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Ist es nicht schön, daß sich in Düsseldorf, so wie auch
im ganzen Land, jetzt alle gegen die bösen Glatzen und Bomberjacken
erheben. Ein Bündniss der "Anständigen". Da kann ich
persönlich nur zu sagen, daß ich hoffentlich niemals ein anständiger
Mensch werde. Wenn der Erwin zur Antifa gehört..... Man müßte
dann auch über so illustre Gestalten wie den General von Schleicher,
Ernst Röhm oder Franz von Papen neu nachdenken. Gehören Sie
nicht eindeutig zu den Unbelasteten der Nazizeit bzw. sogar zu deren Opfern?
Wollte nicht auch Albert Speer spät, sehr spät Adolf Hitler
ermorden (hat er in Nürnberg tatsächlich behauptet)? Mußte
der von allen verlassene Adolf nicht in den letzten Apriltagen den getreuen
Heinrich Himmler und den Reichsjägermeister Göring aus der Partei
ausstoßen und dachte an Schlimmeres? Waren wir nicht eigentlich
alle immer gegen rechts? Anständig? Deutsch? Vielleicht ein bißchen
konservativ? Gegen Bolschewiken und Bimbos, aber immer gesetzestreu? Nur
noch zum Abwinken...Immerhin bleibt zu hoffen, daß eine wandelnde
Provinzposse wie unser Bürgermeister niemals eine höhere Bedeutung
erreicht. Die Tage sah ich in einer Buchhandlung ein Werk mit dem Titel
"Nationalsozialisten gegen Hitler", da fällt mir nun wirklich
nichts mehr zu ein. Während ich dies schreibe, höre ich eine
CD der Gruppe Unsane, einer hyperextremen Splatter-Band. Also diese Amis
haben intuitiv die richtige Musik für deutsche Zustände gemacht. Fehri |
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Mumia Abu-Jamal ist schwarzer Aktivist und Journalist, der seit über 15 Jahren in der Todeszelle in den USA einsitzt. Er wurde in einem Farceprozeß beschuldigt und verurteilt, einen Polizisten umgebracht zu haben. Trotz massiver Unschuldsbeweise und damals nicht vernommener Zeugen weigern sich die zuständigen Gerichte bis heute, diesen Justizskandal neu aufzurollen. Weltweit gibt es Unterstützergruppen, die für die Freilassung Mumia Abu-Jamals kämpfen. Die vorliegende Doppel CD versammelt insgesamt 31 Songs bekannterer und unbekannterer Künstler, die mit dieser CD nicht nur auf das Schicksal des in der death row Einsitzenden aufmerksam machen wollen, sondern damit auch Geld sammeln, um die horrenden Kosten zur Aufnahme eines neuen Prozeßes zusammen zu bekommen. Das baskische Label "Gora Herriak" hat bei der Auswahl ein gutes Händchen bewiesen. Diese Scheibe ist ausgesprochen hör- und tanzbar. Das ist eine seltene Ausnahme für Benefiz CD´s. Neben so bekannten Combos wie Chumbawamba, Brian Wilson, Asian Dub Found-ation, Primal Scream, Gunshot, gibt es auch noch wahre Schätzchen, wie Smith& Mighty, Rotes Haus und etliche andere. Die genannte Auswahl zeigt schon, das die Auswahl besonders aus dem Dancefloor- und HipHop- Bereich kommt. Außergewöhnlich ist auch, daß die Lieder meistens direkt von Mumia Abu-Jamal handeln. So ist die CD eine wahres Schätzchen, nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch ein richtiges Highlight und dringend zum Kauf empfohlen. Dafür ersteht man dann zwei CD´s für den Preis von einer, satte 150 Minuten geile Musik und ein umfangreiches Booklet, das über Mumia Abu-Jamal aufklärt. Also kaufen!
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music Free Mumia
Abu-Jamal |
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Endlich kommen Sachen da an, wo sie hingehören. Anfang des Monats
wurde in Düsseldorf "Sevens", das erste "Erlebnis-Kaufhaus"
an der Kö geöffnet. Der Name erinnert mich an was, aber ich
komm grad nicht drauf - wahrscheinlich besser so. Der Werbetext auf jeden
Fall kräht: "What's in, what's out, what's cool? Ich hab Lust
auf Spass!" Sagt da wieder jemand im Schwachmaten-Pop-Rausch, gute
Laune sei subversiv und revolutionär? Hiermit rufe ich subversiv
und revolutionär zu allgemein schlechter Laune auf, und die Jahreszeit
unterstützt mich hierbei eh. Also kollektiv grummeln und granteln,
dann wird das noch was mit dem Austreiben der bösen Geister in diesem
Jahr. Hier sind in aller Kürze erwähnenswerte Tonträger
dieser Zeit. Zuerst den Brennpunkt auf Elektrojoints und die fantastischen
Neuerscheinungen der MILLE PLATEAUX / FORCE INC-Labels: zuerst
die Sheffielder SND, deren Vorgänger schon durch ein elektronisch
kristallines Konzept äusserst ansprach. Der 2000er Update STDIO
transformiert nun diese Ästhetik in grossartig kleinen Pop ohne Überbau,
und darum geht es doch, nicht wahr? 1fach wunderschöne digitale Arbeitsmusik,
dh, es lässt sich supergut dazu schreiben, denken oder spätnachts
aus dem Fenster schauen. DAS ist es wirklich, nicht mehr, und nicht weniger.
Funktionale Melancholie. Superschön. Dann VOCALCITY von LUOMO,
das ist der geschätzte Vladislav Delay, der hier auf DeepHouse macht
- und das so gut und mit Tiefklang, wie man es erwarten kann. Weiter mit
GEEEZ'N GOSH: My life with Jesus featured natürlich wieder
ein Uwe Schmidt / Atom Heart-Projekt, und es ist intelligent - ach! -
und warm. Baut sich ein EigenHouse und schmückt es mit Gospel-Idiomen
- real nice, man. KID 606 dann, der ja schon passenderweise mit
Mr. Bungle tourte, beschert uns mit PS I LOVE YOU eine überraschende,
nicht minder warme Version von Elektronik (ihr braucht sie diesen Winter,
glaubt mir!), die zwar deckt, aber überall auch hakt. Ganz eigenästhetisch
und unbedingt anzuempfehlen. THOMAS P. HECKMANN klingt dann auf
seiner jetzt erstmals gesammelter WELT IN SCHERBEN I-V wie Black
Sabbath. Kein Vorwurf - nur, dass ihr die Reaktion versteht. Sägezahntechno
sagte man vor kurzem dazu, zwischen Edie und Che. Und zwischen der Hardware
liegen Imagefetzen, einmal pusten, fliegen sie hoch in den Staub. Von
PLURAMON gibt es ein Remixalbum: BIT SAND RIDERS mit naturgemäss
unzähligen Corporate-Identity-Mixen, dh: es kommt genau das raus,
was man von den Namen erwartet. Schade eigentlich, aber auch toll: atomTM,
High Llamas, Hecker, Merzbow, Mogwai, Sensorama & mehr, alles extremst
verschiedenartig, lohnt sich. UUSITALO bringt einen schnaften LiveAct
seinerseits heraus, der auch mit warmer Deszenz köchelt, ohne was
anbrennen zu lassen: VAPAA MUURARI live, & könnte ich
finnisch, ich würde antworten. Das entspannte Verhältnis der
Schwingungen korreliert grandios mit den gespannten Nerven der Alltagsprotagonisten.
Taschentücher rausholen und Taschenbücher gestohlen! Und noch
mehr Fantastisches, alles vom selben Label: DONNACHA COSTELLO: GROWING
UP IN PUBLIC - superguter Skelett-Elektroraggadub, reduced to the
max - unaufdringlich, aber stets präsent, one of my favorite joints
this month. Wäre da abschliessend nicht noch die neue Platte von
TERRE THAEMLITZ: NT ERST CES konfiguriert disparates mediales Audiomaterial,
das von typischen Kommerz-Files bis zu normativen "Underground"-Idiomen
reicht. Eine Dekonstruktion verschiedenster Pop-Stilistiken, die mittels
der typischen Terre-Techniken nahezu Jingle-artig collagiert und verstört
werden. Konzentriert gehört, tun sich hier ganz neue fluffige Folterkammern
der musikalischen Wahrnehmung auf. Einziges Manko: der Sleevetext, der
erneut so unlesbar in monolithischer Blockform daherkommt, dass die meisten
wieder abwinken und sich nur aufs "reine" Audio und nicht den
erweiternden Diskurs einlassen werden. Dieser "old-school"-Textblock
ist schon wieder sympathisch, aber letztlich effectless. Und man muss
kein Design-Addict sein, um hier mehr Wirkung zu fordern. Verlassen wir
Frankfurt, fliegen wir nach Berlin, besser nach Griechenland: FLUXION
veröffentlichen auf Chain Reaction ihre VIBRANT FORMS II.
Die Basic-Channel-Exegese reinsten Wassers überzeugte selten so wie
hier: auf zwei intensiven CD-Seiten hört sich der faszinierendste
Pulsschlag der Elektrik spannend wie nie an und lässt nicht los,
bis der letzte Ton verhallt ist. Gross! Die neue MICROSTORIA "MODEL
3, STEP 2" dagegen lässt sich mehr denn je auf Jazz und
improvisierende Strukturen ein, ohne sich in Experimentalesoterik zu verlieren.
Völlig entfernt von Allem und gleichsam charmant im Hier und Jetzt,
das überzeugt klar. Sehr empfehlenswert auch BIG CHIEF ELEKTRIC
(Pagoda). Seit einiger Zeit schon sehr eigenstilistisch unterwegs, hat
der (zugezogene!) Kölner, der Düsseldorf disst - das musste
erwähnt werden - hier seinem Namen alle Ehre und mit RAYGUM &
BUBBLEGUN eines der kickendsten Elektronikalben der Zeit gemacht:
supertaffe neue Beats & ein ganz eigener Humor. Das macht Spass und
kickt, was man von einem reinen Elektronikalbum heutzutage ja nicht immer
sagen kann! KREIDLER dagegen funken auf ihrer Neuesten (Wonder)
elegisch herum, sehr smart & sophisticated, aber irgendetwas fehlt,
um mal Brecht zu zitieren. Die Platte schwankt zwischen dem grossen Kreidlerschen
Problem, Eintönigkeit qua zuviel Konzept einfach so und ungefragt
ins Haus zu lassen (Tipp: besserer Türsteher) und der grössten
Kreidlerschen Klasse: eben dadurch clevere Momente einer gelassenen Struktur
hinzubekommen, die wirklich ok ist, aber unsachgemäss enteuphorisiert.
Tolle Melodien, aber dann traut man sich doch nicht über die Monotonie
hinweg. Es nerven die Do's und Don'ts, die Wörter, die man nicht
sagen darf. Ein Death-Metal-Stück mit dreckiger Lache wäre als
statement denkbar gewesen. Es wird schon spät, also galoppieren wir
wie gewohnt durch die grosse Anzahl von Platten. CINEMATIC ORCHESTRA-REMIXE
(Ninja Tune) von Jason Swinscoe lassen wenig Wünsche offen, von Krust
bis Faze Action ist auch einiges dabei, dass die krude Klasse dieser Soundtrackvisionen
aufpolieren kann. Another Day in Downbeat-paradise auch für TOSCA:
deren SUZUKI wurde von jeder Menge eklektizistischen Spinnern brilliant
IN DUB umgewandelt (G-Stone). Kaputtnik-Vibes galore gibt's selbstredend,
wenn Turntable-Samurai CHRISTIAN MARCLAY und Ground Zero-Hacker
OTOMO YOSHIDE zusammen an der Nadel kratzen: MOVING PARTS (Asphodel)
spielt Swingbeat auf unseren gespannten Nervenbahnen, like Turntablism
never happened. Während Freestyle-Wizzard DOCTOR L mit TEMPLE
ON EVERY STREET (Jive) schon wieder ein erstaunliches Album draussen
hat, bringt Detroit's Kenny Dixon aka MOODYMAN mit FOREVERNEVER-MORE
(Peacefrog) den schönsten & seligsten Housejoint ins Spiel. JUSTICE
ist auf MODERN RETRO (Hydrogen) der tighteste und melodischste
D&B-Entwurf der Zeit gelungen, WAYWARD SOUL dagegen fusioniert
auf BROTHERS FROM ANOTHER PLANET (Pias) diverse Stile, bis es kracht
- kein Witz: die Kraftwerk-Coverversion "Showroom Dummies" ist
mehr als Gimmick. In etwa so wie der RetroElektro-New-Wave-Nerver SYLVESTERBOY,
der auf dem Chicks-On-Speed eigenem Label seine Platte MONSTERS RULE
THIS WORLD herauskloppt - schönschön - das Ganze minus Kunstschule,
& wir rocken jede Party damit. Die Damen selbst geben uns alte B-52s-Classix
& faken Aussehen, Alter & wahrscheinlich auch den Rest der Welt.
Die Welt als Wille & Popstar...Neue FSK auch da. Fazit: Schwierig!
Warum will man noch Band sein? X (SubPop) ist in 3 Tagen eingespielt -
& das hört man! Ich habe mehr Respekt vor der Zehnten als Begeisterung
für die Musik. Klar, gut, verlässlich - aber: eine "alte"
Platte halt. Was soll das Fehlen der Texte (Motz...) - ach, lasst sie
doch machen...(schlimme Kritik?). Noch mehr Bands: GODSPEED YOU BLACK
EMPERORs (Kranky) neue LEVEZ VOS...ist bemerkenswert, aber
nach dem zweiten Hören entpuppt sich die Platte als überhypte
Prätentiose für Mittelstandstrottel, die süchtig nach Konzept
und Gefühl sind. In Wahrheit die Rückkehr der Artrock-Zombies:
Prog- & Classic-Rock-Fegefeuer, wenn nicht Hölle. GYBE
- hörenswert, aber nicht wirklich wichtig, berührend, bewegend.
Was ihr aber kaufen müsst (kicher) ist ARRIVED PHOENIX von
MOUNT FLORIDA (Matador), ein schottisches Dub-Duo, dass die Bühne
bereits nicht zu Unrecht vor Lee Scratch Perry unsicher gemacht hat. Zwei
schöne Brazil-Bands möchte ich auch noch anempfehlen: ALEUDA
mit OFERENDA und AZYMUTH mit BEFORE WE FORGET (Groove
Attack): Hier eine graziöse und ausdrucksstarke Stimme, die auch
mit Egberto Gismonti und anderen Traditional-Freistilern zusammenkommt,
dort eine bewegende Mixtur aus Fusion, Jazz & Brasil-Stilen, eine
Livesession aus Rio, mit minimalsten Mitteln aufgenommen. Lohnt ein Ohr!
Sehr abgedreht und unbedingt empfehlenswert ist auch der Re-Release des
Filmsoundtracks zu LA PLANETE SAUVAGE von ALAIN GORAGUER.
Der 1973 entstandene Zeichentrickfilm (Zeichner: Roland Topor) ist einer
der durchgeknalltesten Prä-Hippie-Kultfilme mit irrem Plot &
aussenstehendem Funkjazz-Soundtrack. Vinyl kost' heut über 100 Pfund,
also zugreifen (DC Recordings). Sehr seltsam auch das erste Soloalbum
von SAD ROCKETS, dem Begründer der unsympathischen Mucus 2
(die nach einem arrogant-unmöglichem D'dorf-Gig für ewig bei
mir verkackt hatten). TRANSITION (Matador) geht aber so gerade
noch durch, allerdings wird klar, dass hier ein Indierocker wieder mal
in die offene Elektrokiste gefallen ist. Teilweise ok, aber wg. Vorbehalten
Abzüge in der Gesamtnote. Superduperschöne Songplatte aber,
die keineswegs untergehen darf, ist THOU / PUT US IN TUNE (Pias),
produziert von PJ Harvey-Gitarrist John Parish in Bristols Portisheadstudios.
Genug Namenverlieren, hört die krude Mischung, die bisweilen an Giant
Sand erinnert & kalt wärmt. Schlittern wir zu den HipHop-Joints:
den MICRANOTS gelingt es auf OBELISK MOVEMENTS (SubVerse)
sich in Charaktere zwischen Black Terrorists und gelassenen Aufklärern
einzupendeln, die Titel sind knapp und lakonisch, die Vibes klar und basisch.
VIOLENT BY DESIGN, nach Psycho Social das lang erwartete zweite
Album der JEDI MIND TRICKS (Groove Attack), dagegen erinnert in
seiner opulenten Stringenz und seinem schonungslosen Blick auf Gewalt
und Tod an Mobb Deep, die Styles jedoch erscheinen multipel gespreizter,
nicht zuletzt duch eine ganze Latte hochkarätiger Gäste. Die
UNSUNG HEROES dagegen verwenden auf UNLEASHED (75 Ark) Standardidiome
des HipHop & moshen in echt noch über MCs ab, die bullshit reden
(Tipp an sie: 1fach nicht hinhören!). Ansonsten Gimmicks galore,
in den besten Momenten schöne Clarinet-Loops, aber dann gibt's radio
spots & saturday-nite-life-Humorschübe, die auf die Dauer 1fach
nerven. Leute, die auf Rap mit Fun-Attack stehen, bekommen hier zu essen.
Die beste HipHop-Platte dieser Zeit aber kommt aus Chicago: RUBBEROOMS
Debut ARCHITECH-NOLOGY (SubVerse), ein Rerelease von April 99,
hat die Kraft und Klasse, um bei all dem mittelmässigen HipHop-Müll
sofort aufzustehen und sich hinzustellen: Engel mit Knarren, hoch über
der Stadt. Kein Comic, sondern ein Versprechen. MARCUS |
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