Die
Linke gegen den
Sozialabbau
Alles
umsonst?
Der Beginn der
sozialstaatlichen Reform unter dem Label Agenda 2010 und speziell die
Hartzgesetze, die Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammenlegen, haben
eine Protestwelle
derer ausgelöst, die von den Kürzungen der öffentlichen
Mittel betroffen sind.
Für die radikale Linke ist dies ein Anlass, die Entwicklung dieser
Bewegung zu
analysieren und Interventionen zu diskutieren und auszuprobieren.
Auch die Düsseldorfer Linke
hat die Kritik am deutschen Sozialstaat
formuliert. Der Aufruf zum sozialrevoltionären Block zur Demo
am 31.1.2004
sowie der Aufruf des Antifa KOK zur Demo am Vorabend des 1. Mai diesen
Jahres
benennen die Punkte, die auch in einem Artikel dieser TERZ-Ausgabe
Gehör
finden: Ruhighalten von Protestpotenzial und Bereitstellen eines
Arbeitskräftereservoirs, das gezwungen ist, die letzten
Scheißjobs anzunehmen
und gleichzeitig repressiv auf die Leute wirkt, die ihre Stelle noch
haben.
Schlusszufolgern bleibt, dass es nicht Sache der Linksradikalen ist,
die
Erhaltung eines (Sozial)staates zu fordern. Stattdessen gilt es, die
Proteste
voranzutreiben und Kapitalismuskritik an den Start zu bringen. Dazu
gehört es,
all die Annehmlichkeiten und “Hängematten” zu verteidigen, die der
Kapitalismus
hervorzubringen in der Lage war. Während Bundeskanzler
Schröder seinem Volk
eine “Mitnahme-Mentalität” unterstellt und die Bildzeitung
neidvoll dem guten
Florida-Rolf den Gürtel ganz eng schnallen will, sagen wir: Weiter
so, nehmt
euch, was ihr kriegen könnt, Solidarität mit Florida-Rolf!
Mit Parolen wie
“Alles für Alle und zwar umsonst!” oder “Her mit dem schönen
Leben!” gilt es,
die Ideologie des Sparens und Schuftens zu durchbrechen. Aktionen
wie
gemeinsames Schwarzfahren demonstrieren kleine Beispiele für
widerständige
Alltagspraxis und sind entgegen der Wahrnehmung des Terz-Autors in
Düsseldorf
auf Zustimmung und Unterstützung gestoßen. Natürlich
schließt sich dann die
Frage des Genossen an, die auch meine Mutter stellte: Wer soll das
bezahlen? An
diesem Punkt zahlt sich die Verknüpfung von Theorie und
alltagstauglicher
Praxis aus, und es kann nach Herzenslust radikale Gesellschaftskritik
geübt
werden. Das System ist ungerecht und schlecht, es wird sogar noch
schlechter
und verwehrt immer mehr Menschen den Zugang zu vorher
selbstverständlichen
Dingen. Deshalb muss es weg, das Schweinesystem.
Und ganz nebenbei möchten
auch wir radikalen Linken keine Studiengebühren zahlen, doof
rumjobben und uns
dumm und dämlich fürs Bahn fahren zahlen.
Die
Umsonstkampagnen berufen
sich tatsächlich auf den schwammigen Begriff der “Aneignung”. Die
Falle besteht
darin zu glauben, sich durch kollektive Besetzungen von Räumen dem
Kapitalismus
entziehen zu können. Dieses Problem hat der Terz-Autor am Beispiel
von
Argentinien auch deutlich gemacht. Aber Aneignung ist nun mal keine
Enteignung
und somit nicht per se revolutionär. Dennoch können sich
Menschen in
gemeinsamen Erfahrungen über bürgerliche Gesetzbücher
hinwegsetzen und sich verweigern.
Kontrolettis und dem OSD den Stinkefinger hinzuhalten, ist kollektiv
effektiver
und lustiger als allein auf weiter Flur.
Apropos: Warum
nochmal wird
die TERZ im Kollektiv erstellt und umsonst verteilt …?
www.terz.org - 29.9.2004