Antifaschistische Aktivitäten und Neues aus der Naziszene
Der Innenminister berichtet
Auf Initiative von Monika Düker (Die Grünen) legte NRW-Innenminister
Dr. Fritz Behrens am 20.8. eine "Stellungnahme ... zur Situation der rechtsextremistischen
Szene in Düsseldorf" vor. Auf sieben Seiten ist dort ein winziger
Teil von dem zu lesen, was TERZ-LeserInnen schon seit langem bekannt ist. Die
REPs hätten vor Ort 70 Mitglieder, heißt es da zum Beispiel. Im Mai
seien REP-Flugblätter vor Schulen verteilt worden, "die in einer Deutlichkeit
von rechtsextremistischen Ideologieelementen geprägt" gewesen seien,
"wie es bei den REP eher ungewöhnlich ist". Eine Einschätzung
über die politische Arbeit, Bedeutung und Entwicklung der REPs sucht man
in dem Papier vergebens. Namen von zentralen FunktionsträgerInnen werden
hier ebenso wenig genannt, wie - mit Ausnahme von Torsten Lemmer und Jan Zobel
- in dem Rest des Berichtes. Die 20köpfige Düsseldorfer NPD sei bedeutungslos,
ein JN-Stützpunkt nicht vorhanden. Ein DVU-Kreisverband würde nicht
existieren, dafür aber gelegentliche "DVU-Stammtische" (wieso
eigentlich "gelegentlich" wenn die DVU "monatliche Treffen"
ankündigt). Im Gegensatz zu den o.g. Parteien "geriert sich die Neonazi-Szene
um so lebhafter", heißt es weiter. Explizit genannt werden das "Nationale
Infotelefon Rheinland", eine "Neonazigruppierung um das NIT Rheinland",
die Zeitschrift "Düsseldorfer Beobachter" und die Gruppe "Nationalisten
im Düsseldorfer Süden". Aus welchen Gründen auch immer,
wird auf eine Benennung der Bezeichnung "Kameradschaft Düsseldorf"
und eine Zuordnung zum Spektrum der "Freien Kameradschaften" verzichtet.
Statt dessen wird von einer "ca. 10-20 Personen umfassenden Szene"
gesprochen, die "kurzfristig bis zu 30 Aktivisten mobilisieren" könnte.
Diese Zahl ist zwar richtig, nicht aber das hierfür angeführte Beispiel
der "Pro Köln"-Veranstaltung am 19. Juli. Die sehr enge Zusammenarbeit
mit Strukturen im westlichen und zentralen Ruhrgebiet, am Niederrhein und in
den Kreisen Neuss und Mettmann, finden keinerlei Erwähnung, obwohl deren
Nennung für eine Einschätzung der Düsseldorfer Neonazis elementar
wäre. Ungefähr 2/3 der erwähnten 30 Personen kamen am 19.7. nämlich
aus den o.g. Städten und Kreisen und eben nicht aus Düsseldorf. Düsseldorf
dient lediglich des Öfteren als Sammelpunkt, um von dort aus das gemeinsame
Ziel anzusteuern. Ebenso nicht genannt wird das "Widerstandsbüro"
von Sven Skoda, die Homepages "Widerstand West" und "Rheinwacht"
sowie die zunehmenden "Anti-Antifa"-Aktivitäten. Daß auch
die diversen neonazistischen Skinhead-Cliquen in verschiedenen Stadtteilen und
die Versuche, Einfluß auf rechte Fußballfans im Rheinstadion zu
nehmen, nicht zur Sprache kommen, ist da nur folgerichtig.
Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der "Skinhead-Szene und
Torsten Lemmer". Auch dieser Teil fällt weit hinter der am 20.8. als
bekannt vorauszusetzenden Situation zurück - am 20.8. war schließlich
die September-Ausgabe der TERZ noch in Druck. Kein Wort ist zu lesen von der
Umstrukturierung des Lemmer-Reichs in die Firma "VGR Multimedia".
Der ehemalige FAP-Aktivist Andreas Zehnsdorf, einer der drei zentralen Figuren,
wird lediglich verharmlosend als "ehemaliger Sympathisant der inzwischen
verbotenen FAP" angeführt und sein Label "AZE-Records" am
Rande erwähnt. Höchst peinlich ist, daß das Innenministerium
nicht einmal in der Lage ist, den Preis des RechtsRock-Magazins "RockNord"
korrekt abzuschreiben, der mit 6,- DM, statt mit 8,- DM angegeben wurde. Immerhin
wird aber "die Ausstiegsabsicht von Lemmer skeptisch" beurteilt: "Bisher
werden keine Anhaltspunkte dafür gesehen, dass sein erklärter Ausstiegswille
tatsächlich realisiert wird."
Fazit: In der Stellungnahme steht zwar kaum etwas tatsächlich Falsches,
das Papier genügt aber nicht einmal den Anforderungen einer studentischen
Hausarbeit im Grundstudium. Diverse Spektren wie zum Beispiel das der Geschichtsrevisionisten
und Auschwitzleugner, Nachfolgestrukturen der "HIAG - Bundesverband der
Soldaten der ehemaligen Waffen-SS", Braunzonen wie u.a. Burschenschaften
und einzelne Revanchistenverbände, aber auch Parteien wie u.a. der "Bund
für Gesamtdeutschland" fehlen völlig. Und selbst bei dem wenigen
Geschriebenen bediente sich das Innenministerium aus der "linken Szenezeitschrift
TERZ' (7/8-01)". Die nach dem abgewehrten Neonaziangriff am 27. Juni
auf eine Veranstaltung des ANTIFA-KOK in der Freizeitstätte Garath nur
wenige Stunden im Internet zu lesende Stellungnahme der "Südnationalisten"
ist dem "Verfassungsschutz NRW" offensichtlich durch die Lappen gegangen,
so daß diese aus der TERZ zitiert werden mußte. Immerhin mit korrekter
Quellenangabe und nicht - wie früher - einfach nur abgeschrieben.
Umstrukturierung des Lemmer-Reichs abgeschlossen
Die in der letzten TERZ-Ausgabe "angekündigte" Umstrukturierung
der Firmen von Torsten Lemmer ist zwischenzeitlich vollzogen worden. Eine einzige
Fehleinschätzung muß jedoch noch korrigiert werden. Ein Blick in
die nach TERZ-Redaktionsschluß erschienene Ausgabe 70/71 der "RockNord"
zeigt, daß nun auch diese Szenezeitschrift über die "VGR GmbH"
von Lemmers Großvater Ludwig Moos herausgegeben wird. Als v.i.S.d.P. zeichnet
nun Lemmer-Zögling Tim Holzschneider, Chefredakteur ist Lemmers langjähriger
Geschäftspartner Andreas Zehnsdorf, der sich einmal mehr hinter dem Pseudonym
"Werner Lamprecht" verbirgt. Der CZ-eigene "Moderne Zeiten"-Vertrieb
wurde ebenfalls in die "VGR GmbH" überführt und nennt sich
jetzt "Nordcore-Versand".
Neonazi-Aufmärsche in Hagen und Lüdenscheid geplant
Für den 17.11. ist der bereits dritte Naziaufmarsch in diesem Jahr in Hagen
angekündigt worden. Anmelder ist René Gehrke von den "Freien
Nationalisten Hagen/Lüdenscheid". Zwei Monate später, am 19.1.,
droht in Lüdenscheid der bereits 4. Aufmarsch. Hier hat die NPD Märkischer
Kreis dazu aufgerufen, an "die Reichsgründung vom 18. Januar 1871
zu erinnern." Die "Autonome Antifa Lüdenscheid" kündigte
zuversichtlich einen "Alptraum" für die Neonazis und "die
bisher größte Antifaschistische Demonstration in Lüdenscheid"
an.
www.terz.org - 27.09.2001