Studentendasein
aktuell:
Viel Arbeit & wenig Geld
Im August
veröffentlichte
das Deutsche Studentenwerk seine 17. Sozialerhebung. Die auf über
500 Seiten
zusammengestellten Daten sind aussagekräftiger als manche
politische
Auseinandersetzungen um PISA-Studien, Elite-Universitäten,
Juniorprofessuren
oder Studiengebühren. Die Haupterkenntnis: Mangelnde
Chancengleichheit und hohe
Arbeitsbelastung für Studierende.
Die
Sozialerhebung basiert
auf ausgewerteten Fragebögen von 21.060 deutschen und 364
ausländischen
Studierenden und wurde von 251 Hochschulen unterstützt.
Interessierte Leser
erfahren hier so ziemlich alles, was sie schon immer über das
Studentenleben
wissen wollten. Das hat es in sich, denn das immer noch gern gebrauchte
Klischee vom lustigen Faulenzerdasein wird mit den Zahlen
endgültig widerlegt:
34 Stunden pro Woche nutzen Studierende für den Besuch von
Lehrveranstaltungen
und deren Vor- und Nachbereitung. Dazu kommen während der
Vorlesungszeit 7,4
Stunden, die in die Ausübung von Nebenjobs investiert werden. 23 %
der
mittlerweile über zwei Millionen Studentinnen und Studenten kommen
sogar auf
eine Wochenarbeitszeit von über 50 Stunden. Rund die Hälfte
der Befragten gibt
an, dass der Verdienst zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts in meist
prekären
Billiglohn-Jobs “unbedingt notwendig” ist.
Bezeichnend ist
auch die
seit 2000 stagnierende Unterbrecherquote auf dem hohen Niveau von
15 %. Als
Gründe für eine Studienunterbrechung werden am
häufigsten genannt: “Zweifel am
Sinn des Studiums” (29 %), “andere Erfahrungen sammeln”,
“Erwerbstätigkeit” (je
25 %) und “finanzielle Probleme” (21%). Was das Studentenwerk als
“Unterbrechung” bezeichnet, kommt in fast allen Fällen der Aufgabe
des Studiums
gleich. Die soziale Herkunft entscheidet nach wie vor über den
Zugang zur
“freien” Bildung. So haben Kinder, deren Eltern beide Arbeiter sind,
die mit
Abstand geringsten Chancen, die Schwelle zu den Klassen 11-13 zu
überwinden
(20%). Am Gegenpol befinden sich Kinder, deren Eltern beide verbeamtet
sind.
Sie haben eine vier Mal so hohe Übergangswahrscheinlichkeit in die
gymnasiale
Oberstufe (84 %) wie erstere. Diese Unterschiede gleichen sich
natürlich auch
während des Studiums selten an. Kinder aus einkommensschwachen
Familien
investieren gerade in der Abschlussphase der Unilaufbahn viel Zeit
in den
Nebenverdienst. Kaum besser ist die Situation bei einem Teil der knapp
230.000
in Deutschland studierenden Ausländer. Über die Hälfte
von ihnen stammt aus den
so genannten Anwerbestaaten der 60er und 70er Jahre. 72 % dieser
Bildungsinländer
gehören der niedrigsten sozialen Herkunftsgruppe an.
Nordrhein-Westfalen
hält
dennoch an der Einführung der Studiengebühren für
Langzeitstudierende fest.
Seit Anfang des Jahres werden all jene mit 650 Euro pro Semester zur
Kasse
gebeten, die das Zeitlimit überschritten haben. Die
Düsseldorfer Hochschulen
verloren damit rund 1/3 ihrer Studierenden, die jetzt – meist ohne
Abschluss-
auf der Straße stehen. Die Sozialerhebung des Studentenwerkes hat
erneut
bewiesen, dass zwingende finanzielle und soziale Gründe zur
Überschreitung der
Regelstudienzeit existieren. Ein erfolgreiches, angenehmes Studium
hängt in der
BRD mehr denn je vom Status und Geldbeutel der Eltern ab. Sollte
Karlsruhe das
Verbot von grundsätzlichen Studiengebühren demnächst als
verfassungswidrig
erklären, droht die Mär der “Freien Bildung für alle”
endgültig Geschichte zu
werden.
B
Der
letzte linke Student an
der Wahlurne
Anfang Juli
wählten die
Studierenden der HHU ihr neues Studierendenparlament. Die
Wahlbeteiligung lag
mit 2188 abgegebenen Stimmen bei 12 % und damit etwas über dem
Vorjahr. Bei
insgesamt 17707 Wahlberechtigten ist die geringe Wahlbeteiligung
bezeichnend
für das gesellschaftspolitische Verständnis der
Düsseldorfer UnibesucherInnen.
Bei den
Wahlergebnissen gibt
es keine großen Überraschungen:
Zu verteilende
Sitze 17,
davon:
· LISTE
1: Juso-HSG 4 Sitze (501 Stimmen)
· LISTE
2: MSB 6 Sitze (759 Stimmen)
· LISTE
3: IUL 1 Sitze (118 Stimmen)
· LISTE
4: NFL 1 Sitze (118 Stimmen)
· LISTE
5: RCDS 4 Sitze (451 Stimmen)
· LISTE
6: LHG 1 Sitze (198 Stimmen)
· Ungültige
(davon Enthaltungen): 43 (11)
Am 18. August
hat das SP der
HHU einen neuen AStA-Vorstand gewählt. Es handelt sich in diesem
Jahr um einen
Koalitions-AStA, der von den Listen “MSB Spartakus, Multiple Choice und
FachschaftlerInnen” und der “Juso HSG” getragen wird.
Neuer
Vorsitzender ist der
alte Vorsitzende: Steffen Arns vom MSB Spartakus. Seine erste
Stellvertreterin
ist Dominique Brasseur von der Juso HSG, die dritte im Bunde ist die
bisherige
Fachschaftsreferentin Kathrin Wiesemann, die ebenfalls für den MSB
Spartakus
kandidierte.
Neu besetzt wurde auch das Finanzreferat: für jeweils eine halbe
Stelle wurden
Marko Siegesmund (Juso HSG) und Eva Gentes (MSB Spartakus)
bestätigt. Im Laufe
der nächsten SP-Sitzungen werden die übrigen ReferentInnen
bestätigt. Ein
Großteil der entsprechenden Stellen wird in den kommen Tagen
ausgeschrieben.
Interessierte StudentInnen, die sich im AStA, sei es als ReferentIn
oder auf
andere Weise, für die Belange der Studierenden einsetzen
möchten, können sich
zu diesem Zweck an den Vorstand wenden.
www.terz.org - 1.9.2004