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Lediglich 300 Neonazis waren am Samstag zum Aufmarsch auf dem Rheinufertunneldeckel
in der Nähe der Oberkasseler Brücke erschienen. Schon bald stand
vielen von ihnen Entäuschung und Frust im Gesicht geschrieben: Für
ihren zwei Kilometer langen Marsch unter dem Motto "Meinungsfreiheit
auch für Nationalisten - Argumente statt Verbote" benötigten
sie fast fünf Stunden. Immer wieder mußte der Demonstrationszug,
der sich über die von 4.000 Polizeibeamt-Innen abgesicherte Rheinuferpromenade
quälte, stoppen und bis zu 90 Minuten ausharren, bevor es weiterging.
GegendemonstrantInnen war es trotz diversen Sondereinsatz- und bayrischen
Unterstützungskommandos mehrmals gelungen, Vorstöße auf
die Demonstrationsroute zu unternehmen. Beinahe hätte der braune
Spuk bereits nach weniger als 100 Metern sein Ende gefunden, weil es der
polizeilichen Einsatzleitung lange Zeit zu gefährlich war, den Aufmarsch
am Burgplatz vorbeizuführen. Man entschied sich für den Nachzug
von Sondereinsatzkommandos und die Umleitung des Aufmarsches unterhalb
der Rheinuferpromenade. Auf dem Rückweg von der Zwischenkundgebung
am Innenministerium wurde den Neonazis dann auch noch von der Polizei
untersagt, ihren vom Düsseldorfer "Kameradschafts"mitglied
Stefan Krekel zur Verfügung gestellten und gefahrenen Lautsprecherwagen
für weitere Durchsagen und Parolen zu nutzen. Mehrmals war zuvor
über diesen "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" skandiert worden,
was dem Einpeitscher noch vor Ort ein Ermittlungsverfahren wegen Werbens
für eine verbotene und verfassungsfeindliche Organisation bescherte.
Organisiert worden war die Demonstration vom "Widerstand West",
einem Zusammenschluß nordrhein-westfälischer "Freier Kameradschaften".
Die Abwicklung der Demonstration, die von dem Neusser NPD-Kreisvorsitzenden
Reinhard Vielmal aus Dormagen als "Privatperson" angemeldet
worden war, lag in den Händen der "Kameradschaft Düsseldorf"
um Sven Skoda. Dieser wurde von den nordrhein-westfälischen "Füh-rungs-kameraden"
Siegfried Borchardt, Ralf Tegethoff, Christian Malcoci und Carsten Köppe
unterstützt. Auch der Bonner NPD-Kreisvorsitzende Hans-Robert Klug
wirkte in der Demon-strationsleitung mit. Ebenso wie Vielmal konnte offenbar
auch er dem Beschluß des NPD-Bundesvorstands, aufgrund der aktuellen
Debatte über ein Verbot der NPD, derzeitig keine Demonstration durchzuführen,
und der Distanzierung der NPD von der Düsseldorfer Demo nichts abgewinnen.
Neben der "Kameradschaft Düsseldorf" und ihrem großen
Umfeld waren insbesondere Neonazis aus dem Ruhrgebiet, hauptsächlich
aus Dortmund, Essen, Bochum und Witten, dem Ennepe-Ruhr-Kreis, dem Bonner
Raum und dem Kreis Mettmann vor Ort anzutreffen. Auch die Betreiberin
des Düsseldorfer-CD-Vertriebs "Hagalaz-Versand", Melanie
Dittmer, und der ehemalige stellvertretende JN-Landesvorsitzende Frank
Amberg aus Bur-scheid, beide heute für das "Bildungswerk Deutsche
Volksgemeinschaft" tätig, gaben sich nach längerer Demonstrationspause
wieder die Ehre. Nennenswerte Unterstützung von außerhalb NRWs,
wie noch eine Woche zuvor in Dortmund, gab es nicht. Und sogar reihenweise
"Kameradschaften" aus NRW wie die "Sauerländer Aktionsfront",
die Siegener "Kameradschaft 2/130", die ostwestfälischen
"Kameradschaften", dem Kölner "Kampfbund Deutscher
Sozialisten" und die ansonsten immer präsenten niederländischen
"Kameraden" ließen sich nicht blicken. Ob diese geringe
Beteiligung mehr auf fehlende Unterstützung aus der Szene oder auf
antifaschistische Blockaden und Aktionen zurückzuführen ist,
blieb ungeklärt. Fest steht, daß zwischen 100 und 200 Neonazis
ihr Ziel nicht erreichten und bei der Anreise wieder abdrehen mußten.
Diese mußten sich zumindest nicht die peinlichen Reden vor Ort anhören.
Während sich Skoda und Tegethoff einmal mehr in Goebbels-Kopien versuchten,
schaffte es Vielmal nur mit großer Mühe, seine dreiminütige
wirre Rede vom Papier abzulesen. Der "bekannte nationale Redakteur
Truchs" und eine nicht näher vorgestellte Vertreterin der "Erlebnisgeneration"
standen ihm in nichts nach. Letztere appellierte an die "jungen Kameraden",
doch mehr auf ihr "Äußeres zu achten". Besorgt um
das Bild der "Deutschen Jugend" in der Öffentlichkeit hatte
sie zuvor vergeblich versucht, einem angetrunkenen Naziskin die Bierdose
zu entreißen.
Wie zu erwarten war, verkauft das "Wider-stands-büro" von
Skoda den Aufmarsch via Internet dennoch als Erfolg . "Der Nationale
Widerstand" sei "in Deutschland wieder eine politische Kraft
geworden, die in jeder Stadt, in jedem Dorf stolz Flagge zeigt."
Man habe mit 400 Teilnehmern "ein medienwirksames Zeichen gegen die
Medienhetze und Verbotshysterie in der BRD" gesetzt.
PIERRE BRIEGERT
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