Lausige Zeiten
geh dahin, wo der radi wächst!
Dicke Lippe und rechter Populismus wie Koch&Stoiber sind Merkmale von Düsseldorfs
OB Erwin: Ob Vertreibungsaktionen und rassistische Sprüche gegen Roma oder
aggressiver Standort-Wahn - Erwin hat sein Amt als autokratischer Stadtfürst
ausgeführt; ein fäusteschwingender Rechtsanwalt mit eingefrorener
Grimasse, der in der Landeshauptstadt auf Provinz-Berlusconi gemacht hat.
Wie er sich das Recht auf freie Meinungsäußerung vorstellt, zeigt
er dem PDS Ratsabgeordneten Laubenburg. Nachdem ihn Laubenburg wegen der Verhinderung
der Demonstration der Roma anzeigte, eilte Erwin zum Kölner Landgericht,
daß eine "Unterlassungserklärung" erlassen hat. Demnach
darf der PDS Abgeordnete unter Androhung einer Strafe von 250.000 Euro nicht
mehr behaupten, daß Erwin unter Mißbrauch seines Amtes wiederholt
Kundgebungen demonstrierender Roma in Düsseldorf behindert habe. Doch bald
dürfte es sich ausgestoibert haben!
Nachdem die CDU in der Bundestagswahl in Düsseldorf ein verheerendes Ergebnis
geholt hat, ist Erwin weg vom Fenster. Nach Infos der TERZ stellt die CDU ihren
Einfallspinsel zur nächsten Wahl nicht mehr auf. "Sie sind meine zweite
Familie", so hieß Erwins letzter Wahlkampf-Slogan. Davon werden wir
nun bald erlöst sein!
nazis und kein ende
Allein im August fanden 353 rechte Straftaten statt, darunter auch mit einem
Todesopfer. Aufgrund einer Anfrage der PDS-Abgeordneten Ulla Jelpke teilte dies
die Bundesregierung mit. Damit finden jeden Tag 11 rechte Straftaten statt.
Die Dunkelziffer liegt jedoch höher, da zum einen nicht alle gemeldet werden
und außerdem nicht alle rechte Straftaten von den Behörden als solche
angesehen werden. Aufgrund der Zahlen muten die Behauptungen von Bundesinnenminister
Schily und anderen über einen angeblichen Rückgang rechter Gewalt
schon reichlich merkwürdig an.
alles ganz anders?
Vor einiger Zeit sind zwei Polizeibeamte zum Mindestmaß von sechs Monaten
auf Bewährung verurteilt wurden. Sie hatten einen Jungen misshandelt, um
an den Aufenthaltsort seines gesuchten Bruders zu gelangen, den sie dann auch
fanden (Terz berichtete). Außerdem hätten sie ihn nicht über
sein Aussageverweigerungsrecht informiert. Gegen das Urteil legte nicht nur
die Staatsanwaltschaft, sondern auch die beiden verurteilten Beamten Revision
ein. Der Polizeihauptmeister Frank J. (37) und sein Kollege Andreas N. (27)
fühlen sich unschuldig, da der Gesuchte als Spitzel im Auftrag der Polizei
tätig war. Davon wussten die beiden Beamten jedoch nichts. An der Tatsache
der Misshandlung ändert dies allerdings nichts. Es zeigt jedoch das Vorgehen
der Polizei. Sie fühlen sich zu Unrecht verurteilt, da es normalerweise
weder zu Anklagen noch zu Verurteilungen von Polizeibeamten, die Leute misshandeln,
kommt. In diesem Fall war es jedoch anders, da die "polizeifreundliche"
Mutter sich angeblich bei der Polizei beschwerte und diese eine Ermittlung gegen
die Beamten einleitete. Der Staatsanwalt legte Berufung ein, weil er die beiden
verurteilt sehen möchte, da sie auch bei der Festnahme des Gesuchten äußerst
brutal zu Werke gingen.
indymedia rules
Während sich die Linke an dem Internetportal Indymedia gerade die Krallen
wetzt, wurde die Seite mit den Informationen über weltweite Geschehnisse
abseits der Presseagenturen mit dem "Poldi Award" geehrt. Das Pikante
daran ist, dass es sich um einen Preis der Bundeszentrale für politische
Bildung handelt. Diese ist dem Innenministerium unterstellt. Die selbigem gleichfalls
unterstellte Verfassungsschutzbehörde versucht seit geraumer Zeit, mittels
Spitzeln Indymedia auszuforschen und ehrte die Seite mit einem Eintrag im Verfassungsschutzbericht.
Das führte dann auch zu wutschnaubenden Ausbrüchen seitens des stellvertretenden
Chefs der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Bosbach.
augen zu und abgehoben
Es bedarf einer gehörigen Portion Unverfrorenheit, in dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts
Münster keine Niederlage für den Düsseldorfer Flughafen zu sehen.
Das Gericht stellte fest, dass die Vereinbarung des Flughafens mit den Nachbargemeinden
aus dem Jahre 1965 weiterhin Gültigkeit besitzt. Der Flughafen sah sich
vorher an den sogenannten Angerland-Vergleich nicht mehr gebunden, der den Ausbau
des Flughafens über die Grenzen von 1965 verhinderte. Die Flughafengesellschaft
möchte jedoch ihre Start- und Landebahnen ausbauen und fühlte sich
an das Abkommen nicht gebunden. Nun muss sie erst mal wieder Verhandlungen mit
den Nachbargemeinden aufnehmen.
west lb im visier
Die Westdeutsche Landesbank, an der maßgeblich das Land NRW beteiligt
ist, steht weiterhin in der Kritik. Die West LB finanziert einen Pipeline-Bau
in Ecuador, bei dem nicht nur die Umwelt arg in Mitleidenschaft gezogen wird,
sondern auch die dort lebenden Menschen. Greenpeace hat seine Aktionen gegen
die Bank weitergeführt, in dem sie u.a. ein etliche Meter großes
Plakat gegen die West LB an dem Gebäude festmachte. Weiterhin seilten sich
an mehreren Tagen Aktivisten der Organisation am Gebäude ab.
neues von der metrorapid-front
Der Metrorapid bringt die seltsamsten Verbindungen zustande. Schließlich
ist es äußerst selten, dass die Terz gemeinsam mit der CDU gegen
etwas ist. So uneinheitlich zeigt sich auch das Bild im Land. Während die
rot-grüne NRW-Landesregierung weitestgehend einstimmig, wenn auch mit Bauchschmerzen,
zu dem Plan des Metrorapid steht, sieht das die Basis teilweise ganz anders.
Da sprechen sich Ortsvereine gegen die Pläne aus. Bemerkbar machte sich
das auch in den Regionalräten. Die wurden mehr oder weniger freundlich
angewiesen, die Änderungen des Gebietsentwicklungsplanes, die durch den
Bau der Magnetbahnstrecke notwendig werden, abzusegnen. Das sah die Mehrheit
aus CDU und Grünen jedoch ganz anders. Notfalls will die Landesregierung
die Einwände der Regionalräte einfach übergehen. Aber auch von
anderer Seite droht dem Prestigeprojekt Ungemach. Trotz des erst kürzlich
gemeinsam unterzeichneten Abkommens zwischen dem Land NRW und der Bahn nimmt
sich die Bahn das Recht heraus, bei einer fehlenden Finanzierungssicherheit
das Abkommen zu kündigen. Bis nächstes Jahr hat die Landesregierung
Zeit, für das 3,2 Milliarden-Euro-Projekt geeignete Finanziers zu finden.
Damit sieht es wohl im Moment noch reichlich mau aus.
heimat, süße heimat ...
Die propagandistische Schlacht um die Herzen und Hirne der noch nicht folgsamen
Untertanen in Sachen Olympia fängt nun gerade erst so richtig an. Das ließ
auch die Gegner nicht ruhen. Die Löricker Bürger, die gegen Olympia
in ihrem Vorgarten mobil machen, stellten eine Postkartenserie mit 18 Motiven
vor. Unter dem Motto: "Besuchen Sie Lörick, so lange es noch steht"
werden heimelige Aufnahmen von Lörick gezeigt. Da sieht man gleich, dass
die heimische Scholle erhalten bleiben muss. Eine Kartenserie, die so niemandem
weh tut und überflüssig wie ein Kropf ist. Olympia nix gut!
eine einmalige gelegenheit
Diese hat die Stadt Düsseldorf verpasst. Das bisher in Mülheim an
der Ruhr beheimatete Roma Theater "Pralipe" wollte nach Düsseldorf
ziehen. Das international angesehene Ensemble bringt seine historischen und
aktuellen Stücke in eigener Sprache auf die Bühne. Wer glaubt, das
funktioniere nicht beim deutschsprachigen Publikum, sollte sich mal eine Aufführung
ansehen. Die ausdrucksstarken DarstellerInnen schaffen es mit Leichtigkeit,
die sprachlichen Hemmnisse zu überwinden. Doch muss man vielleicht demnächst
weit reisen, um sie zu sehen. Die Stadt Düsseldorf zeigte keinerlei Interesse.
es soll brennen
Was man allgemein mit einem Feuerzeug macht, dürfte bekannt sein. Das Massenmittel
zwingt geradezu zur Individualität, um sich von den anderen abzusetzen.
Insofern gibt es unzählige Motive, die von einigen Zeitgenossen auch fleißig
gesammelt werden. Ein ganz seltenes Exemplar sackte in Monheim die Polizei ein.
Erbost wurden sie von Stadtfestbesuchern auf die Feuerzeuge aufmerksam gemacht.
Man sah die Twin Towers mit einem Flugzeug darin, und davor Bin Laden in siegreicher
Pose. Nun lässt sich über Geschmack sicherlich streiten, warum gegen
die Verkäufer aber wegen Volksverhetzung ermittelt wird, bleibt wohl das
Geheimnis der Ermittler.
übereifrige bgs'ler
Dass es durchaus ein paar wenige Gesetze gibt, die das Agieren von Polizeibeamten
einschränken, mussten drei Beamte des Bundesgrenzschutzes (BGS) erfahren.
Sie drangen am 13. Juni 2002 in eine Privatwohnung ein und durchsuchten sie
fast eine Stunde lang. Vorher hatten sie einen Mann festgenommen, der möglicherweise
ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland lebt. Bei ihm hatten sie einen Wohnungsschlüssel
gefunden, den sie benutzten, um in seine Wohnung zu gelangen. Sie entwendeten
zwei Computer, einen Laptop und 30 Disketten. Die Beamten stützen sich
dabei auf die Anordnung eines Staatsanwaltes, einen geforderten richterlichen
Durchsuchungsbefehl hatten sie jedoch nicht, da der Richter in der Mittagspause
war. Sie begründeten ihre illegale Durchsuchung mit "Gefahr im Verzuge"
- ein Gummiparagraph, mit dem sich in der Regel jede Durchsuchung rechtfertigen
lässt. Diesmal fand sich jedoch ein Richter, der auf die Beschwerde des
Durchsuchten reagierte, indem er die Unrechtmäßigkeit der Durchsuchung
feststellte. Die beschlagnahmten Sachen mussten wieder herausgerückt werden.
humane abschiebung
Im vergangenen Jahr wurden alleine vom Düsseldorfer Flughafen 4608 Menschen
abgeschoben. Damit ist der Düsseldorfer Flughafen der zweitgrößte
Flughafen hinter Frankfurt, über den Abschiebungen abgewickelt werden.
Immer noch gibt es heftige Proteste von verschiedenen Gruppen gegen die Abschiebepraxis.
Dabei wird immer wieder von Gewalttätigkeiten der beteiligten Beamten berichtet.
Doch statt die Bedingungen zu verändern, fanden sich staatliche Dienststellen
und Nichtregierungsorganisationen - darunter die evangelische Kirche im Rheinland
und amnesty international - zusammen und schufen die Stelle eines "unabhängigen
Abschiebungsbeobachters". Uli Sextro begleitet seit einem Jahr Abzuschiebende
und Beamte von der Ankunft auf dem Flughafen bis zur Gangway. Insgesamt fand
er das Verhalten der Beamten OK. Ob es wirklich so ist, er nur Angst um seine
bedrohte Halbtagsstelle hat oder die Beamten sich nur in seinem Beisein korrekt
verhalten, mag dahingestellt sein. An der Abschiebung ändert dies nichts.
Er ist das Zwischenglied zwischen Beamten und Abzuschiebenden. Damit die Abschiebung
reibungslos klappt, ist es notwendig, dass sich die Abgeschobenen nicht wehren.
So redet der gute Politologe noch mal nett mit ihnen. Ein typisches rot-grünes
Projekt, dass den Gewaltakt der Abschiebung nicht verändert.
keine abschiebung
Dass es auch ganz anders geht, zeigt eine Mitteilung der Gruppe "kein mensch
ist illegal". Ein Fluggast verhinderte am Flughafen Berlin-Tegel die gewaltsame
Abschiebung eines jungen Mannes. Der Abschiebehäftling sollte in Begleitung
des BGS mit einem Linienflug der ungarischen Fluggesellschaft MALEV von Berlin
via Budapest abgeschoben werden. Der Fluggast, der das Vorhaben bemerkte, weigerte
sich hartnäckig, seinen Platz in der Maschine einzunehmen und blieb im
Gang stehen. Nach längerem und heftigem Wortwechsel entschied der Flugkapitän
daraufhin, weder den Fluggast noch den Abschiebehäftling mitfliegen zu
lassen.
Unter Androhung von Gewalt zwang der BGS den Fluggast, die Maschine zu verlassen
und drohte mit Schadenersatzforderungen wegen der gescheiterten Abschiebung.
"Unser Aufruf zur Zivilcourage gegen Abschiebungen in der deportation.class
zieht offenbar immer größere Kreise", freut sich Jan Hoffmann
von "kein mensch ist illegal": "Mit Aktionen auf Flughäfen
im In- und Ausland, in Reisebüros und im Internet haben wir die Öffentlichkeit,
auf die alltägliche Abschiebepraxis der europäischen Luftfahrtgesellschaften
aufmerksam gemacht. Dieser Akt der Zivilcourage macht uns Mut, die deportation.class-
Kampagne gegen die Lufthansa und andere Fluggesellschaften fortzusetzen."
Zur Nachahmung empfohlen.
Siehe auch http://www.deportation-alliance.com
konsum, konsum
Was das Frönen im Konsumrausch nicht alles stört. Schon vor jeder
Großdemo in der Stadt wettert der Einzelhandelsverband, dass das den Kaufrausch
der Kunden stört - und das bei den schlechten Umsätzen. So finden
mehrmals im Jahr Sonderaktionen statt. Mal ist es ein verlängerter Einkauf,
mal ein verkaufsoffener Sonntag zur wahren Freude der Angestellten, die dieses
Spielchen mitmachen müssen. Für diese Sonderregelungen gibt es rechtliche
Bestimmungen. An solche Nichtigkeiten mag sich Ordnungsdezernent Leonhardt als
Verantwortlicher für die Genehmigungen in der Stadt jedoch nur ungern halten.
Schließlich soll alles zum Wohle der Stadt ablaufen, da darf man nicht
kleinlich sein. So brachte im März Leonhardt eine Vorlage ein, die für
den Samstag, den 2. November verlängerte Öffnungszeiten vorsah, aus
Anlass der Messe Glastec. Das wäre auch so gelaufen, wenn nicht ein Abgeordneter,
der berechtigte Zweifel an jeder Aussage aus dem Hause Leonhardt hat, mal in
seinen Kalender nachgeschaut hätte. Und siehe da, der PDS-Stadtabgeordnete
Laubenburg sah, dass die Ausstellung schon am 1. November ihre Pforten schließt.
Damit ist aber auch der Anlass für verlängerte Öffnungszeiten
nicht gegeben. Ordnungsgemäß sah das der Rechtsdezernent, auch mit
Namen Leonhardt, ganz anders. Demnach zählt auch der Auf- und Abbau für
ihn zur Messezeit. Eine kuriose Ansicht, der sich aber trotz allem im Rat die
CDU, FDP und eine große Mehrheit der SPD anschloß.
Daraufhin beantragte die Gewerkschaft ver.di eine Überprüfung bei
der Kommunalaufsicht. Die befand dann auch, dass Leonhardts Rechtsauffassung
nicht haltbar ist und somit die Sonderöffnung vom Rat zurückgenommen
werden muss. Das war jedoch nicht der erste Fall. Leonhardt versucht notorisch
an den Gesetzen vorbei, seine Sicht der Dinge durchzudrücken. Dies war
nun sein vierter Versuch, eine rechtswidrige Sonderöffnung zu erreichen.
drogen auf rezept
Es hat ja lange gedauert. Jetzt endlich gibt es auch eine Methadon-Ambulanz
in der Düsseldorfer Innenstadt. Die in ehemaligen Bankräumen auf der
Graf-Adolf Str. 76 untergebrachte Ambulanz soll vorerst 25 schwerstabhängige
Drogenkonsumenten behandeln. Hier soll die Aufnahme, anders als in den anderen
Drogenambulanzen in der Stadt, innerhalb von 36 Stunden erledigt sein. Anders
ist auch, dass der Beikonsum von anderen Drogen erlaubt ist. Nach einer Urinprobe
ermittelt ein Computer die Menge des einzunehmenden Methadons. Es ist die Düsseldorfer
Antwort auf Fixerstuben, den die CDU/ FDP-regierte Stadt, trotz eines Ratsbeschlusses,
nicht umsetzen will. Methadon selber ist jedoch auch eine Droge, deren Abhängigkeitspotential
von vielen Ärzten sogar größer eingeschätzt wird als von
Heroin. Der Vorteil ist, dass ein Leben mit der Droge möglich ist und damit
auch der Drang, das benötigte Geld für die Drogen zu besorgen, weitestgehend
entfällt. Das wäre aber auch mit einer Heroinabgabe möglich.
www.terz.org - 14.9.2002