Kreativ
Schlafen
Nomad City Passage heißt das
neue Projekt von Oliver Gather und Rebekka Reich, bei dem es darum
geht, sich
städtischen Raum anzueignen – im Schlaf! Anfang Juli wird an
prestigeträchtigen
Orten im Düsseldorfer Stadtgebiet gezeltet: Zwischen den
Gehry-Bauten am
Medienhafen, im Sevens auf der Königsallee, auf den
Tennisplätzen im
Rochusclub, im museum kunst palast und auf dem Rasen der Golfakademie
in
Grafenberg.
Was passiert,
wenn sich
Menschen an einem Ort, der auf Repräsentation und Prestige
ausgerichtet ist,
häuslich einrichten? Schlafen ist ein sehr intimer Vorgang und den
Ort, an den
man sich bettet, sucht man sich im Allgemeinen mit Bedacht aus. Wo
läßt es sich
in einer Shopping Mall gut schlafen? Wo fühlt man sich wohl? Wie
empfindet man
einen Ort bei Nacht, an dem sich tagsüber Menschen zum Einkaufen,
Golfspielen,
Kunstbetrachten treffen?
Alle Orte, an
denen Nomad
City Passage stattfindet, sind aus stadtplanerischer Sicht wichtige
Image- und
damit Standortfaktoren. Wie verhält sich das Bild, das nach
außen vermittelt
wird, zum Empfinden derer, die diesen Ort jenseits seiner
Repräsentationsfunktion kennenlernen, nachts, wenn alles still
steht?
Fragen wie diese
stehen im
Mittelpunkt des Projekts, das nacheinander fünf Stationen
erforscht. Gegen
Abend werden die Zelte ausgegeben, und die TeilnehmerInnen suchen sich
einen
Platz, an dem sie die Nacht verbringen wollen. Das Abendessen nimmt man
dann
wahlweise in einem der Restaurants in der Nähe oder im Clubhaus
des Golfclubs
zu sich. Bei der Übernachtung im museum kunst palast ist der Weg
zwar weit,
aber die Auswahl groß: Döner, Pizza oder doch ein
Fischgericht in der Altstadt?
Vielleicht bringt sich der eine oder die andere auch lieber ein
Butterbrot mit.
Und dann wird geschlafen: Auf der Bühne einer Shopping Mall, die
um 23 Uhr
abgeschlossen wird, oder auf dem Pflaster, zwischen rennomierter
Architektur
und feiernden SzenegängerInnen.
Die Aneignung
des Raums
impliziert das Wissen darum, deplatziert zu sein, hier
„eigentlich“ nicht
hin zu gehören. Im Rahmen einer
Kunstaktion bieten die Hausherren und –damen der jeweiligen Orte
gern Platz für
ein Igluzelt – der dazugehörige Presserummel steigert die
Publicity und ist gut
für’s Image. Außerhalb dieses festgesteckten Rahmens
aber sind andere als die
vorgesehenen Nutzungsformen so gut wie ausgeschlossen: In einer
Shopping-Mall
wird eingekauft, auf einem Golfplatz wird Golf gespielt und im Museum
Kunst
betrachtet. Wer ist das anvisierte Publikum dieser Orte, und was
repäsentieren
sie?
Nomad City
Passage ist ein
Experiment, das von seinen TeilnehmerInnen lebt. Was dabei herauskommt,
bleibt
abzuwarten. Als ich Oliver Gather und Rebekka Reich zwecks
Infoaustausch
treffe, stehen die beiden gerade in der Küche und kochen
Erdbeermarmelade –
„für’s Frühstück…“ Beide sind
guter Dinge und schwer gespannt, wer sich auf das
Projekt einlassen wird. „Wir haben heute für die ganz
Spontanen auch noch ne
Zahnbürste eingekauft.“
Das Projekt
Nomad City
Passage findet vom 4.bis 9. Juli statt. InteressentInnen werden
gebeten, sich
sobald als möglich verbindlich über die homepage
(www.nomadcitypassage.de)
anzumelden, denn: die Plätze auf der Luftmatratze sind begrenzt.
Die
Teilnahmegebühr beträgt 15,- Euro inklusive
Frühstück. Zelte und Isomatten
werden gestellt, alles andere, vom Schlafsack über’s
Kuschelkissen bis zur
Einschlaflektüre, liegt im Ermessen der Teilnehmenden.
Schlaft gut!
Krümel
www.terz.org - 30..06.2005