Die Marx-Engels-Stiftung Wuppertal kündigt als Konferenz
an:
Israel, die Palästinenser und die deutsche Linke
13./14. Oktober 2001 im Saal der Alten Feuerwache, Gathe 6, Wuppertal
13.10. von 11 Uhr bis 19 Uhr (Einlass ab 10 Uhr)
14.10. von 9.30 Uhr bis 15.30 Uhr.
Der israelisch-palästinensische Konflikt, mit dem Ende September 2000
begonnenen Aufstand der Palästinenser in den von Israel seit 1967 besetzten
Gebieten wieder in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt,
hat durch die jüngsten Terroranschläge in den USA an Aktualität
noch gewonnen. Er ist in der deutschen Linken heftigst umstritten. Die Zeitschrift
konkret und einige kleinere linke Zeitschriften führen seit dem vergangenen
Jahr eine Kampagne, die, im mildesten Falle, für den israelischen Standpunkt
wirbt, häufig aber alle Kritik an der israelischen Besatzungspolitik unter
Antisemitismusverdacht stellt.
Diese Kampagne findet nicht zuletzt bei jungen Menschen Resonanz - zurecht erschüttert
von den Verbrechen des deutschen Faschismus, konfrontiert mit der Heuchelei
einer Gesellschaft, die antisemitische Äußerungen und Taten offiziell
missbilligt, aber kaum ernsthaft verfolgt und vor allem das Gros der Täter
von damals in allen Ehren "integriert" hat, empfinden sie die Solidarisierung
mit dem jüdischen Israel als moralische Verpflichtung. Kenntnisse über
die Geschichte Palästinas und Israels, über die zionistische Ideologie
und über die reale Situation in der Region fehlen weitgehend.
Die Tagung will hier gegensteuern. Es soll kein Bogen um die "Meta-Diskussion"
über den richtigen Umgang mit dem Nahostkonflikt gemacht werden, und so
wurden auch Vertreter der konkret-Position eingeladen (mit Hermann Gremliza
wird sich sogar der Herausgeber und Inspirator dieser Zeitschrift an der Debatte
beteiligen); hauptsächlich aber sollen die Entwicklungen und Probleme "vor
Ort" analysiert und in ihre globalpolitischen Zusammenhänge gestellt
werden. Die Konferenz wird in Zusammenarbeit mit den Marxistischen Blätter
vorbereitet, die Ende Juni d.J. ein Sonderheft zum Thema veröffentlicht
haben.
Die kurzen (max. 30-minütigen) Referate sind als Diskussionsimpulse gedacht.
Die Reihenfolge der Beiträge bei der Tagung wird selbstverständlich
nach inhaltlichen Gesichtspunkten festgelegt. Mitte September lagen Zusagen
für folgende Beiträge vor (mit weiteren ReferentInnen ist zu rechnen):
Dr. Wolfgang Bator (Oranienburg; ehem. DDR-Botschafter in arabischen
Ländern): Sozialökonomische Wurzeln des israelisch-palästinensischen
Konflikts + Daniel Blank (Münster, Politologe): Die Kommunisten
Israels zu Antisemitismus und Zionismus
Prof. Dr. Alexander Flores (Bremen, Islamwissenschaftler): Islamistische
Strömungen in Palästina
Hermann L. Gremliza (Hamburg, konkret-Herausgeber): Israel, die Palästinenser
und wir
Irit Neidhardt (Münster, Kulturwissenschaftlerin): Israelische und
palästinensische Filme als Spiegel gesellschaftlicher Probleme
Thomas von der Osten-Sacken (Frankfurt/M., Journalist [konkret, jungle
world]): Droht der Ausschluss Israels aus der "westlichen Wertegemeinschaft"?
Klaus Polkehn (Berlin, Journalist, Herausgeber der Palästina-Nachrichten):
Die DDR und der israelisch-palästinensische Konflikt
George Rashmawi (Hennef; Mediziner, DFLP): Vorschläge der palästinensischen
Linken zur Lösung des Nahostkonflikts
Dr. Viktoria Waltz (Uni Dortmund): Veränderungen in den besetzten
Gebieten seit Beginn des Friedensprozesses
Dr. Ludwig Watzal (Bonn, Politologe, Publizist): Die Revision des Zionismus
als ein Weg zum Frieden in Nahost
NN: Die Rolle Israels in der Nahoststrategie der USA und der EU
Kostenbeitrag für die Tagung: 20 DM; Geringverdienende 10 DM.
Koordination und Auskünfte zur Tagung bei: Hermann Kopp E-mail: gblomberg@t-online.de
oder Telefon: 0211.6802828
www.terz.org - 27.09.2001