Afrika
Remix
Zeitgenössische
Kunst eines
Kontinents
24.07. –
07.11.2004
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zeitgenössische
Positionen von Künstlern und Künstlerinnen des afrikanischen
Kontinents aus 25
Ländern sind derzeit im “Museum-Kunst-Palast” zu sehen. Die
Ausstellung
versteht sich nicht allein als Antwort auf die lange geführte
Diskussion um
afrikanische Gegenwartskunst und als Kritik an der auf der Documenta 11
vorgenommen Präsentation afrikanischer Kunst. Afrika Remix
thematisiert auch
die Frage: Wer übernimmt die Aufgabe der Auswahl und der
Repräsentation?
Denn Jean-Hubert
Martin,
Direktor des Museums, lud hierzu den aus Kamerun stammenden Simon Njami
ein,
der in Paris lebt. Er war Direktor der Photo-Biennale in Bamako/ Mali
und seit
1991 Chefredakteur der “Revue Noire” in Frankreich, einem Kulturmagazin
für
Gegenwartskunst, Tanz, Film und Literatur in Afrika und der Diaspora.
Die heutige
Praxis der Zusammenarbeit mit KuratorInnen aus Afrika geht auf eine
langjährige
Entwicklung zurück. Es ist noch gar nicht lange her, dass der
Vorwurf
westlicher Arroganz und eurozentrischer Abschottung gegenüber der
“Dritten
Welt” zum zentralen Thema zahlreicher Konferenzen wurde. Doch wie war
die
Entwicklung bei den Ausstellungen?
Wichtig für’s Verständnis:
Es war
Jean-Hubert Martin,
der die Diskussion mit “Magiciens de la Terre”, Magier der Erde, 1989
im Centre
Pompidou ins Rollen brachte. Er kombinierte damals ein internationales
Spektrum
von KünstlerInnen, darunter Werke von KünstlerInnen aus
Afrika, die tatsächlich
eine magische Funktion in ihrer Kultur erfüllten, oder – nach
unseren Kriterien
– in den Bereich Exotik fielen. Damals sah Martin darin den Versuch,
die
generelle westliche Überheblichkeit gegenüber
künstlerischen Ansätzen deutlich
zu machen, die sich überhaupt nicht in das gegenwärtige
westliche und auch
hierarchische Verständnis von Kunst einordnen ließen. Das
kam auf afrikanischer
Seite allerdings gar nicht gut an. Auch Simon Njami war unter den
Kritikern –
man empfand die damalige Ausstellung als reduktionistisches
Reproduzieren alter
Klischees des Exotischen und Mystischen. Dabei hatte sich gerade eine
Generation von KünstlerInnen afrikanischer Herkunft
auch in der Diaspora
gebildet, die den internationalen Common Sense in der Kunstauffassung
teilte.
Ihr Problem war lediglich: Warum werden wir noch immer
marginalisiert?
10 Jahre
später wird
Deutschland erstmals zum Austragungsort von Großausstellungen,
die letztlich
das Anliegen weiterführen, der eurozentrischen Struktur des
internationalen
Kunstgeschehens zu begegnen (1999 Kunstwelten im Dialog/ Köln,
2002 Altäre,
Düsseldorf, 2002 Documenta 11/ Kassel). Okwui Enwezors “The Short
Century”
(2001, Berlin/ München/ Chicago, New York) befaßte sich mit
dem afrikanischen
Kontinent seit der Dekolonisation. Auch die aktuellen Ausstellungen
“Afrika
Remix” und “New Identities” im Museum
Bochum zählen dazu.
White Women -
das Thema
bikulturelle Geschlechterbeziehungen taucht mehrfach auf, so
bei der
24-jährigen Loulou Cherinet, Tochter eines Äthiopiers und
einer Schwedin, die
in ihrem Video “White Women” Männer afrikanischer Herkunft in
Matrosenhemden
über ihre Erfahrungen mit schwedischen Frauen berichten
läßt. Einschlägige
Klischees von der Heirat für Papiere bis zum Ärgernis, nur
als Sexobjekt
gesehen zu werden, tauchen auf. Die Leidtragenden dabei - die Kinder,
die
zerbrochenen Träume aller Beteiligten und der “Gestrandeten”. Auch
der
kenianische Maler Richard Onyango verweist humorvoll auf
Machtstrukturen
zwischen der weißen Frau und dem schwarzen Mann. In “Die Beute”
lagert eine
fast nackte, dicke weiße Frau sphinxhaft auf dem zarten
Körper eines jungen
schwarzen Mannes. Seinen Höhepunkt findet diese Thematik in den
politischen
Geschlechterbildern des aus Sudan stammenden Hassan Musa, wo Bin Laden
dargestellt ist als “Große Nackte Amerikas” – im Körper der
Grande Nude des
Malers Francois Bouché.
Goncalo Mabunda
schweißt die
Waffen des mosambikanischen Bürgerkriegs von 1992 zu einem
thron-ähnlichen
Stuhl zusammen, der Platz bleibt leer, hoffentlich für immer! Der
aus der
Studiofotografie kommende Samuel Fosso aus Kamerun inszeniert sich
selbst in
der Tracht eines Königs aus Zaire auf einem Thron in seiner Arbeit
“Der König,
der Afrika an die Kolonien verkaufte”. Auch Mohamed el Baz mit
marokkanischen
Wurzeln greift in seiner Arbeit “Fuck the Death, Love Supreme” das
Wechselspiel
zwischen Aggression, Krieg und Liebe auf. “Unschuldige Sünder”
heißt die Arbeit
von Barthélémy Toguo, der nach seinem Studium in Abidjan
und Grenoble Student
bei Rinke in Düsseldorf war. In eine schiffsbug-artige
Konstruktion eingebettet
sind Aquarelle und Zeichnungen des Kameruners zu sehen, die in
beuysianischer
Machart Fortpflanzungszyklen aus Hybriden zwischen Mensch, Insekt und
Pflanze
zeigen.
Hybride
Tier-Menschen, die
auf mythologische Geschichten
zurückgehen, die in der afrikanischen Kultur noch immer verbreitet
werden,
bilden bei der südafrikanische Künstlerin Jane Alexander den
Ausgangspunkt.
Nackt oder in der Kleidung der burisch-britischen
Apartheidsgesellschaft kommt
eine politische Dimension ins Spiel. Die Fotos der ebenfalls aus
Südafrika
stammenden Künstler David Goldblatt und Guy Tilim reflektieren die
Entwurzelung
der afrikanischen Bevölkerung. Während der Appartheid
mußten Frauen und Männer
vielfach in getrennten Wohnunterkünften leben, was ein
Desaster für die
familiären Strukturen bedeutete. Viele FotografInnen kommen aus
dem
Fotojournalismus. Ingrid Mwangi, Tochter einer Deutschen und eines
Kenianers,
sorgt mit ihrer Arbeit “Down by the River” schonungslos für das
Nicht-Vergessen
kolonialer Greueltaten.
Abdoulaye
Konaté aus Mali
begreift Initiation über religiöse, politische und kulturelle
Identität, die in
den Metropolen der Welt stattfindet. New York wird zu einem
monolithischen
schwarzen Symbol der drei monotheistischen Religionen Islam, Judentum
und
Christentum. Der Bildhauer Titos aus Mosambik gehört zu den
Autodidakten in der
Ausstellung. Von ihm schwebt ein ziemlich fragiles Flugzeug in der
Ausstellung.
In einem Gespräch mit ihm verriet er, dass Animismus für
seine Arbeit eine
wichtige Grundlage ist. Was geschieht nun mit uns allen, die bei der
Eröffnungs-Performance vom Kuchen des Künstlers Aimé
Ntakiyicas gegessen haben,
der die der Berlin-Konferenz beschlossene Teilung Afrikas symbolisiert?
“You
will go Africa” sagte Titos wissend.
Fenja Braster
Tipp: Wer
gemeinsam mit
AfrikanerInnnen durch die Ausstellung gehen möchte, Treffpunkt vor
dem Museum, Mittwoch,
8. Sept. um 15:00 Uhr.
www.terz.org - 1.9.2004