Eine-Welt-Tage
2005
Zum 21. Mal finden von Juli bis November die “Düsseldorfer
Eine-Welt-Tage” statt. Organisiert vom
“Eine-Welt-Forum”, unter Schirmherrschaft von OB Erwin,
bietet
das Programm wenig Kritisches und viel Kultur und Freizeitspaß.
Im ersten
Programmheft (Juli und August) findet sich keine
einzige Veranstaltung, die den Kopf anstrengen, das Wohlbefinden
belasten oder
irgendwen ärgern könnte – von “Jazz und Weltmusik
im Hofgarten” über Auftritte
von Helge Schneider oder des chinesischen Musikers Wu Wei zum
Straßenfest des
Oberkasseler Vereins Futuro Sí mit Live-Musik, kulinarischen
Spezialitäten und
südamerikanischem Flair wird angenehme Unterhaltung gereicht. Das
ist “Eine-Welt-Engagement”
wie ihn Zeitgeist und Obrigkeit wünschen – da werden keine
unbequemen Fragen
gestellt oder Wahrheiten enthüllt. Da kann unbeschwert Kultur
genossen werden
und für’s gute Gewissen gibt es auch noch ein paar Spenden
für ein
Straßenkinderprojekt.
Von den ca. 90
Veranstaltungen der Eine-Welt-Tage sind die
allermeisten Konzerte, Filmvorführungen, Feste, Lesungen,
Tanz/Theater
Performances oder sie beschäftigen sich
mit fair gehandelten “Köstlichkeiten aus aller Welt”.
Das knappe Dutzend
Informationsveranstaltungen ist zu einem Viertel theologisch
ausgerichtet. Es
gibt auch ganz schräge Sachen wie die Ankündigung der
“Bahá’í-Gemeinde” mit
einem “Global Marshall Plan ein ökosoziales
Weltwirtschaftswunder zu
ermöglichen.”
Ich habe
richtiggehend aufgeatmet, als ich im zweiten
Programmheft (September) endlich die Veranstaltung “Wie deutsche
Konzerne vom
Elend der Dritten Welt profitieren” entdeckte, die attac am
18.09. von 11.00
bis 13.00 Ihr im zakk ausrichtet. Da werden wenigstens endlich mal
Zusammenhänge
benannt.
Auch interessant
wird sicherlich der Abend mit der
ruandischen Traumatherapeutin Esther Mujawayo, die am 13.09. im
BiBaBuZe ihr
Buch “Ein Leben mehr” (siehe terz 5/05) vorstellt.
Vom Land NRW und
der Stadt Düsseldorf gibt es jährlich 15 Cent
pro Einwohner für die kommunale Eine-Welt-Arbeit. Diese ca. 90.000
Euro
verteilt das Eine-Welt-Forum unter der Geschäftführung von
Ladislav Ceki. Die
Gruppen oder Eine-Welt-Initiativen, die sich an den Eine-Welt-Tagen
beteiligen,
sind sicherlich vielfältig. Der Vorstand des Eine-Welt-Forums
allerdings hat
wenig Berührungsängste. So gibt es beispielweise den
umstrittenen Plan, auf dem
Gelände des Bilker Bahnhofs ein riesengroßes Shoppingcenter
einzurichten. Um
den Protest dagegen zu befrieden, sollen auch soziale Angebote
integriert
werden. Das Eine-Welt-Forum wirbt damit. dass es sich “bei der
Stadt und dem
Investor” engagiert “für eine Integration der
Eine-Welt-Arbeit auch in diesen
Komplex”. Es will dort Büros für Eine-Welt-Initiativen
und Räume für Eine-Welt-Handel
einrichten und hilft so mit bei der Legitimierung dieses Projekts.
Wenn die neue
Landesregierung die Gelder für die kommunale
Eine-Welt-Arbeit im nächsten Haushalt einstellen wird, ist dies
für einen
kritischen linken Internationalismus leider kaum ein Verlust.
Maria
La Rocca
www.terz.org - 23.08.2005