dramaDie versunkene Stadt
Kann Geschichte Spaß bereiten? Ja!
Können traurige Geschichten Menschen zum Lachen bringen? Auch das!
Können Junge wie Alte aus einem Theaterstück etwas lernen und sich
dabei auch noch amüsieren? Ebenfalls möglich!
Dem Reibekuchentheater aus Duisburg ist etwas Schwieriges gelungen: Geschichte
nicht melodramatisch und pathetisch - und dabei trotzdem nicht oberflächlich
oder langweilig - auf die Bühne zu bringen. Das ist sicherlich insofern
noch schwieriger, da das Stück sich mit einer der vielen Niederlagen der
deutschen Arbeiterbewegung beschäftigt. "Die versunkene Stadt"
ist ein Theaterstück über den heftigsten Arbeitskampf der Nachkriegsgeschichte,
den Kampf der Stahlarbeiter in Duisburg-Rheinhausen um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze
bei Krupp.
Die Geschichte der Krupps ist kurz und knapp gesagt eine von Ausbeutung, Kriegsprofiten
und Menschenverachtung. Natürlich wurde dabei auch Großes geleistet:
Die unvergessene "Dicke Bertha" zum Beispiel, eine der größten
Kanonen, die es jemals gab, und mit der man im ersten Weltkrieg Paris beschossen
hat ...
Die Aufführung bewegt sich auf mehreren Ebenen: Es wird an oft lustigen,
aber immer kritischen Beispielen die Geschichte von Rheinhausen und der Krupp-Dynastie
dargestellt. Dies geschieht mit unterstützendem Videomaterial, aber auch
mit Handpuppen. So werden alte und neue Methoden der Darstellung benutzt, welche
das Stück auch und gerade für Jugendliche zugänglich macht. Es
wird versucht, ein Gefühl dafür zu vermitteln, was es für die
Betroffenen bedeutet hat, als es nach einigen Generationen an dem Stahlwerk
nichts mehr zu verdienen gab und es geschlossen werden sollte. Dafür wurden
von den Schauspielern etliche Zeitzeugen befragt, und deren Erlebnisse haben
Eingang in die Handlung des Stückes gefunden. Die Geschäftsleitung
kommt ebenfalls (vor allem der Vorstandsvorsitzende Cromme) in Zitaten zu Wort.
Aber Gott sei Dank sind die Figuren keineswegs nur als traurige Betroffene dargestellt,
sondern als lebendige, aufrechte und um ihr Schicksal kämpfende Menschen
bzw. als unehrliche, amoralische, verlogene Bosse und Kapitalisten. Es gibt
einiges zu Lachen und manches zum Grübeln. Eins sei allerdings gesagt:
Das Stück ist nicht neutral. Es bezieht eindeutig Stellung für die
Arbeiter. Das finde ich richtig. Allerdings wird dabei etwas schwarz-weiß
gemalt, was für die Dramaturgie natürlich in Ordnung ist, obwohl es
im Leben äußerst selten eine nur gute und eine nur schlechte Seite
gibt. Wer sich über die Geschichte von Kapital und Arbeit Gedanken macht
und gleichzeitig einen amüsanten Abend verbringen will, sollte sich das
Stück am 28.09.2002 um 19.00 Uhr im Juta anschauen. Lasst euch das von
einem erfahrenen Theatergänger und Kritiker (immerhin ca. ein Theaterbesuch
alle drei Jahre), also im Klartext von einem Kulturbanausen gesagt sein!
FEHRI
www.terz.org - 26.8.2002