Antifaschistischer
Aktionstag am 20. August in Wunsiedel
Bundesweiter
Kurzaufruf
der Kampagne
„NS-Verherrlichung
stoppen!“
Wir rufen alle
AntifaschistInnen zu einer Demonstration und Kundgebung am 20. August
im
bayrischen Wunsiedel auf. An diesem Tag protestieren wir gegen den
alljährlichen Rudolf-Hess-Marsch, bei dem Faschisten aus ganz
Europa
zusammenkommen, um den Hitler-Stellvertreter und damit stellvertretend
das
nationalsozialistische Regime zu verherrlichen - letztes Jahr waren es
etwa
4.800 Personen. Wir wollen zusammen mit WiderstandskämpferInnen
und anderen
AntifaschistInnen aus verschiedenen europäischen Ländern
diesem Spuk ein Ende
bereiten und darauf hinwirken, dass der 20. August in Wunsiedel als Tag
eines breiten
antifaschistischen Widerstandes erlebt wird.
18 Jahre Kontinuität
1946 wurde Hess
in den
Nürnberger Prozessen zu lebenslanger Haft verurteilt und landete
im
Militärgefängnis Spandau. Seit seinem Suizid 1987 und dem
Begräbnis in
Wunsiedel versuchen Neonazis, ihm zu gedenken. Für sie haben die
Hess-Märsche
allein schon aufgrund ihrer Kontinuität eine wichtige Bedeutung.
Wurden die
Märsche Anfang der 1990er Jahre nicht zuletzt aufgrund von
antifaschistischem
Druck verboten, hat sich dies 2001 wieder geändert. In jenem Jahr
meldete der
Hamburger Nazianwalt Jürgen Rieger den Hess-Gedenkmarsch gleich
für zehn Jahre
in der bayrischen Kleinstadt an.
Direkter
Bezug
zum Nationalsozialismus
Hess bildet in
der Politik
der Neonazis ein Bindeglied zwischen zwei Epochen. Bereits 1920 trat er
in die
NSDAP ein und hat sich nie von der Politik der deutschen Faschisten
distanziert. 1941 flog er nach England, angeblich um dort einen
Separatfrieden
mit dem Westen auszuhandeln, damit sich das faschistische Deutschland
wiederum
auf den Krieg gegen die Sowjetunion konzentrieren konnte. Die Briten
hatten
aber kein Interesse und nahmen ihn fest. Insofern war Hess an der
Ermordung der
europäischen Juden und Jüdinnen sowie dem Vernichtungskrieg
gegen die
Sowjetunion ‚nur’ in der Vorbereitung, nicht aber in der
Durchführung
beteiligt. So ermöglicht das Gedenken an Rudolf Hess einen
direkten und
positiven Bezug auf einen ‚guten’ Nationalsozialismus.
Entsprechend bemühte
sich in den 1980er Jahren ein breiter Kreis, der weit ins
bürgerliche Lager
reichte, um seine Freilassung.
International
und spektrenübergreifend
Eine besondere
Bedeutung
erlangt der Marsch in Wunsiedel durch die internationale Beteilung. So
waren in
den letzten Jahren u.a. Neonazis aus Skandinavien, England, Belgien,
den
Niederlanden, Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, der
Schweiz, Ungarn,
Tschechien, der Slowakei, Kroatien, Russland sowie den USA zugegen.
Nazis und
andere extreme Rechte unterschiedlichen Alters mit verschiedener
sozialer
Herkunft sowie teilweise gegensätzlichen politischen
Werdegängen und
kulturellen Hintergründen finden sich in der Verherrlichung des
Nationalsozialismus zusammen. Deshalb ist für sie der angestrebte
Volksfestcharakter rund um den eigentlichen Trauermarsch so wichtig.
Hier
treffen sich SS-Greise, Naziskins, „Wiking-Jugend“-Verehrer
in Braunhemd oder
Dirndl, gepiercte Hatecore-Fans, Revanchisten und
NPD-Parteifunktionäre zum
Bier. Gerade vor dem Hintergrund des 60. Jahrestages der Befreiung vom
Nationalsozialismus artikulieren sich vermehrt NS-Verherrlichung,
Relativierung
von NS-Verbrechen und die Verdrehung der deutschen Geschichte. Eine
verkehrte
Welt, in der wir in Wunsiedel einiges gerade rücken wollen!
Kommt
zum antifa-action-day
nach Wunsiedel!
Kundgebung und Demonstration
ab 9 Uhr,
Platz vor dem Gymnasium,
Wunsiedel.
Infos unter:
www.ns-verherrlichung-stoppen.tk
Bus ab Düsseldorf
AntifaschistInnen aus der
gesamten BRD werden am 20. August mit Bussen nach Wunsiedel reisen. Der
„Koordinierungskreis antifaschistischer Gruppen aus
Düsseldorf und dem Umland“
(ANTIFA-KOK) hat ebenfalls einen Bus organisiert. Das Ticket kostet 20
Euro.
Nähere Infos und Anmeldungen im Linken Zentrum
„Hinterhof“ (Corneliusstraße
108), unter Email kok@free.de sowie
unter Telefon 0172 / 211 13 11.
www.terz.org - 30.06.2005