Antifaschistische Aktivitäten und Neues aus der Naziszene
Düsseldorfer Nazis mit Schußwaffen
Bereits in der Ausgabe von September 1999 berichtete die TERZ erstmalig über
den Düsseldorfer "Abenteuer und Sicherheitsausstatter" Ralf Spies,
der auf der Gerresheimerstraße u.a. mit Dennis Mertens, Dieter Quest,
Timo Hatamy, Sven Scharley und seiner Freundin Doreen Schulz den zwischenzeitlich
geschlossenen Laden "Survival Security & Outdour" betrieben und
hierin die in derartigen Läden übliche Gruselpalette an Waffen angeboten
hatte. Spies, der seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit Securitydiensten
verdient, bot darüber hinaus Sicherheitsträinings an, was auch immer
hierunter zu verstehen ist. Da Spies selbst in der Neonazi-Szene als "gefährlicher
Amokläufer" gilt und beste Kontakte zu Neonazis unterschiedlicher
Gruppen in Düsseldorf pflegt, stand schon 1999 zu befürchten, daß
er die Düsseldorfer Neonazi-Szene unter der Hand mit illegalen Waffen versorgt.
Im Sommer 2000 geriet Spies in Verdacht, etwas mit dem Sprengstoffanschlag am
S-Bahnhof Wehrhahn zu tun gehabt zu haben. Er wurde kurzzeitig festgenommen
und verhört, schien aber seine Unschuld ausreichend glaubwürdig darlegen
zu können. Ende September 2001 rückte dann erneut Polizei bei ihm
ein. Aus den Ermittlungsergebnissen der "Soko Ackerstraße" sei
laut Polizeiangaben hervorgegangen, daß Spies "in einer Vielzahl
von Fällen scharfe Waffen" verkauft habe. Neben den Wohnungen von
Spieß und Scharley wurden auch die von zwei Waffenkäufern durchsucht.
Und siehe da: sämtliche 1999 in der TERZ geäußerten Befürchtungen
bewahrheiteten sich auf einmal. Bei den beiden Kunden handelt es nämlich
sich um die Bilker Sven Gustavsohn und Sascha Grieß, die beide in der
Düsseldorfer Neonazi-Szene aktiv sind. Gustavsohn schoß noch am 13.
Juni während des Bilker Naziangriffs vor dem Cafè Tigges mit einer
Gaswaffe auf eines der Opfer. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits im Besitz der
scharfen Pistole, so daß man von Glück reden kann, daß er "nur"
die Gaspistole einsetzte. Auch Sascha Grieß, der einen Steinwurf von Gustavsohn
entfernt am Georg-Schullhoff-Platz wohnt, ist kein Unbekannter. Häufig
sah man den 24jährigen in den letzten Jahren zusammen mit Mitgliedern der
"Kameradschaft Düsseldorf". Und auch im Rheinstadion ist Grieß
einschlägig bekannt. Fortuna Düsseldorf sprach ihm gegenüber
am 13.11.1998 ein dreijähriges Stadionverbot aus, da er sich gemeinsam
mit dem Bilker Daniel Tiemann im Stadion neonazistisch betätigt hatte.
Auch der damalige Mitinhaber des Militaria-Ladens, der Reizholzer Dennis Mertens,
gehört zur Bilker Clique, zu der auch der Haupttäter beim Tigges-Überfall,
Sven Ripphahn, und der Bilker Sascha Balasus zählen. Mertens war beispielsweise
zugegen, als im letzten Jahr die InhaberInnen der linken Buchhandlung BiBaBuZe
durch Gustavsohn und Ripphahn bedroht wurden. Wenngleich bei den Hausdurchsuchungen
die Waffen nicht gefunden wurden, steht sowohl zu befürchten, daß
diese in einem sicheren Versteck auf ihren Einsatz warten, als auch, daß
Gustavsohn und Gries nicht die einzigen Düsseldorfer Neonazis sind, die
über eine derartige Ausrüstung verfügen.
Naziaufmarsch in Winterberg
Neben den neonazistischen Demonstrationen am 17.11. in Hagen und am 19.1. in
Lüdenscheid, steht demnächst noch ein dritter Aufmarsch in NRW ins
Haus. Am 24.11. wollen "Freie Kameradschaften" aus der gesamten BRD
anläßlich des 4. Todestags der im November 1997 bei einem Autounfall
verstorbenen Sauerländer "Führungskameraden" Andree Zimmermann,
Thomas Kubiak und Harald Theodor Mehr in Winterberg im Hochsauerlandkreis einen
Trauermarsch abhalten. Winterberg war der Wohnort von Zimmermann und Kubiak
und hier wurden sie auch beerdigt. Nachdem in den letzten drei Jahren diesbezügliche
Aufmärsche aufgrund der gängigen Rechtsprechung nicht möglich
waren und sich zumeist mit mißglückten Saalveranstaltungen zufrieden
gegeben werden musste, erhoffen sich die Sauer- und Siegerländer Neonazis
um Daniela Wegener, Martin Scheele und Andreas Becker nach dem erstmalig seit
1990 wieder genehmigten Rudolf-Hess-Marsch in Wunsiedel, daß derartige
"Trauermärsche" auch im Sauerland wieder stattfinden dürfen.
Die Entscheidung wird auch hier letztendlich wieder das Bundesverfassungsgericht
in Karlsruhe zu treffen haben. Aufgrund der Vorkommnisse bei der Beerdigung
von Zimmermann und Kubiak, bei der u.a. Hakenkreuzfahnen in den Gräbern
versenkt wurden und mehrfach "Sieg Heil" skandiert wurde, verbleibt
jedoch eine Restchance, daß der Aufmarsch verboten bleibt, da die Gerichte
erneut mit derartigen Straftaten rechnen und entsprechend ein Verbot begründen
könnten. Verlassen sollten sich AntifaschistInnen hierauf aber nach den
Erfahrungen der letzten Jahre auf keinen Fall. Sollte der Aufmarsch doch genehmigt
werden, steht zu befürchten, daß zukünftig jährlich im
November ein neonazistischer Aufmarsch in Winterberg anstehen wird.
Infos zu Gegenaktionen finden sich rechtzeitig im Internet unter http://www.ya-basta.org
und
http://www.antifa-kok.org.
www.terz.org - 29.10.2001