Resist!
Rebell! Revolt!
Mit der Reihe “Public
Playgrounds” startet das Forum Freies Theater in die neue Saison, und
Matthias
von Hartz bringt “Globalisierung für Fortgeschrittene” ins Museum
Kunst Palast.
Meine Damen und Herren, der
Oktober hat es in sich. Ja, ihr seid gemeint! Faule Ausreden
dürften in den
nächsten Wochen knapp werden – Antifa zu unfunky, Montagsdemos zu
langweilig
und Umsonst-Kampagnen nicht revolutionär genug? Meinetwegen… Aber
allein davon,
dass man sich im Lesekreis auf die richtige Analyse des
kapitalistischen
Systems einigt, wird die Welt auch nicht besser. Am 15. Oktober startet
im
Forum Freies Theater das Projekt “Public Playgrounds – Labor für
künstlerische
Eingriffe”, das über einen Zeitraum von zwei Wochen Workshops,
Symposien,
Aktionen und Vorträge zum Thema Globalisierungskritik,
sozialer Protest und
Theater bietet. Und wer danach immer noch nicht weiß, was man
denn tun soll,
weil “die da oben ja doch machen, was sie wollen”, ist selber schuld…
Einen großen Teil des
Projekts bestreiten Living Theatre aus New York, die sich seit den
sechziger
Jahren mit Aktionen, Performances und Straßentheater gegen Krieg,
Militarismus
und Rassismus engagieren. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der
Dokumentarfilm “Resist”, der ab dem 14.10. im Metropol-Kino zu sehen
ist. Zwei
Tage später diskutieren Judith Malina und Hanon Reznikov als
langjährige
AktivistInnen (bzw. Gründerin) des Living Theatre mit dem
Filmemacher Dirk
Szuszies und der Soziologin Gerburg Treusch-Dieter über ihren
politischen und
künstlerischen Ansatz und stellen sich der Frage, inwieweit ihr
fast 40 Jahre altes
Konzept heute noch aktuell ist. Diejenigen, denen das zu trocken ist,
können in
mehreren drei- bis fünftägigen Workshops in die Praxis gehen
und mit
Mitgliedern des Living Theatre Performances erarbeiten, die am 29.10.
im
Stadtraum präsentiert werden.
Überhaupt
ist der 29.10. ein
Datum, das man sich merken sollte, denn auch das Wiener VolxTheater ist
bei
dieser “World Savings Day” betitelten Veranstaltung mit dabei. Das
VolxTheater,
das unter anderem während der Proteste gegen den Wahlsieg der
ÖVP/FPÖ in
Österreich, dem Weltwirtschaftsgipfel in Genua und mit Aktionen
während der
documenta 11 von sich reden machte, arbeitet
schwerpunktmäßig zu den Themen
Asyl- und Migrationspolitik und ist jetzt mit seinem “noborderlab”
unterwegs.
Dieses “mobile Laboratorium für Widerstandstechnologien und
virtuelle
Interaktion” dokumentiert die Arbeit des VolxTheaters und dient den
AktivistInnen gleichzeitig als Home Base für Exkursionen in
Düsseldorfer
Stadtteile. Es lohnt sich also, die Augen offen zu halten.
Ebenfalls im
Stadtraum
intervenieren die “Tagesfilialen” der Firma Koebberling. Seit Folke
Koebberling
die Erbschaft ihres Vaters angetreten hat, ist sie stolze Besitzerin
mehrerer
tausend Plastiktüten des Elektrogeschäfts Koebberling sowie
knapp einer Million
elektronischer Widerstände. In einer 90 minütigen Schulung
werden
InteressentInnen über Firmenphilosophie, Verkaufsstrategien und
die Vorzüge des
Produkts unterrichtet, um sich als
motivierte Ich-AG mit der Ware “Widerstand” auf dem Markt behaupten zu
können.
Wie groß die Nachfrage hier in Düsseldorf ist, wird sich
zeigen.
Auch sonst ist auf dem
Terrain der “Public Playgrounds” einiges los: Vorträge zu Culture
Jamming und
Provokation als künstlerische Strategie, Hip-Hop- und
Adbusting-Workshops,
globalisierungskritische Stadtführungen, Filme und allerhand mehr
werden
geboten. Und weil ‚Bewegung’ immer noch von ‚bewegen’ kommt, sorgen DJs
aus
Hamburgs Golden Pudel Club nach Patrick Grants performance lecture
“Party Musik
Vol 1. Solid State Technologies” über das Verhältnis von
Musik und Politik am
23.10. für die nötigen Beats.
Zum Abschluss des Projekts
findet am letzten Tag ein großes Symposium statt, in dessen
Rahmen auch erste
Mitschnitte von Aktionen und Workshops gezeigt werden.
Anschließend diskutieren
Gerald Raunig (Kunsttheoretiker), Living Theatre und VolxKarawane
über die
Stolpersteine politischer Kunstpraxis.
Im Anschluss lohnt es sich
noch, im museum kunst palast vorbei zu schauen, denn dort zeigt
Matthias von
Hartz, wie “Globalisierung für Fortgeschrittene” funktioniert. Als
Fortsetzung
der letztjährigen Veranstaltung “Globalisierung für
Anfänger” wird auch in
diesem Jahr das Schlagwort “Globalisierung”, das als Entschuldigung
für jede
Zumutung des Alltags herhalten muss, von KünstlerInnen,
WissenschaftlerInnen
und AktivistInnen beleuchtet. Geneigte LeserInnen sind gut beraten, ein
Radio
zur Hand zu haben, denn LIGNA aus Hamburg, bekannt durch ihr
“Radiobalett”,
werden für diesen Samstagabend eine Aktion in der Innenstadt
planen. Spannender
als die Sportschau ist das allemal – und gut für die Bewegung.
krümel
Das
komplette Programm der
“Public Playgrounds” findet sich im Netz unter www.forum-freies-theater.de.
Weitere
Infos zu “Globalisierung
für Anfänger” demnächst
unter
www.museum-kunst-palast.de.
www.terz.org - 29.9.2004