- so der Titel einer Ausstellung von Dunja Khalil und Peter Clouth in der Produzentengalerie
plan.d. Blitzeblanke U-Bahnhöfe, frisch gefegte Einkaufsstraßen,
staubfreie Büroetagen und glänzende Glasfassaden. Sauberkeit muß
sein, denn im Dreck lebt nur, wer arm ist, oder krank oder faul. Das will niemand
sein. Und so wirbeln "der General" und "Meister Propper"
Schulter an Schulter über das Parkett, und wischen am Ende noch den lieben
Kleinen den Lutschedaumen mit einem antibakteriellen Kleenex ab. Keimfrei soll
es sein!
Fragt sich: Wer macht hier eigentlich sauber?- Zigtausende von Menschen verdienen
ihre Brötchen damit, den Dreck anderer zu beseitigen. Während Sauberkeit
für die Repräsentativität von Kleidung und Räumen unerlässlich
ist, rangieren diejenigen, die sie herstellen, in der Skala gesellschaftlicher
Anerkennung ganz unten. Putzen ist eine Dienstleistung, die oft unsichtbar,
manchmal sogar heimlich, wie bei den Heinzelmännchen erbracht wird: nachts,
nach Büroschluß oder früh morgens, bevor die Geschäfte
wieder öffnen. Wenn die Lichter angehen, ist alles wieder sauber.
Peter Clouth will deshalb der unbekannten Putzfrau ein Denkmal setzen, gerahmt
von Fotos "unbekannter Reinigungskräfte", die in Hotel-Lobbys,
Wohnzimmern und Supermärkten mit allerlei Gerätschaften für Ordnung
sorgen. Besonders gelungen die Serie "Putzen im virtuellen Raum":
Hat sich schon einmal jemand Gedanken darum gemacht, wer eigentlich den ganzen
Mist wegräumt, wenn man im Castle Wulfenstein all die Nazis und Zombies
niedergemetzelt hat? Vermutlich eine virtuelle Raumpflegerin bzw. ein Putzmann,
die in diesen Bildern genauso anonym bleibt, wie in allen andern auch.
Dunja Khalil's "work in progress" dokumentiert die Sisyphusarbeit
des Abwaschens. Ihre ursprünglich treffender als "mein Spül-Leben"
betitelten Objektkästen zeigen die abgenutzten Scheuerseiten von Spülschwämmen
aus den letzten drei Jahren, und wenn man genau hinsieht, scheint die ein oder
andere Ketchup-Kruste durchaus hartnäckig gewesen zu sein. Zur Vernissage
am 23. August und zur Finissage am 12. September zeigt sie zusätzlich die
Videoinstallation "Fensterputzen", die vom hartnäckigen Kampf
für streifenfreien Glanz zeugt.
Die Produzentengalerie plan.d., die vor einigen Jahren aus regelmäßigen
Küchentischgesprächen ehemaliger Akademie-SchülerInnen entstand,
sucht die Auseinandersetzung mit KünstlerInnen aus anderen Ländern
und Städten, weshalb die Ausstellungen jeweils von einem plan.d. Künstler
bzw. einer Künstlerin und einem Gast konzipiert werden, im Falle von PutzWahn
von Dunja Khalil, die in Berlin und Kairo lebt. Für die im September folgende
Ausstellung haben sich zwei Künstler zusammengefunden, die dem Werk Joseph
Beuys' hinsichtlich seiner anthroposophischen Bezüge kritisch auf den Zahn
fühlen wollen.
Im nächsten Jahr feiert die plan.d. produzentengalerie ihr fünfjähriges
Bestehen und wird dafür einen Kunstpreis ausloben. "Künstler,
Freunde und Artgenossen" sind aufgerufen, einen Handschuh zu gestalten,
die dann am 7. Februar in einer Ausstellung präsentiert werden. Der/die
DesignerIn des Sieges-Handschuhs wird mit der Finanzierung einer Postkarte in
1000er Auflage beglückt.
KRÜMEL
Weitere Infos unter www.galerie-plan-d.de
www.terz.org - 26.8.2003