennen zu dürfen. Dann werden wir erneut unsere
Manifestation
vorbereiten und sicherlich große Erfolge feiern
können.”
hauptsache
mitsingen
„Deutschstunde“
heißt die
neue Disko im zakk, bei der „Scheibenreiterin ADEA“, MIA,
Wolfsheim, Blumfeld,
Rio Reiser und andere zu präsentieren gedenkt. „Die Party
auf deutsch und zum
Mitsingen.“ „Au weia!”, mag sich manch eineR denken,
„lesen die keine Zeitung?”
Das wäre vermutlich noch die glücklichere Variante,
wahrscheinlicher ist, dass
die Diskussionen über Popmusik und
Deutschtümelei die verantwortlichen
PlanerInnen einfach nicht interessiert. So wird auf den
dämlichsten Trend der
letzten drei Jahre aufgesprungen, in der Hoffnung, den Laden mit Leuten
zu
füllen, die meinen, dass deutsches Liedgut irgendwie eine feine
Sache ist.
Unter dieses Label läßt sich Tocotronic genauso pressen wie
MIA, auch wenn die
einen deutlich formulieren: „Aber hier leben, nein danke”
und die anderen gern
„neues deutsches Land“ betreten wollen. Ob da vielleicht
irgendwas nicht
zusammen passt? Egal, Hauptsache Mitsingen!
www.terz.org - 30.06.2005