In nahezu jedem Bereich der Hochschulen gibt es studentische Hilfskräfte.
Allerdings existieren für diese kaum Rechte. So gibt es in Nordrhein-Westfalen
keinen Anspruch auf Personalvertretung, Urlaubsgeld, Lohnerhöhung oder
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Auch von Kündigungsschutz oder von Planungssicherheit
- es gibt keine Verträge, die länger als 6 Monate laufen - kann keine
Rede sein. Ein Blick nach Berlin zeigt, daß es auch anders geht. Dort
existiert seit 1979 ein gesonderter Tarifvertrag mit einem Stundenlohn zwischen
10,22 und 10,98 Euro, Überstunden- und Nachtzuschlägen, 31 Urlaubstagen,
100% Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ab dem ersten Tag, einer Vertragslaufzeit
von 4 Semestern, Kündigungsschutz und einem Recht auf Personalratsvertretung.
Nach einem Gerichtsurteil des Europäischen Gerichtshofes müssen geringfügig
Beschäftigte (unter 325 Euro pro Monat, seit dem 1. April 400 Euro) nach
dem Bundesangestelltentarifvertrag bezahlt werden. Diese Regelung gilt seit
dem 1. Januar 2002. Für die studentischen Hilfskräfte bedeutet das,
daß alle, die im nicht-wissenschaftlichen Bereich, z.B. Bibliothek, Hochschulrechenzentrum
oder Audiovisuellem Zentrum arbeiten, auch nach BAT behandelt werden müssen.
Dies würde eine Lohnerhöhung auf ca. 10 Euro/Stunde und alle sozialen
Sicherungen, die es auch in Berlin gibt, nach sich ziehen.
Allerdings wird dies bisher weder vom Land noch von unserer Hochschule umgesetzt.
Um diese berechtigten Forderungen umzusetzen, haben wir zusammen mit dem Netzwerk
scudag in Nordrhein-Westfalen eine landesweite Tarifinitiative gegründet
und beteiligen uns auch an der bundesweiten Tarifinitiative, die sich zusammen
mit den Gewerkschaften GEW und ver.di nicht nur für die Umsetzung geltenden
Rechts stark macht, sondern auch einen Tarifvertrag für wissenschaftliche
(z.B. TutorInnen) und nicht-wissenschaftliche studentische Hilfskräfte
erkämpfen will.
An vielen Hochschulen fanden Informationsveranstaltungen von Seiten der ASten
statt. Im kommenden Wintersemester wird diese Informationskampagne verstärkt
weitergeführt.
Also, wenn ihr ein Interesse daran habt, eure Rechte durchzusetzen, meldet euch
möglichst zahlreich in euren ASten oder direkt bei der nordrhein-westfälischen
Tarifinitiative.
TOBIAS
Für weitere Informationen:
www.tarifini.de oder mailt eure Fragen an tarifini@yahoo.de
oder an
tarifini-nrw@asta.uni-dortmund.de
FALSCH VERBUNDEN
Spätestens bei der Einschreibung geraten Studenten und in weitaus geringerem
Maße auch Studentinnen in das Visier von Verbindungen auf der Suche nach
Nachwuchs. Meist tragen ihre Werber seltsame Bänder über der Brust
und entsprechende Mützen, sind adrett gekleidet und bewerben Vereine mit
latinisierten Namen, etwa Teutonia. Bei den meisten StudentInnen sind diese
Verbindungen verschrien als versoffene, rückwärtsgewandte und irgendwie
komische Männerhorden aus der Mottenkiste des Fremdenverkehrsamtes von
Heidelberg, die sich zudem gegenseitig mit Säbeln unvorteilhafte Narben
ins Gesicht schlagen und darauf auch noch stolz sind. Was hat es also auf sich
mit den Männern, die dich, angetan mit seltsamen Schärpen und Mützen,
zur Party oder sogar zum Wohnen "auf" ihr Haus einladen und dir mal
eben so im Vorbeigehen lebenslange Freundschaft versprechen?
KOMISCHE FREUNDE
Die "Freundschaft" hat einen sehr funktionellen Hintergrund - und
deutliche Schattenseiten. In ihrem Mantel kommt ein Kollektivgedanke daher,
der die Interessen der nach bestimmten Kriterien zusammengesetzten Gruppe über
die des Einzelnen stellt - und Abweichler müssen Demütigungen und
manchmal sogar schwere Sanktionen vom Zwangssaufen über Redeverbot bis
hin zum eingesperrt werden in Kauf nehmen. Verschiedene in Verbindungskreisen
übliche Bräuche dienen dazu, eine verbindungsinterne Hierarchie zu
zementieren, an deren Spitze die Alten Herren, darunter die aktiven studentischen
Mitglieder ("Aktivitas") und ganz unten die Neuanwärter ("Füxe")
stehen. So dienen Trinkrituale beispielsweise dem Zweck, den Rangniederen ihre
mangelnde Standhaftigkeit vor Augen führen - alkoholische Getränke
in großen Mengen zu vertragen ist mithin ein Zeichen für Männlichkeit.
Der gemeinsame Drogenkonsum ist als Belastungsprobe angelegt. Das Einüben
von Hierarchien ist zentraler Inhalt vieler solcher Bräuche und Rituale.
Doch was bringt eine so geartete Sozialisation mit der beruflichen Protektion
der Alten Herren wirklich? Es erscheint fragwürdig, ob ein System, das
Elitegedanken, Führen und Gehorchen, Herrschaft und Unterordnung propagiert,
tatsächlich einen gangbaren Weg in die heutige Arbeitswelt bahnen kann:
Flachere Hierarchien in Betrieben, Teamfähigkeit, Flexibilität und
soziale Kompetenz sind in der Wirtschaft Maßstäbe, die den in Verbindungen
gepflegten Idealen diametral entgegenstehen. Die Großfabrik, an deren
Spitze ein allmächtiger Boss steht, befindet sich auf dem Rückzug
als Arbeitsplatz für AbsolventInnen.
EIN FRAGWÜRDIGER SPASS
Wer wird eigentlich in eine Verbindung aufgenommen? Nicht willkommen sind nach
wie vor in über 90% der Fälle Frauen als Mitglieder: Vielmehr werden
sie gerne als hübsch anzusehendes, als "Damen" tituliertes "Beiwerk"
auf Verbindungshäusern gesehen - mit eindeutigen Absichten. Das Gros der
Verbindungen versteht sich traditionell als "Männerbünde",
in denen bestimmte Vorstellungen von "Männlichkeit" wie Härte,
Wehrhaftigkeit, Unterordnung unter die Gemeinschaft vermittelt werden. Eine
auf das Männliche ausgerichtete Weltordnung wird propagiert, und alles
Weibliche, worunter auch schwache Männer fallen, als Makel gewertet. So
nimmt ein großer Teil der Verbindungen keine Wehrdienstverweigerer auf,
da diese ihr Vaterland nicht zu verteidigen bereit seien.
Wehrhaftigkeit ist vor allem bei sogenannten "schlagenden" Verbindungen
ein wichtiger Aspekt: Das dort Betriebene verzichtet im Gegensatz zum Sportfechten
auf den größtmöglichen Schutz, und Narben im Gesicht werden
als vorzeigbarer Beweis gewertet, daß man gewillt und in der Lage ist,
im wörtlichen Sinne den Kopf für die Verbindung, das Vaterland oder
was auch immer, hinzuhalten. Das "Vaterland" bildet einen zentralen
Bestandteil des verbindungsstudentischen Wertekanons und findet sich in der
Trias "Ehre - Freiheit - Vaterland" im Motto des zweitgrößten
und einflußreichsten Dachverbandes DB (Deutsche Burschenschaft). Tatsächlich
wird der Begriff "Vaterland" von verschiedenen Verbindungen unterschiedlich
interpretiert - von "Verfassungspatriotismus" bis zu großdeutschen
Vorstellungen ist hier das gesamte Spektrum national-konservativer bis völkisch-nationalistischer
Ansichten vertreten. Es verwundert indes kaum, daß "Ausländer"
in einem Großteil der Verbindungen nicht aufgenommen werden.
HOCHACHTUNG FÜR NAZIS
Für Jungnazis und generell Rechtsextreme sind Verbindungen natürlich
attraktiv: Klare Hierarchien, klare Geschlechterrollen, Akzeptanz für rechte
Parolen, männerbündische Geselligkeit mit viel Bier - den meisten
Jungnazis gefällt sowas. Kein Wunder, daß Verbindungen ein Tummelplatz
für Ultrarechte sind, die in einigen Verbindungen und Dachverbänden
sogar hegemonial sind. Als Musterbeispiel dafür gelten die in der DB zusammengeschlossenen
Burschenschaften. Seit Jahren wird dieser Verband dominiert von der Verbandsströmung
Burschenschaftliche Gemeinschaft, die eindeutig der extremen Rechten zuzuordnen
ist und keinerlei Abgrenzung zu gewalttätigen und terroristischen Neonazis
erkennen lassen. Bekannteste Beispiele sind die Danubia München, die neonazistische
Straftäter in ihrem Verbindungshaus versteckten oder die in Aachen ansässige
Libertas Brünn, die zeitweilig den zu einer mehrjährigen Haftstrafe
verurteilten Naziterroristen Markus Kahlenborn zu ihren Mitgliedern zählte
- was die anderen Burschenschaften nicht davon abhielt, die Aachener Liberten
als vorsitzende Burschenschaft an die Spitze des Verbandes zu wählen. Kein
Wunder, daß das NPD-Zentralorgan "Deutsche Stimme" ihre jugendliche
Leserschaft dazu aufrief, in DB-Burschenschaften einzutreten und dabei glaubwürdig
versprechen konnte, in jeder Universitätsstadt lasse sich eine geeignete
Burschenschaft finden. Erwünscht ist die allzu offenkundige Nähe zu
gewaltbereiten Neonazis bei den meisten Rechten und Ultrarechten im Verbindungswesen
nicht. Denn die vorrangige Strategie besteht darin, unauffällig zu studieren,
abgeschottet in den Verbindungshäusern rechtsgerichtete "Fortbildung",
meist in Form von Vortragsveranstaltungen, zu betreiben, in der Seilschaft Karriere
zu machen und aus einer Machtposition gegen die "Feinde Deutschlands"
vorzugehen. Warum sollte jemand auch handgreiflich gegen ImmigrantInnen oder
"linke Zecken" vorgehen, der auch als Staatsanwalt oder Vorgesetzter
im Betrieb in dieser Hinsicht wirken kann? "National gesinnte Menschen
in führende Berufe entsenden" hat der ehemalige Innenminister und
Corpsstudent Manfred Kanther das einmal genannt. Doch obwohl offen vorgeführter
Neonazismus der von Kanther formulierten Strategie eher widerspricht, distanzieren
sich weder die unauffällig-ultrarechten Verbindungen, noch die eher liberal
ausgerichteten von der "peinlichen Verwandtschaft" exponiert neonazistischer
Verbindungen. Danuben, Liberten und Co. bleiben eingebunden in die formellen
und geselligen Strukturen der Verbindungslandschaft. Sowohl auf lokaler Ebene
als auch bundesweit sind Verbindungen in zahlreichen Koordinationsgremien verbunden
und pflegen auch soziale Kontakte. Auch der liberale Verbinder, der betont,
auch "ausländische" Freunde zu haben und die Grünen zu wählen,
sitzt dann mit dem Naziterroristen beim "Kommers" und prostet ihm
freundlich oder pflichtgemäß zu: "Gestatte mir Hochachtungsschluck".
SOLIDARISCH STUDIEREN:
ELITE FÜR ALLE
Verbindungen waren die ersten Formen studentischen Gemeinschaftslebens. Mittlerweile
sind sie überholt: Heute gibt es die verfasste StudentInnenschaft, die
mit der Interessenvertretung aller Studis betraut ist, und zwar unabhängig
von Geschlecht, Nationalität oder Religion. Auch an eurer Uni gibt es Projekte,
Referate, Fachschaften oder Initiativen, in denen mensch zusammen lernen, Spaß
haben, Politik machen, Sport treiben und fast jeder anderen Freizeitbetätigung
nachgehen kann - ganz unverbindlich und offen für alle.
FREIER ZUSAMMENSCHLUSS VON STUDENTINNENSCHAFTEN
www.terz.org - 29.9.2003