Der "junge Wilde aus den Reihen der CDU", den Henrici mit Recht unter
dem "Umbau des Sozialstaates" erwähnt, ist immerhin Bundesvorsitzender
der JU, und dies noch zur Stunde! Ob er "sofort von den Parteioberen zur
Ordnung gerufen" wurde, habe ich anders wahrgenommen: Sowohl Frau Katharina
Reiche (immerhin Mitglied des Stoiberschen "Kompetenz" - Teams in
2002!) als auch Prof. Kurt Biedenkopf (vorübergehend sächsischer Ministerpräsident)
haben Philipp Missfelder inhaltlich unterstützt und allenfalls die Form
seiner Äußerungen (betreffend Hüftgelenke und Zahnersatz) mit
allermildestem Tadel bedacht. Dass aus Bayern nachdenklichere Töne zu hören
waren, sogar vom wenig links verdächtigen Herrn Stoiber, dürfte eher
dem dortigen Landtagswahlkampf und der immer noch stark kulturkatholisch geprägten
CSU-Klientel geschuldet sein. Die Fragen, die m. E. gestellt werden müssen,
lauten: Inwieweit sind Mißfelders (Reiches, Biedenkopfs) Äußerungen
bereits als faschistoid anzusehen? Bewegen sie sich noch im sonst in der 2.
Republik von deren Trägern gern beschworenen (bürgerlich-) demokratischen
Grundkonsens? Was bedeutet dies für die Unionsmitgliedschaft und Funktionsträgerschaft
solcher Menschen? Was bedeutet dies bei ihrem Verbleib in der CDU für deren
Verfassungstreue und Wählbarkeit? - Schließlich aber auch inhaltlich:
Was bedeutet das für die "Missfelder-Praxis" nicht nur von CDU/CSU/FDP,
sondern auch von SPD/"Grünen"? Sind nicht Risikoversicherungen
konsequent nur als "Vollkasko"-Versicherungen denkbar? Wäre deren
Steuerfinanzierung angezeigt, und bei welcher Steuerstruktur? Welche Progressionselemente
oder z. Z. fehlende oder zu niedrige Steuerarten wären umverteilungspolitisch
notwendig und human? Wie schnell können solche in Europa und in der übrigen
bewohnten Welt durchgesetzt werden? Und wer braucht eigentlich 180 "Eurofighter"
à 83 Mio. Euro?
BERNHARD M.
www.terz.org - 29.9.2003