deutsche waffen, deutsches geld...
...morden mit in aller Welt! So lautete in Zeiten ader Friedensbewegung vor
dem Zusammenfall der Ostblockstaaten eine Parole auf linken Demos. Seitdem hat
sich viel getan und inhaltlich doch wenig geändert. Die BRD macht mittlerweile
offiziell beim Kriegeführen mit, und die Rüstungsfirmen verdienen
immer noch gut am Krieg. So z.B. der Rüstungskonzern Rheinmetall in Düsseldorf,
dessen Aktienkurs sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt hat. Mit den Produktionsschwerpunkten
Wehrtechnik, Elektronik und Automobilzulieferung hat der M-Dax-Wert des Unternehmens
nach Einschätzung von AnalystInnen noch "einiges an Kurspotenzial".
Da sage noch einer, es gehe nicht aufwärts mit unserem wehrhaften Standort
Deutschland!
kopftuch-alarm
Als ob der fundamentalistische Islam schon vor dem blank gewienerten Hauseingang
rumlungern würde - das Thema der letzten Septemberwoche war das Urteil
des Bundesverfassungsgerichts zum Kopftuchtragen einer Lehrerin. Verwundert
rieb man sich die Augen bei der samstäglichen Lektüre der Düsseldorfer
Haus- und Hofzeitung "Rheinische Post": Nicht nur die früher
als zickige Emanze verschriene Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer durfte in
der Zeitung ihre Ansichten offenbaren, sondern ein paar Seiten später auch
der frühere 68er Revoluzzer, der "Rote Danny" Daniel Cohn-Bendit,
der zum Thema interviewt wurde. Schon vor ein paar Wochen konnte man bei "rp-online"
schlüpfrige Kommentare über die Brustausschnitte diverser Schönheiten
lesen. Ist bei der "Zeitung für Politik und Christlicher Kultur"
der Teufel am Werk? Wobei wir wieder beim Thema wären. Ein kluger Kopf
(Na, wer war das wohl?) sagte einmal: "Religion ist Opium für das
Volk." Ein Spruch, der bis heute gilt. Wohlgemerkt sind damit alle Religionen
gemeint. So wäre es zu begrüßen, dass auch alle Kreuze und anderer
religiöser Schnickschnack an den Hälsen von LehrerInnen sowie der
Religionsunterricht ein für allemal aus der Schule verschwinden würde.
nazis bomben
1,7 Kilogramm TNT und 14 Kilo weiteren Sprengstoff fand die Münchner Polizei
bei Nazis. Den wollten diese u.a. gegen die jüdische Gemeinde München
einsetzen. Das konnte glücklicherweise verhindert werden. Was medial danach
geschah, glich eher einem Possenspiel. Von einer neuen Qualität der Nazis
wurde geredet und über eine "Braune Armee Fraktion" schwadroniert.
So konnte man wieder einmal den Vergleich Rot = Braun hinzuziehen, um zu zeigen,
dass der Rechtsstaat von beiden Seiten gleich bedroht sei. Ein Schwachsinn,
der, so oft man ihn auch wiederholt, nicht richtiger wird. Geflissentlich vergessen
wurde bei der Berichterstattung, dass dies nicht der erste Bombenfund bei Nazis
ist. Das bekannteste Bombenattentat von rechts wurde 1980 in München verübt,
als durch einen Neonazi mit Unterstützung einer Wehrsportgruppe 13 Menschen
getötet und 211 verletzt wurden. Der Platz würde hier nicht ausreichen,
um die komplette Liste der vollzogenen und verhinderten Bombenanschläge
durch Nazis aufzuzählen. Kurz nach dem Fund bei den Münchner Nazis
wurde bekannt, dass eine weitere Bombenbauer-Nazigruppe straffrei ausgeht. 1998
fand die Thüringer Polizei bei Jenaer Neonazis vier funktionsfähige
Rohrbomben mit insgesamt 1,4 Kilogramm des Sprengstoffs TNT. Den drei Neonazis
gelang es trotz scharfer Überwachung, in den Untergrund abzutauchen, aus
dem sie bisher nicht wieder aufgetaucht sind. Die Erfurter Generalstaatsanwaltschaft
bestätigte nun, dass das Verfahren wegen Ablauf der Verjährungsfrist
eingestellt wurde und die Nazis somit straffrei ausgehen. Trotz der für
den Einsatz fertigen Bomben, an denen nur die Zünder noch fehlte, sowie
des Nachweises des Versendens von Briefbombenattrappen wurde ihnen nur eine
Höchststrafe von fünf Jahren angedroht. Die zuständige Geraer
Staatsanwaltschaft hat aus unerfindlichen Gründen in diesem Fall keine
Anklage erhoben und es dadurch ermöglicht, dass die Bombenbauer nun straffrei
ausgehen.
Fast gleichzeitig mit der Festnahme der Münchner Nazis wurden zwei Antifaschisten
in München verurteilt. Ihnen wurde "Aufruf zu Straftaten" vorgeworfen.
Der eine wurde verurteilt, weil er am Tag der Demo gegen einen Naziaufmarsch
in München am 30.11.2002 kopierte Stadtpläne der Umgebung des Naziaufmarsches
verteilt hatte. Die Staatsanwalt sah allein darin eine Aufforderung zur Störung,
dem sich das Gericht willig anschloss. Der zweite ist ein ehemaliger KZ-Häftling,
der nach dem Ende der Kundgebung die Nazi-Gegner durch seine Präsenz am
Goetheplatz unterstützen wollte und sagte, dass jeder seine eigene Entscheidung
treffen müsse, was zu tun sei. Darin sah die Münchner Staatsanwalt
auch ein Aufruf zur Störung. Auch hier schloss sich das Gericht an und
verurteilte den Mann.
drei engel fürs rathaus
Der Theaterregisseur Christoph Schlingensief setzt auf Skandalevents. Sein neuester
Trash ist die Idee einer Kandidatur zur nächsten Düsseldorfer Kommunalwahl,
zusammen mit dem Schauspieler Peter Kern und dem ehemaligen Kopf der rechtsextremen
FWG, Thorsten Lemmer. Schon mit seiner "Hamlet"-Inszenierung mit Lemmer
und anderen Neonazis erprobte Schlingensief erfolgreich das Konzept des politischen
Tabubruchs nach dem Motto "the medium is the message". Was für
Schlingensief wohl eine Form von anarchistischer Intervention gegen das institutionalisierte
Establishment gedacht ist, stellt für den Rechtsaußen-Yuppie Lemmer
ein Forum für die profilneurotische Selbstinszenierung gepaart mit faschistoidem
Populismus dar. Konservative Rebellion gegen das Establishment war immer schon
ein propagandistisches Element faschistischer Bewegungen. Das haben die italienischen
Futuristen vorgemacht, und da scheint nun auch der anarchistische Theaterregisseur
im Zeitalter des medialen Kasperletheaters angekommen zu sein. Er ist nicht
der erste, der vom Anarchisten zum Spießerkasperle mutiert ist. Bohlen-Faschismus
wäre die richtige Bezeichnung für derartige Inszenierungen...
terroristen-verdacht
Kurz bevor die Bombendrohung am Düsseldorfer Flughafen nun als "unpolitische
Tat eines Einzeltäters" aufgeklärt wurde, hatte der Düsseldorfer
Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen: "Im Fokus der Ermittler sind
daher unter anderem Gruppen militanter Abschiebungsgegner, die durchs Land reisen
und mit gezielten Demonstrationen vor Flughäfen das Abschieben von nicht
anerkannten Asylbewerbern zu verhindern versuchen", weiß die R.P.
zu berichten. Weniger ist in der Zeitung des christlichen Abendlandes darüber
zu lesen, wie solche Abschiebungen vor sich gehen. So z.B. die Abschiebung eines
Asylsuchenden, dem BGS-Beamte einen Motorradhelm im Flugzeug aufzogen, damit
dieser sich nicht mehr gegen seine Abschiebung wehren konnte. Der Mann wurde
bei dieser "Ruhigstellung" derartig gequetscht, dass er unter dem
Helm erstickte. Ordnung hat halt ihren Preis...
den bock zum gärtner
Die amerikanische Anti Defamation League (ADL) will Silvio Berlusconi den so
genannten "Distinguished Statesman Award" verleihen. Dieser Preis
wird von der ADL jährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich
aktiv gegen den Antisemitismus einsetzen. Die ADL ist eine ursprünglich
jüdische US-Bürgerrechtsorganisation, die nicht nur gegen Antisemitismus,
sondern gegen alle Verbrechen ankämpft, die als Hetze gegen Individuen
oder Gruppen zu werten sind ("hate crimes"). "Berlusconi hat
den Preis wegen seiner mutigen Initiativen zur Unterstützung Israels, der
USA im Irak-Krieg und im Einsatz gegen den Terrorismus verdient", betonte
der ADL-Präsident Abraham Foxman.
Der ADL-Beschluss, Berlusconi auszuzeichnen, löste hitzige Reaktionen aus.
Sogar drei Nobelpreisträger, Paul Samuelson, Franco Modigliani und Robert
Solow protestierten gegen die Preisverleihung.
Die in den USA lebenden Nobelpreisträger verwiesen hierbei auf die jüngsten
Worte Berlusconis. Der hatte vor drei Wochen in einem Aufsehen erregenden Interview
mit dem britischen Wochenmagazin "The Spectator" das Regime des faschistischen
Diktators Benito Mussolini gelobt. Darin erklärte Berlusconi, dass Mussolinis
Regime wesentlich "gutmütiger" als jenes des ehemaligen irakischen
Präsidenten Saddam Hussein gewesen sei. Mussolini habe niemanden getötet,
so Berlusconi.
die grüne gefahr
Wer erinnert sich noch an den Einzug der Grünen in die Parlamente? Rauschebärte,
Kanacken, Schlampenlook in Jutesäcken, Sonnenblumen auf den Tischen, Strickereien
im Parlament, alte K-Gruppen-Führer in Jeans und Grunge-Outfit, Joschkas
Turnschuhe und all die Kritik an den etablierten Parteien? Die BRD stand kurz
vor der Übernahme durch diese Haschrebellen. Doch bevor unser bundesdeutscher
Wohlfahrtsstaat in einen grünen Steinzeitsozialismus versank, wurde er
zum Glück noch durch die Sozialdemokraten in einen rot-grünen Wettbewerbsstaat
transformiert. Doch die Angst vor dem Wiederaufstieg einer grün-roten Öko-Diktatur
hallt immer noch nach, nicht zuletzt auch in den Redaktionsräumen unserer
Lokalzeitung. Deshalb wohl ereiferte sich Düsseldorfs grüne Fraktionsvorsitzende
Marion Enke in vorauseilendem Gehorsam nach einer R.P.-Nachfrage zu ihren PDS-Kontakten
mit der Feststellung, sie habe "keine Kontakte zur PDS". Frau Enke
betonte als Beweis ihrer Harmlosigkeit ihre Nähe zur Union und bezeichnete
sich laut R.P. gar als "Architektin schwarz-grüner Zusammenarbeit
auf Bezirksebene". Nun, brav sieht sie aus, diese Enke. Und der heutige
grüne Kreisverband tritt ordentlich gekleidet in Erscheinung und tut so,
als ob er das Kommunistische Manifest für das geheime Strategiepapier von
Osama bin Laden halten würde. Aber die TERZ kann da nur raten: Obacht,
Union! Obacht, Deutschland!
rheinmetall gibt sich offen
Am Wochenende 11./12. Oktober findet bundesweit wieder der "Tag des Archivs"
statt. Insgesamt 19 Institutionen und Firmen in Düsseldorf zeigen der Öffentlichkeit
ihre sonst nicht öffentlichen Archive. Auch der Düsseldorfer Rüstungskonzern
Rheinmetall öffnet seine Pforten. Eine prima Gelegenheit, dort mal ein
wenig zu stöbern und z.B. nach den Akten über ZwangsarbeiterInnen,
nach dem damals auf dem Fabrikgelände liegenden Außenlager des KZ
Buchenwald und den barbarischen Unterbringungen oder dem Werkschutz zu fragen.
Auch Auskünfte zu Deals mit diversen Despoten und über Rüstungsgeschäfte
wären sicherlich äußerst interessant...
www.terz.org - 29.9.2003