Schändlich fand der Möchte-Gern König von Düsseldorf OB Erwin, daß irgend jemand die Olympia-Fahne einfach geklaut hat. Anfangs freute er sich noch und orakelte über einen Olympia-Liebhaber der das gute Stück vom Mast vor dem Rathaus geholt hat. Als wenige Tage später eine Erklärung auftauchte, die von einem Foto der Fahne gekrönt war fand er das Ganze gar nicht mehr lustig und stellte Strafantrag und übergab den Vorgang dem polizeilichen Staatsschutz. Der müht sich jetzt reichlich ab, kann aber bis heute nichts vorweisen. Die Terz brauchte jedoch gar nicht groß recherchieren, wir wurden angerufen und nutzten die Gelegenheit zu einem Interview.
TERZ: Wer seid ihr, woher kommt ihr?
Das Kommando Tommie Smith ist eine Aktionsgruppe der "Bewegung zur Verhinderung
der Olympischen Spiele 2012 in Deutschland". Wir kommen aus verschiedenen
Städten der Bundesrepublik und haben UnterstützerInnen fast überall.
Selbst im engen Umfeld eures Oberbürgermeisters Erwin gibt es Leute, die
uns mit Informationen versorgen.
TERZ: Warum habt ihr die Fahne mitgenommen?
Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat eine Schlüsselrolle bei der Olympia-Bewerbung
der Rhein-Ruhr-Region. Die Entführung der Fahne direkt vor dem Rathaus
ist ein kleines Detail in einer größer angelegten Aktion.
TERZ: Die Wahl der nationalen Olympiastadt findet doch erst im April statt.
Warum macht ihr jetzt darauf aufmerksam?
Die Wahl der deutschen Bewerberstadt ist nur von untergeordneter Bedeutung.
Es geht darum, in den nächsten Jahren die Entscheidung des IOC so zu beeinflussen,
dass Deutschland als Bewerberland keine Chance hat.
TERZ: Was habt ihr gegen Olympia?
Wir lehnen Olympia aus ökologischen und sozialen Gründen ab. Alle
deutschen Bewerberstädte planen ökologisch unverantwortlich und sozialdarwinistisch.
Belange des Umweltschutzes werden dem Olympiawahn geopfert und schon die Planungsphase
wird zu sozialer Ausgrenzung durch Vertreibung und Steigerung der Lebenshaltungskosten,
insbesondere der Mieten, führen. Olympia liegt nicht im Interesse der Mehrheit
der Bevölkerung der Bewerberstädte, vor allem nicht im Interesse des
ärmeren Teils.
TERZ: In Lörick gibt es recht breite Protestbewegungen gegen die Olympiabewerbung.
Wie steht ihr zu denen?
Die Leute aus Düsseldorf-Lörick sehen wir mit einer Mischung aus Sympathie
und Skepsis. Erstmal ist natürlich jeder Protest gegen Olympia sinnvoll.
Aus den Äußerungen, die wir der überregionalen Presse entnehmen
konnten, geht jedoch hervor, dass diese Bürger nicht gegen Olympia generell
sind, sondern nur gegen Olympia bei ihnen. Wenn das so ist, dann entspricht
das nicht unseren Positionen. Wir wollen Olympia nirgends.
TERZ: Was müßte eurer Meinung noch passieren, um die Bewerbung
der Stadt zu torpedieren?
Protest und Widerstand auf unterschiedlichen Ebenen sind nötig. Jede Aktion,
die den BewohnerInnen Düsseldorfs erklärt, dass Olympia ihren Interessen
widerspricht, ist sinnvoll. Kluge Aktionen, die das saubere Image Düsseldorfs
beschädigen, sind ein gutes Mittel. Das gilt nicht nur für eure Stadt,
sondern für alle Bewerberstädte.
TERZ: Im Oktober findet in Düsseldorf der Skilanglauf Weltcup statt.
Ein Event, der im Zeichen der Olympiabewerbung steht. Wird der denn so ohne
weiteres stattfinden, oder werden Aktionen stattfinden?
Kein Kommentar.
TERZ: Wenn aufgrund der Proteste Olympia in Düsseldorf nicht stattfinden
kann, was soll eurer Meinung mit dem neuen Stadion passieren?
Am besten wäre, wenn das Stadion nicht gebaut würde, und das Geld
in ökologisch und sozial sinnvolle Projekte fließen würde.
TERZ: Eine letzte Frage: Was ist mit der Fahne passiert?
Laßt es mich jetzt so sagen: Sie ist ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt
worden. Später vielleicht mal mehr.
TERZ: Die Terz bedankt sich für das Gespräch
www.terz.org - 26.8.2002