Bilk. Mitten in einen intakten Straßenzug im Viertel will die Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft ein riesiges Loch reißen. Vier Häuser sollen abgerissen und durch drei komplett neu zu erbauende, kaum leistbare Luxuswohnheime für ältere Menschen ersetzt werden. Dreiundvierzig Mietparteien sind hiervon betroffen, über 11 Wohnungen stehen inzwischen leer, guter und günstiger Wohnraum soll dem wenigstens auf den ersten Blick edelmütig anmutenden Projekt zum Opfer fallen. Aber auch hier trügt der Schein ...
Gemogelte Genehmigung
Am 17.09.2002 stimmte die Bezirksvertretung Bilk mit 8:7 Stimmen dem Abriss
der Häuser Binterimstraße 26-32 zu und machte somit den Weg frei
für die Absichten der Genossenschaft, an deren Stelle einen Wohnkomplex
für ältere Menschen aus dem Boden zu stampfen. Natürlich hatte
OB Erwin, gleichzeitig Planungsdezernent, seine Finger im Spiel. Die zum Teil
erheblichen Bedenken gegen den vorliegenden Antrag der Wohnungsgenossenschaft
drohte er zunichte! In seinem an alle Fraktionen verschickten Drohbrief heißt
es, dass das Projekt von der Bauverwaltung rechtlich abgesichert und somit von
der Bezirksvertretung nicht mehr anfechtbar sei. Im Falle eines Negativbescheids
sollten die Bezirksvertretungsmitglieder persönlich haftbar gemacht werden.
Die Häuser
Die betroffenen Jugendstilhäuser, fast 100 Jahre alt, sind trotz jahrelanger
Vernachlässigung seitens der Genossenschaft in intaktem Zustand. Im 2.
Weltkrieg fielen die Dächer zwar einem Bombenangriff zum Opfer, wurden
aber vollständig wieder in Stand gesetzt.
Dadurch konnte der Denkmalschutz umgangen werden, der in erster Instanz geprüft
und außer Kraft gesetzt wurde. Einer prüfenden Delegation wurden
darüber hinaus leerstehende Vorzeigewohnungen präsentiert, die dem
durchschnittlichen Standard überhaupt nicht entsprachen.
Die Genossenschaft
Sieht die CDU-nahe Düsseldorfer Wohnungsbaugenossenschaft in ihrem wohnraumvernichtenden
Vorhaben eine lukrative Möglichkeit, sich an umfangreichen Fördergeldern
des Landes für den Bau zu bereichern? Zumindest sind Wohnungen, die an
Pflegestufen gekoppelt werden, zwar in ihrer Grundmiete billig, durch die Kosten
des verbindlichen Betreuungsangebotes jedoch für normale RentnerInnen fast
unbezahlbar. Die Diakonie, Besitzerin der Senioren-Wohnheime im Dahlacker (200
Meter Luftlinie entfernt), betreibt diese in Kooperation mit der Genossenschaft.
Da sie seit geraumer Zeit rote Zahlen schreibt, käme ihr ein Projekt dieser
Größenordnung wohl recht - um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.
Soll ein Verwandter des Oberbürgermeisters mit dem Millionenprojekt beauftragt
werden? Oder handelt es sich um eine neue Form der Vertreibung schlecht situierter
Menschen aus innenstadtnahen Vierteln? Das auffällige Interesse des Stadtoberhauptes,
Hindernisse auch in diesem Falle aus dem Weg zu räumen, lässt viel
Raum für Spekulationen.
Fiese Machenschaften
Dass Häuser nicht dem Erdboden gleichgemacht werden können, solange
es Mietparteien gibt, die sich dem Auszug entgegenstellen, ist der Düsseldorfer
Wohnungsgenossenschaft wohlbekannt. Deswegen besucht sie seit einigen Wochen
fleißig jede/n Mieter/in persönlich, um ihn/sie zum Auszug zu überreden.
Neue Wohnungen werden bei Kündigung des Mietverhältnisses in Aussicht
gestellt - natürlich zu höheren Kosten. Älteren MieterInnen wird
das neue Projekt schmackhaft gemacht, wahrscheinlich ohne zu erklären,
wieviel Mehrkosten auch da auf jede/n Einzelne/n zukommen werden. Der Mietspiegel
in Bilk wird steigen, billiger Wohnraum nicht nur in 43 Fällen schwinden
- auch das verschweigt der Vorstand.
Widerstand ist machbar
Anfang Oktober hat sich eine MieterInnen-Initiative gegründet, die sich
gegen das unmögliche Vorgehen zur Wehr setzt. Gegenüber den MieterInnen,
auch den Mitgliedern, die zum Teil seit mehr als 25 Jahren in den nun vom Abriss
bedrohten Häusern wohnen, hat sich die Genossenschaft bis zum großen
Knall in Schweigen gehüllt. Natürlich wollen sie ihre Wohnungen nicht
aufgeben, haben das Zusammenleben von Studis, jung und alt immer sehr geschätzt
und sind bereit dafür zu kämpfen, dass das auch so bleibt. Es wird
sich lohnen, die Machenschaften auf der Binterimstraße nicht aus den Augen
zu verlieren; wenn die Genossenschaft tatsächlich dabei bleiben sollte,
ihr Vorhaben entgegen allen Protestes durchsetzen zu wollen, könnte es
spannend werden.
Achtet auf Ankündigungen und Artikel, denn Bilk ist ein schöner Stadtteil
(noch ...) und Hausbesetzer werden immer gesucht ....
Thabea
www.terz.org - 29.10.2002