comicDie Fabrik
Ein zugegeben etwas verwirrendes Comic. Die schönen Zeichnungen
von Genevieve Castree kommen, bis auf die Aufzählung der Wochentage, ganz
ohne Worte aus.
Es werden acht Tage erzählt. Es beginnt mit dem Montag in einer Fabrik.
Während kleine Roboter damit beschäftigt sind, kleine Raben zu fangen
und sofort zu verzehren, machen sich zwei andere Gestalten aus dem Staub. Am
nächsten Tag zieht einer der Roboter eine Flasche Alkohol aus einem Versteck.
Besoffen fängt er an zu singen und den Ablauf in der Fabrik zu stören,
bis er von einer überdimensionalen Hand selber weggesperrt wird und sich
in seinem Delirium in einem Urlaub wiederfindet. Er entdeckt einen Affen und
wird ganz melancholisch. Alldieweil sieht man, dass die zwei zuvor verschwundenen
Gestalten ein Liebespärchen sind, die nun ihre Sicherheitsanzüge ausziehen.
Doch die liaison d'amour hält nicht lange. Merkwürdig.
Genevieve Castree:
Die Fabrik
Reprodukt
44 Seiten für 9 Euro
comicMein Bruder Flo
Irgendwo tief auf dem Land. Irgendwann hält es Flo dort nicht mehr aus.
Flo ist Schwarzer unter einer Horde Weißer. Zusammen mit seinem Halbbruder
Rico verlässt er den Bauernhof der Adoptiveltern. Sie wollen auch nicht
mehr zurückkommen und lösen für die Fahrt in die große
Stadt Paris nur "One Way". Doch das Leben ist komplizierter als auf
dem Bauernhof. Es fängt schon damit an, dass sie in den falschen Zug steigen
und am Bahnhof ihr gesamtes Hab und Gut verlieren. Im Zug machen sie auch die
erste Bekanntschaft. Flo ist in Paris auf der Suche nach Aline. Sie führt
ihn in die Partyszene ein. Doch weder damit, noch mit den dortigen Drogen kommt
er klar. Als er ein ganzes Päckchen des weißen Stoffes vernichtet,
kommt es zum Show-Down. Am Ende kehrt Rico allein nach Hause auf den Bauernhof
zurück.
Die Geschichte von Bocquet ist eine ruhig erzählte Geschichte über
das Leben. Bekanntlich sind stille Wasser tief, und so hat es auch dieses hintergründige
Comic in sich. Es ist eine Geschichte vom Aufbruch und vom Scheitern, von Träumen,
Hoffnungen und den harten Realitäten des Lebens. Der Zeichner Gefe ("Madame
Lambert") hat diese Geschichte in melancholisch anmutende Zeichnungen umgesetzt,
die bläulich eingefärbt wunderbar zur eigentlichen Geschichte passen.
Gefe / Boucquet: Mein Bruder Flo
Arrache Coeur bei Edition Moderne
66 Seiten für 22 Euro
comicApokalyptische Schöpfungen
Was für ein bombastischer Titel, der aber passend zur Geschichte
steht. Denn hier geht es um nichts weniger als die Schöpfung, um das Sein
an sich. Selten sind philosophische Gedanken grandioser umgesetzt worden als
in diesem Comic. Man kann es schon vermuten: niemand anderes als der unerschöpfliche
Lewis Trondheim ist verantwortlich für dieses Machwerk. Gänzlich naiv
nimmt er sich des Themas an, über dem schon ganz andere verzweifelt sind.
Nicht aber er. In wenigen Bildern und Texten erklärt er anrührend
die Welt. "Am Anfang von allem: Das Nichts".
Wer also wissen will, wer wir sind, warum wir so sind, was mit dem Tod ist,
warum es keine Helden mehr gibt und was der Sinn des Lebens ist, findet hier
die Antwort. Seine Sicht der Dinge ist mindestens sympathisch zu nennen, seine
Auseinandersetzung mit dem Tod herrlich ("Der Tod, ein Witzbold").
Leider hat dieses Werk nur so wenige Seiten, dabei hat die Apokalypse sicherlich
noch mehr zu bieten.
Seine kleinen, ganz einfachen Strichzeichnungen lassen dennoch viel Raum zur
Phantasie und ergänzen hervorragend seine auf den Punkt gebrachte Sicht
der Dinge. Also, Menschen dieser Welt, vergesst eure Bücher über Philosophie.
Was ihr braucht, ist dieses kleine Comic. Das reicht.
Lewis Trondheim:
Apokalyptische Schöpfungen
Reprodukt, 32 Seiten für 8 Euro
www.terz.org - 26.8.2002