The
Village - Das Dorf
M. Night
Shyamalan spielt in
seinen Arbeiten eher zurückgenommen auf der Klaviatur des
Schreckens. Alles
andere als ein Special-Effects-Dekorateur, interessiert er sich weniger
für die
Objekte der Angst, als für deren Subjekte. Zu seinem im 19.
Jahrhundert
spielenden neuesten Werk hat ihn nach eigenem Bekunden “the scary place
we live
in now” inspiriert. Nicht nur deswegen haben es US-Kritiker bereits als
“Disney’s fictional Fahrenheit” bezeichnet.
Schauplatz des
Films ist das
Dorf Covington. Züchtig, gottesfürchtig und verschlossen,
führen die Einwohner
ein freudloses Leben. Sie wollen “die Unschuld bewahren” und haben die
bösen
Dinge aus der Vergangenheit in gut verriegelten Holzkisten verstaut.
Die
Dörfler scheinen völlig unter dem Bann von “denjenigen,
über die man nicht
spricht” zu stehen, unheimlichen Kreaturen aus dem nahe gelegenen Wald,
die den
Ort in regelmäßigen Abständen heimsuchen. Vor der
ersten Baumreihe haben die
Covingtoner riesige Lichtmasten und Hochsitze aufgestellt, und
eindringlich
beschwören sie ihre Kinder, diese Grenze nicht zu
überschreiten. Bei Lucius und
Ivy bewirken diese Mahnungen aber eher das Gegenteil: eine Faszination
für das
Böse. Immer wieder bittet Lucius um Erlaubnis, ins Reich der
Finsternis
aufbrechen zu dürfen, und als er einmal schwer verletzt wird,
beauftragt der
Ältesten-Rat Ivy, die No-go-area zu durchqueren, um die rettenden
Medikamente
zu besorgen.
Wohin die Reise
sie
schließlich führt, das bittet der Verleih inständig,
nicht vorab zu verraten.
Der für seine plot twists bekannte Regisseur wartet da wirklich
mit einem
veritablen Überraschungscoup auf. Zu einer Zeit, da der Kritiker
Andreas Kilb
zu Recht eine Krise der traditionellen Erzählform ausmacht und die
narrativen
Wucherungen von “Pulp Fiction”, “Lola rennt” und “Memento” als Symptome
dafür
sieht, fühlt sich M. Night Shyamalan ganz der selbst in Hollywood
immer öfter
unbesetzt bleibenden Rolle des klassischen Geschichten-Erzählers
verpflichtet,
der das Publikum verblüffen will. Dies gelingt ihm in einer Weise
wie jüngst
nur “Usual Suspects”. Nicht einmal sonderlich geschickt fädelt
Strippenzieher
Shyamalan das Ende ein und präsentiert mit ihm eine politische
Aussage in fast
schon obzöner Klarheit. Ein ästhetischer Rest bleibt nicht,
da sich “The
Village” ganz in seiner Story erschöpft. So ist es zwar
unmöglich, von dem Film
nicht gefesselt zu sein, aber auch einigermaßen unerquicklich.
www.terz.org - 1.9.2004