Schröder
gratuliert Oskar
Negt zum 70.ten und dieser schenkt dem Kanzler einen tollen Vorschlag
Oder
Warum
es wenig Sinn macht,
sich einen Linken nennen zu lassen
Oskar Negt,
emeritierter
Soziologieprofessor der Uni Hannover feierte kürzlich seinen
70.ten Geburtstag,
Oskar Negt, der sich, wie die Süddeutsche Zeitung weiß,
“seit Jahrzehnten für
die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften ins Zeug legt. Hat
gekämpft für die
Reformideen von Willi Brandt etc..” (SZ 30.7.04). Dass es dieser Mann
verdient
hat, vom Kanzler höchstselbst eine Laudatio zu seinem runden
Geburtstag zu
erhalten, können nur missgünstige und verbiesterte Alt-68er
bezweifeln. Denn,
fährt unser SZ-Kommentator fort: “während unzählige
´68er inzwischen mit oft
theatralisch vorgetragenen Bekenntnissen auf Distanz zu ihren
´Jugendsünden´
gehen, sind die Positionen von Oskar Negt über Jahrzehnte hinweg
von einer
unaufgeregten Kontinuität und Geduld geprägt.”.
Wahrscheinlich die Geduld des
Schafscherers, wie wir noch sehen werden.
Der Kanzler
führt in seiner
Laudatio aus: “Gerade an gesellschaftlichen Knotenpunkten, wenn
Gemeinwesen neu
über sich und ihre Zukunft nachdenken müssen, sind wir darauf
angewiesen, dass
die Intellektuellen ihre Vorstellungen vom Gemeinwohl und von einer
guten
Gesellschaft, von Gerechtigkeit … in einem umfassenden Sinne entwickeln
und
einbringen. Mögen manche ihm unverbesserliches Beharren in der
Kritischen
Theorie vorwerfen – zu deren engagiertesten Protagonisten er weiterhin
zählt:
Oskar Negt konnte und kann über derlei Vorwürfe nur
schmunzeln. Er hat sich
stets dazu bekannt, ein Linker zu sein.” (Frankfurter Rundschau 31.7.04)
Oskar Negt, der
nun wirklich
nichts zu bereuen hat, bedankt sich brav beim Kanzler und unterbreitet
den
Leserinnen und Lesern der FR einen wahrlich praktischen Vorschlag. Da
“das
Gemeinwesen” gerade dabei ist, für alle diejenigen, die nicht mehr
gewinnbringend ihre Arbeitskraft für die Unternehmerschaft
einbringen können,
ein am unteren Limit bemessenen Lebensstandard festzuzurren, kommt der
Herr
Emeritus mit der Idee nach einem “Grundgehalt”, um u.a. “den Blick frei
zu
bekommen für politische Gemeinwesenarbeit und für sonstige
schöpferische
Tätigkeiten”. Das “gesellschaftliche Minimaleinkommen”, welches
dem Herrn
Professor vorschwebt, gibt es bereits, wobei ihm, neben den bereits
existierenden Zwangsmitteln wie vorgeschriebene Gemeinwesenarbeit etc.
eine Art
Wahlzwang vorschwebt: “Würde man nun das Grundeinkommen, das
gewiss nicht üppig
ausfallen dürfte, mit einem Honorar für Wahlbeteiligung
verbinden – wäre das
nicht eine Lösung des Apathie-Problems, das so viele Politiker
beklagen.” (zit.
nach FR 31.7.04)
Was hat
bloß die “Kritische
Theorie” verbrochen, dass ihr solch ein Quark untergeschoben wird?
HPJ
www.terz.org - 1.9.2004