spiel mit zahlen
Die vielen
Montagsdemonstrationen machten rot/grün doch etwas nervös.
War das der Grund,
warum im NRW-Innenministerium ein Lagezentrum zu den
Anti-Hartz-Protesten
eingerichtet wurde? Dort wurde u.a. das Umgehen mit den Protesten
koordiniert.
Fortan übernahm die Presse die Verlautbarungen über die
TeilnehmerInnenzahlen.
Die waren jedoch an den Haaren herbeigezogen. Vor den jeweiligen
Montagsdemonstrationen gab es stark erhöhte angebliche Erwartungen
der Veranstalter,
um danach zu konstatieren, dass überall die Erwartungen nicht
erfüllt wurden.
Drastischstes Beispiel war die Demonstration am 18. September in
Düsseldorf.
Schon bei der Anmeldung im August gingen die Anmelder von
allerhöchstens 5.000
TeilnehmerInnen aus. Die Düsseldorfer Polizei wollte sie jedoch
nötigen, von
10.000 auszugehen. Vor der Demo gab das Lagezentrum die von den
Veranstaltern
erwarteten Teilnehmer mit 15.000 an. Nur hatte mit ihnen niemand
geredet. Am
Montag las man dann von 1.500 DemonstrantInnen in der Presse. Dies
war
allerdings eine stark untertriebene Zahl. Unabhängige gaben die
Zahl mit 2.500
bis 3.000 an, mit denen die Veranstalter durchaus zufrieden waren.
Zweck ist
das Kleinschreiben der Proteste und eine Demotivierung.
Offensichtlich plant
die Polizei aber auch Strategien, wie mit den erwarteten Protesten im
neuen
Jahr in und vor den Arbeitsämtern umzugehen ist. Die
“Mitteldeutschen Zeitung”
(MZ) zitiert einen Sprecher des Innenministeriums von Sachsen-Anhalt
und
schreibt: “Es sei erstmals nicht auszuschließen, dass ein
Normalteil der
Bevölkerung außerhalb eines radikalen politischen Spektrums
zielgerichtet auch
gegen Einrichtungen der Bundesagentur vorgehe”. Im Falle einer
verzögerten
Auszahlung des ALG II, bereitet sich die Polizei aber auf noch
weitergehende
Szenarien vor. Über die Arbeitsagenturen hinaus sei es “nicht
auszuschließen,
dass noch andere Institutionen wie politische Parteien, Medienanstalten
respektive politische Entscheidungsträger unmittelbares Ziel von
aggressiven
Akten werden”. So ein internes Ministeriumspapier, aus dem die MZ
zitiert.
radeln gegen ltu
An einem
sonnigen
Sonntagnachmittag besuchten 20 RadlerInnen unangemeldet Jürgen
Marbach zuhause
in Meerbusch (Düsseldorf). Jürgen Marbach ist der Vorsitzende
der LTU.
Transparente und ein Redebeitrag machten die NachbarInnen und Familie
von Herrn
Marbach auf die Abschiebeflüge durch die LTU aufmerksam und
forderten den
Vorsitzenden auf, diese Flüge zu unterlassen und sich aus dem
Abschiebegeschäft
zurückzuziehen. Das Eingangstor wurde symbolisch mit Handschellen
verschlossen.
barbaren sind immer die
anderen
Unter anderem
mit wahren,
aber auch erfundenen Berichten über Massenvergewaltigungen im
ehemaligen
Jugoslawien wurde damals die öffentliche Meinung beeinflusst und
der
rechtswidrige Angriffskrieg gegen Jugoslawien moralisch gerechtfertigt.
Eine
Befragung von 10.000 Frauen in Deutschland, die im Focus
veröffentlicht wurde,
macht deutlich, dass die deutschen Verhältnisse kaum besser sind.
13% der
Befragten haben eine versuchte bzw. erfolgte Vergewaltigung oder
Nötigung zu
sexuellen Handlungen erlebt, 37% wurden körperlich misshandelt,
58% haben eine
sexuelle Belästigung erfahren. Der Studie zufolge gibt es keine
eklatanten
Unterschiede der gesellschaftlichen Zugehörigkeit der Frauen. Ob
arm, ob reich,
ob arbeitslos oder nicht, überall gibt es sexuelle Gewalt. Als
Folge will
Bundesministerin Schmidt (SPD) eine bundesweite Notrufnummer
einrichten, bei
der man zu Hilfsangeboten vor Ort weitergeleitet wird. In NRW
dürfte dies
zunehmend schwieriger werden, denn hier sind fast alle Projekte von
Kürzungen
und Schließungen bedroht.
beim bund ist es lustig
Das fanden
einige Soldaten
in der Bergischen Kaserne in Hubbelrath so gar nicht. Sie wurden von
einem
knapp 20- jährigen Unteroffizier mit Kordeln, Antennenstab und
Linealen
gehauen. Wenn seine Untergebenen nicht spurten, wickelte er ihnen auch
mal
Klebeband um die nackten Beine und zog es dann ruckartig wieder ab, was
sehr
schmerzhaft ist. Insgesamt wurden ihm 160 Taten zur Last gelegt. Seinen
Job
hatte er sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe verloren, er ist
nun
Auszubildender. Verurteilt wurde er zu 20 Monaten auf Bewährung.
Also, was
denn. Wenn sich kleine Soldaten schon bei diesen Nichtigkeiten
beschweren und
dann auch noch Recht bekommen, dann wird das aber nix mit Deutschland.
Schließlich wird Deutschland am Hindukusch verteidigt, dort ist
man nicht so
zimperlich und braucht ganze Männer (und Frauen), keine
Warmduscher.
kein ende abzusehen
Seit Jahren
vergammeln
etliche Häuser an der Erkrather Straße. Etwa 100 Wohnungen
stehen leer. Die 100
Jahre alten Häuser haben trotz des verwahrlosten Zustandes eine
noch gute
Bausubstanz. Getan wird trotzdem nichts. Besitzer ist Helmut Hansen,
ein gewiefter
Mann, der sich immer gut in Szene setzen konnte und so vor vielen,
vielen
Jahren die gesamte Häuserzeile von der Stadt, damals noch von der
SPD geführt,
für angeblich gerade einmal 1 DM praktisch nachgeworfen bekam, mit
der
Versprechung, die Häuser zu sanieren. Schriftlich fixiert wurde
das wohl nicht.
Es galt das Ehrenwort. Danach wurde es still um die Häuser, aber
nicht um
Helmut Hansen. Der saß wegen einem ihm zur Last gelegten Mord an
einem
Kö-Millionär lange Zeit in Untersuchungshaft. Doch auch nach
seinem Freispruch
tat sich nichts an den Häusern. Gekauft hatte er sie in einer
Zeit, als es
aussah, dass das ganze Viertel in Flingern/Lierenfeld ziemlich schnell
durch
Bau eines Internationalen Handelstentrum (IHZ) und Abriss der
Kiefernstrasse
etc. zu einem neuen teuren Viertel emporsteigen würde. Böse
Zungen
unterstellten ihm schon damals eine Spekulation auf die zu erwartende
Wertsteigerung. Wir wetten mal, dass es mit dem Beginn
der Umstrukturierung des Viertels einen
Verkauf der Häuserzeile geben wird.
hartz IV blockieren
Wenn es auch mit
den
massiven sozialen Protesten (noch) nicht klappt, so kann man immerhin
dem
Ganzen kleine Nadelstiche verpassen. Mehrere Kölner Organisatoren
riefen dazu
auf, massenhaft die Abgabe der Unterlagen zu Hartz IV zu
verzögern. Um die
Anträge einzutreiben, schickt die Bundesanstalt in Köln
persönliche Termine,
bei denen die Formulare abgegeben werden sollen. Diese Termine sind
für die
Abgabe der Anträge keineswegs bindend. Man sollte zwar hingehen
(Mitwirkungspflicht),
man kann aber immer behaupten, man hätte noch gar keine Formulare
erhalten, man
hätte noch Fragen, man würde mit Beratungsstellen in Kontakt
stehen etc.
Theoretisch reicht der 31. Dezember 2004 für die Abgabe aus. Der
interne
“Handlungsleitfaden für Agenturen” gibt an: “Ab Mitte Dezember
muss für
vollständige Anträge, die nicht mehr bearbeitet werden
können, eine
Abschlagszahlung angeordnet werden [...] Ab dem 1. Januar 2005
müssen für
unmittelbar Bedürftige Bargeld und Schecks bereitgehalten werden.
Die
Androhung, dass man bei nicht rechtzeitiger Abgabe ab 2005 ohne Geld da
steht,
entpuppt sich als leere Drohung. Sollte es dennoch soweit kommen, ist
laut den
Kölnern “Stress machen” angesagt. Für Chaos dürfte auf
jeden Fall gesorgt sein.
sek tötet
Mit einem
gezielten
Kopfschuss tötete in Neuss ein SEK Beamter einen Geiselnehmer in
der Nacht zum
24. September. Der Mann hatte zuvor seine ehemalige 21jährige
Freundin, die
sich vor ihm in das Neusser Frauenhaus geflüchtet hatte, vor dem
Haus abgepasst
und mit Gewalt gezwungen, mit ihm zu kommen. Die daraufhin gerufene
Polizei
konnte die Situation nicht lösen und rief das Düsseldorfer
Sondereinsatzkommando der Polizei (SEK). Zwischenzeitlich bedrohte der
Mann die
Frau mit einem Messer an ihrem Hals und goss Benzin um sie herum aus.
Das SEK
hatte nichts besseres zu tun, als bei der ersten sich bietenden
Gelegenheit,
als der Geiselnehmer das Messer kurz weglegte, einen Zugriff zu
versuchen, der
vollkommen in die Hose ging. Der Mann konnte das Messer ergreifen und
es der
Frau an den Hals setzen. Diese dilettantische Aktion des SEK, die zur
höchsten
Gefährdung der Geisel führte, wurde mit einem gezielten
Kopfschuss aus nächster
Nähe beendet. Das Neun-Millimeter-Geschoss durchschlug den Kopf.
Die Frau, die
durch viel Glück noch lebt, liegt mit Schnittverletzungen im
Krankenhaus. Die
Staatsanwaltschaft Düsseldorf beeilte sich, ohne den Sachverhalt
gründlich zu
prüfen, zu versichern, dass es sich bei dem tödlichen Schuss
um Notwehr
gehandelt habe. Diese hat jedoch das SEK selber herbeigeführt.
Hier redet man
dann im Polizeideutsch gerne vom “finalen Rettungsschuss”, anstatt
von
staatlich sanktioniertem Mord. Das Ganze erinnert etwas an Raider
heißt jetzt
Twix.
rassistische arbeitgeber
metro im wahn
Vorweg, dies ist
keine
Satire. Der in Düsseldorf ansässige Konzern Metro AG, zu dem
die Handelsketten
Metro Cash+Carry Märkte, Real, Extra, Media-Markt, Saturn,
Praktiker und
Galeria Kaufhof gehören, erzielte im ersten Halbjahr 2004 einen
Umsatz von 26,2
Milliarden und einen Gewinn von 204,3 Millionen Euro. Die sind ihm wohl
zu Kopf
gestiegen. Die Metro AG klagt überall den eigenen Namen ein. Jetzt
könnte man
meinen, das Unternehmen gehe gegen unliebsame Konkurrenz vor, doch der
Konzern
prozessiert gegen alles, das den Namen Metro beinhaltet. Darunter zu
leiden
hatten einige U-Bahn-Fans, gegen deren domains mit dem Namen Metro der
Konzern
juristisch vorging und die zukünftig ihre Seiten nicht mehr
“metro” nennen
dürfen. Eine weitere gewonnen Klage betraf die Internetseite
“Metroplanet”,
deren Besitzer u.a. zwei Bücher des Titels “Metro” mit
U-Bahn-Bildern
herausgebracht hatte, die er nicht mehr verbreiten darf, sowie eine
Infoseite
über Metrosexuelle betrieb. Jetzt soll man der Metro nicht
unterstellen, sie
gehe nur gegen die Kleinen vor. Vor Gericht landete die Hamburger
Hochbahn,
weil sie Metro-Busse einsetzte, aus gleichem Grund die Münchener
Verkehrsbetriebe und die Berliner Verkehrsbetriebe wegen ihrer
Metrocard und
den geplanten Metrolinien. Des weiteren will sie einer Berliner
Gratiszeitung
die Benutzung des Namens “Metro” untersagen. Gegen den Metrorapid
musste nicht
geklagt werden, den wird es bekanntlich in NRW nicht geben, dafür
wurde der
Bahn die Benutzung des Namens Metro-Express für die
zukünftige
Regionalexpresslinie Dortmund-Köln untersagt. So muss sich wohl
demnächst auch
die weltberühmte Pariser Metro umbenennen, die in Madrid auch, die
vielen
Metro-Buslinien in den USA auch. Aber auch der Begriff Metropole
dürfte gefährdet
sein, und dann gibt es da auch noch den Eintrag “Metro” im Duden: Metro
(gr.
lat. fr.) die Untergrundbahn (bes. in Paris und Moskau). Der muss
natürlich
auch noch weg.
bruchlandung
Nun ist es doch
endlich
raus. Erwin hat endlich einen Namensgeber für sein
Prestigeobjekt Arena
gefunden. LTU-Arena soll das Desaster heißen. Für einen
Spottpreis hat die
Fluggesellschaft das Namensrecht, das mit umfangreichen Werberechten
verbunden
ist, ergattert. Laut der ”Neuen Rhein-Zeitung” (NRZ) zahlt sie
jährlich 300.000
bis 400.000 Euro, nebst Freiflügen. Der Vertrag läuft
über drei Jahre. VermarktungsexpertInnen
hielten 2002 eine Summe von 1,5 Millionen für realistisch. Erwin
und Konsorten
sprachen immer wieder von 1 Million Euro per anno für 10 Jahre.
Dementsprechend
sind die anderen Sponsoren etwas verschnupft. Die geben, wie bspw. die
Stadtsparkasse in etwa die gleiche Summe aus, ohne den Namen benutzen
zu
dürfen. Die LTU nutzte die Zwickmühle, in der Erwin war, aus
und hat zum
Dumpingpreis die Namensrechte bekommen. Sechs Abschiebeflüge
benötigt sie, um
die Summe zusammenbekommen, wobei sie die Zahlung auch steuerlich
absetzen
kann. Erwin wollte unbedingt noch vor der Kommunalwahl einen
Namensgeber
vorzeigen. Die Zeit drängte, so unterrichtete er anscheinend auch
die anderen
Gesellschafter erst gar nicht. Was der Geschäftsführer Muench
aber bestreitet.
Ein Beschluss kam allerdings nicht zustande. Ein weiterer Meilenstein
in der
Arena-Farce.
schaffner dürfen nicht
kontrollieren
Als bundesweit
erste Stadt
wird es demnächst wieder Schaffner in den öffentlichen
Verkehrsmitteln geben.
Ab dem 15. November sollen sie den Service verbessern. Sie sind zwar im
Namen
der Rheinbahn tätig, werden jedoch von der Stadt bezahlt und
erhalten 715 Euro
netto – bei 38,5 Stunden. Ab Januar 2005
sollen die Verträge in 1-Eurojobs nach Hartz IV umgewandelt
werden. Ins Visier
der Stadt sind Langzeitarbeitslose gekommen, die sich sicherlich auf
diese neue
Herausforderung freuen, alten Herrschaften beim Einsteigen helfen
dürfen, für
alle Ansprechpartner sein sollen und sicherlich schnell genervt sind.
Mal
sehen, wie schnell die ersten Beschwerden zu hören sind. Zur
Beruhigung aller
Zahlungsunwilligen FahrerInnen sei gesagt, das sie nicht die
Fahrkarten
kontrollieren dürfen. Dies ist nur den Angestellten der Rheinbahn
erlaubt. Die
RheinbahnerInnen stehen dem Projekt dennoch skeptisch
gegenüber und
betrachten die Serviceleute als ersten Schritt zur Auslagerung ihrer
Arbeit.
Die Auslagerung insbesondere des Busgeschäftes fordert auch ein
Gutachten der
Hamburger Beratungsfirma Bruns, das im Auftrag der Rheinbahn
den Betrieb
untersucht hat. Rheinbahn-Chef Felz ist gewillt, bis zum Jahre 2007
20,3
Millionen Euro einzusparen. Deshalb werden mindestens 480 Stellen
wegfallen.
Das soll alles ganz sozialverträglich ohne Kündigungen
vonstatten gehen. Der
Betriebsrat teilte mit, dass die Rheinbahn in den letzten 12 Jahren
schon ein
Viertel der 4.000 Stellen gestrichen hat. Der FDP gehen die angedachten
Auslagerungen nicht weit genug. Sie will die Rheinbahn gleich ganz
privatisieren. Damit verbunden wären erhebliche Lohnkürzungen.
links schlimmer als rechts
zwangsarbeit kommt
Mit dem Segen
der
Sozialverbände sind nun auch die Hartzgesetze gesegnet. Die der
SPD nahe
stehende Arbeiterwohlfahrt(AWO) hat sich voll und ganz hinter die
Hartzgesetze
gestellt. Kein Wunder, werden doch AWO, Caritas etc. erheblich von den
Gesetzen
profitieren. Sie planen mehrere tausend 1-Euro-Stellen zu schaffen. Die
Stadt
Düsseldorf und die Bundesagentur für Arbeit NRW wollen nicht
bis Januar warten
und drohen schon jetzt mit Zwangsarbeit. Überwiegend die
Wohlfahrtsverbände
sollen die Stellen schaffen. In Düsseldorf will diese Aufgabe auch
die Stadt
übernehmen und ihnen gemeinnützige Arbeiten aufzwingen. Sie
sollen bis zu 1,50
Euro pro Stunde bekommen, die nicht auf die Arbeitslosenhilfe
angerechnet
werden soll. Auch dürfen dadurch keine anderen Stellen wegfallen.
Wer´s glaubt.
www.terz.org - 28.09.2004