Die Zähne des Haifisches
Im Mülheimer "Theater an der Ruhr" wird in der kommenden Spielzeit die erfolgreiche Produktion der Dreigroschenoper von 1987 wieder aufgenommen.
Frei nach der Überlegung "Was ist der Einbruch in eine Bank gegen
die Gründung einer Bank?" stellt Bert Brecht in seiner Dreigroschenoper
Huren, Bettler und Straßenräuber als seriöse Geschäftsleute
auf die Bühne. Und Mackie Messer und Konsorten verhalten sich den Spielregeln
der Geschäftsleute und bürgerlichen Ehrenmänner der kapitalistischen
Gesellschaft gemäß. Alles ist Mittel zum Geschäft, ob es nun
um Liebe, Heirat, Freundschaft oder um Mord, Bestechung oder Verrat geht.
Indem die Verbrecher als Gentlemen gezeigt werden, findet eine Gleichsetzung
von bürgerlicher Gesellschaft mit der Welt der Kriminellen statt, was den
Schluss nahelegen soll: die bürgerliche Gesellschaft ist kriminell, die
Ordnung der Gesellschaft ist falsch, ihre Wertekategorien paradox. Sowohl Peachum,
der einen organisierten Bettelbetrieb unterhält, als auch Macheath, der
seine Verbrecherbande nach betriebswirtschaftlichen Überlegungen leitet,
sind Karikaturen bürgerlicher Großunternehmer, wodurch diese bloßgestellt
werden.
Die Dreigroschenoper wurde 1928 in Berlin uraufgeführt und machte Bert
Brecht über Nacht berühmt, was unter anderem daran lag, dass es ihm
gelungen war, alle Mittel des modernen Dramas, der literarischen Parodie des
Musicals und des Songs für seine gesellschaftskritischen Absichten nutzbar
zu machen. In einer sehr gelungenen Aufführung stellt Roberto Ciulli seine
Version der Dreigroschenoper vor.
JULIA
Die Dreigoschenoper ist am 6. und 27. Oktober im Theater an der Ruhr zu sehen.
www.terz.org - 27.09.2001