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Müßiggangster

Den Ethos der Arbeit sehen überzeugte Kommunisten und Kapitalisten durchaus gleich. Die Arbeit ist die Erfüllung des Lebens. Die Faulheit ist dagegen verwerflich, kleinbürgerlich und ist ein Schmarotzertum. Was für ein Quatsch! Was gibt es Schöneres, als gar nichts zu tun, die Seele baumeln zu lassen und sich über das Leben an sich zu freuen und wenn dann auch noch jeden Monat der Scheck des Arbeitsamtes kommt ist die Welt in Ordnung. So sehen das auch die "Glücklichen Arbeitslosen". Vielleicht hatte BK Schröder gerade diese im Kopf, als er über die angebliche Faulheit der Arbeitslosen hetzte. Auf jeden Fall war es ein Grund, dass die Gruppe der Glücklichen Arbeitslosen beschloss eine weitere Ausgabe des "Müßiggangster" zu erstellen. Ein weiterer sind die zunehmenden Repressalien denen die Arbeitslosen immer mehr unterworfen werden. Dagegen gibt es keinen nennenswerten Widerstand, geschweige denn eine Kenntnisnahme außerhalb der Betroffenen. So finden sich in dieser Ausgabe u.a Beiträge dazu, Artikel über die vorkapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen von Call- Centern, Kurzberichte, Wissenswertes über die Hintergründe eines tödlichen Attentats auf einen Direktor eines Arbeitsamtes, über Existenzgeld, viele schöne Fotos und mehr. Es zeigt sich das Müßiggang durchaus nichts mit nix machen zu tun hat, sondern sehr kreativ und produktiv sein kann. Einige Unverbesserliche werden sicherlich wieder Schaum vor dem Mund bekommen. Arbeitslos und Spass dabei. Wen diese Ausgabe und das dazugehörige Manifest der "Glücklichen Arbeitslosen" interessiert kann diese unter Angabe des Grundes und der Beifügung einer Spende bestellen:
Die Glücklichen Arbeitslosen
c/o Im Stall
Kastanienallee 84
10435 Berlin (ist nur Postadresse)

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Der Kämpfer

Dies ist ein Buch über einen fast vergessenen Film. Der Kämpfer bzw. Borzy, wie er in Russisch hiess, war der erste antifaschistische Film, der sich gegen Nazi-Deutschland richtete. Fast die gesamte Crew aus Schauspielern und Technikern bestand aus deutschen Immigranten. Der später in der DDR bekannt gewordene Regisseur Gustav von Wangenheim schrieb das Drehbuch und führte Regie. Der Film war eine Verbindung des Kampfes deutscher Kommunisten gegen Nazi-Deutschland zur Zeit des Reichstagsbrandes und der berühmt gewordenen Verteidigungsrede des Kommunistenführers Georgi Dimitroff vor Gericht im Jahre 1933. Die Geschichte ist etwas banal. Fritz Lemke mutiert vom unpolitischen Haudrauf zum engagierten kommunistischen Widerstandskämpfer. Sein Bruder wird von den Nazis erschlagen, aber die Übermacht der Nazis scheint unüberwindbar bis die Rede Dimitroffs alle Aufrechten aufrüttelt und zum Widerstand bläst. So weit, so nett. Was das Buch aber interessant macht, sind die dargestellten Hintergründe des Filmes. Der Kämpfer war der letzte Film der Sowjetischen Filmproduktion Rotfront. Der Film entsteht zur Zeit der ersten stalinistischen Säuberungen. Etwa ein Drittel der am Film Beteiligten wird aus der Produktion entfernt. Einige werden nach Sibirien geschickt, wo viele umkamen, einige verbrachten Jahre im Kerker, andere wurden sogar an Nazi-Deutschland ausgeliefert, wo sie ins KZ kamen. Alle wurden in den 50er Jahren rehabilitiert. Das Buch gibt einen Einblick in diese erschütternde Zeit. JedeR Beteiligte wird, soweit noch Informationen vorhanden waren, vorgestellt. Von einigen gibt es schriftliche Aufzeichnungen. Teilweise wird es einem schlecht von den Begründungen der Entfernung der in Ungnade Gefallenen von dem Filmset und dem damit häufig drohenden Tod.
In Verbindung mit dem filmischen und historischen Hintergrund ist ein packendes Buch entstanden, das als Einführung zu den stalinistischen Säuberung sehr gut geignet ist.
MEIKEL F
Der Kämpfer
Günter Agde
Das neue Berlin
207 Seiten für 39.90 DM



www.terz.org - 27.09.2001