Zum zweiten Mal in Folge gab die Mehrheit der wählenden Studierendenschaft
der Heinrich-Heine-Uni der Liste "Marxistischer Spartakus Bund (MSB), FachschafterInnen
und Multiple Choice" ihre Stimme. Seit einem Monat ist nun der neue Vorstand
des allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) im Amt. TERZ führte ein Interview
mit dem Vorsitzenden und seiner Stellvertreterin.
T: Stellt Euch doch bitte kurz vor, und erzählt, wo ihr herkommt.
Eva: Also, ich bin 25, studiere Literaturübersetzen und mache seit längerer
Zeit Fachschaftsarbeit.
Thorsten: Ich komme ebenfalls aus den Fachschaften und studiere Geschichte,
Politikwissenschaften und Sozialwissenschaften. Ich bin vor eineinhalb Jahren
an den AStA geraten, als die ersten Proteste gegen den "Qualitätspakt"
und die Schließung von mehreren Studiengängen angefangen haben. Während
sich Eva als Fachschaftlerin versteht, sind Tobias und ich als Mitglieder des
MSB im Amt.
T: Ihr seid nach der "heißen Phase" der Studiproteste ins
Amt gekommen. Wie schätzt ihr momentan die Situation ein, gerade nach den
Semesterferien? Wie geht's weiter, macht der Protest überhaupt noch Sinn?
Eva: Natürlich ist in den Semesterferien weniger gelaufen, aber das ist
normal. Wir wollen im kommenden Semester den sogenannten "AK Rest",
also die Leute, die auch während der vorlesungsfreien Zeit an Aktionen
überlegt haben, reaktivieren und vergrößern. Gemeinsam planen
wir eine Veranstaltung zum Thema GATS. Außerdem steht als "größerer"
Aktionstag für uns der 18. Dezember an. Dort wird nämlich im Landtag
über den Gesetzentwurf für die Langzeitstudiengebühren und die
Studienkonten entschieden. Wir hoffen, dass sich dazu dann noch mal viele KomilitonInnen
mobilisieren lassen.
Thorsten: Der Protest macht nach wie vor Sinn. Gerade was die Langzeitstudiengebühren
betrifft, gibt es juristische Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Dabei
geht es um die Übergangsfrist, die hier nicht eingehalten wird. Die Leute
haben ihr Studium unter der Voraussetzung der Kostenfreiheit aufgenommen, eine
plötzliche Erhebung von Gebühren kommt unserer Meinung nach einem
Vertragsbruch gleich. Wir prüfen gerade die rechtlichen Möglichkeiten.
Zum Sommersemester 2003, wenn der oder die erste zahlen muss, können wir
dann gleich die erste Klage einreichen und sehen, ob wir Erfolg haben.
T: Hat der Beschluss von Langzeitstudiengebühren Auswirkungen auf Eure
Arbeit bzw. die Arbeit des AStAs ?
Thorsten: Ja klar. Wir merken die Auswirkungen jetzt schon. Viele von uns, also
die AStA MitarbeiterInnen, müssen sich zum Teil überlegen, ob sie
sich ein weiteres Semester AStA - Arbeit überhaupt leisten können.
Und auch viele von den neuen Leuten werden leider zweimal abwägen, ob sie
ihr Studium mit einem Engagement in der Studivertretung vereinbaren können.
Wer sein Studium schnell durchziehen muss, wird noch weniger dazu bereit sein,
über den Tellerrand des eigenen Fachs hinauszuschauen. Langfristig kann
dies schon die politische Arbeit des AStAs und die praktische Unterstützung
und Beratung der Studis einschränken .
T: Die Studiengebühren bleiben also auch weiterhin ein Thema?
Eva: Ja, im nächsten Semester wird der Widerstand gegen ein kostenpflichtiges
Studium unser Hauptthema bleiben.
Thorsten: Dem kann ich nur zustimmen. Wie Eva eben schon sagte, werden wir uns
auch allgemein mit Bildungspolitik auseinandersetzen, Stichwort GATS (General
Agreement on Trade in Services = Allgemeines Abkommen beim Handel mit Dienstleistungen)
zum Beispiel. Der Trend zur Privatisierung macht auch nicht vor der Hochschule
halt. Allgemeine politische Zusammenhänge sind mit Hochschulpolitik untrennbar
verbunden. Das auszuklammern wäre ebenso unmöglich wie sinnlos, auch
wenn immer mal wieder versucht wird, das "allgemeinpolitische Mandat"
des AStA anzugreifen.
T: Gibt's noch was, was ihr gerne an die Erstsemester loswerden wollt?
Eva: Zu Semesterbeginn gibt's eine Vollversammlung, in der wir den neuen AstA
vorstellen werden und alle auf den neusten Stand der Dinge bringen möchten.
Wir wollen dort zusammen weitere Schritte planen und würden uns freuen,
wenn auch viele Erstsemester daran teilnehmen würden.
Thorsten: Ich würde mir wünschen, dass sich die Leute kritisches Denken
bewahren. Und dass ein Studium nicht nur Karriere und Leistung bedeutet, sondern
auch die Teilhabe an einem solidarischen Miteinander und politischer Mitbestimmung.
Ich hoffe, dass auch die neuen Studis Widerstand gegen Bildungsabbau leisten,
allen Langzeitstudigebühren zum Trotz.
T: Vielen Dank für das schöne Schlusswort und das Interview.
Der neue AstA hat das Konzept der offenen Tür beibehalten. Das heißt,
der AstA Vorstand ist fast immer besetzt und es ist jederzeit möglich,
jemanden vom Vorstand zu sprechen oder einfach einen Kaffe zu trinken.
Im AstA Gebäude findet ihr auch die einzelnen Referate, und das AstA Gebäude
25.31 findet ihr hinter der Unibibliothek.
www.terz.org - 24.9.2002